Darum gehts
- Verheerende Brandkatastrophe in Bar Le Constellation forderte 40 Todesopfer
- Bar-Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti befragt, Jacques Moretti kam in Polizeigewahrsam
- Feuer wurde durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
Vater von Brandopfer kritisiert Schweizer Behörden
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Sein Sohn, der 18-Jährige Luka, wurde in der Silvesternacht beim Brand im Le Constellation verletzt. Er erlitt schwere Verbrennungen und liegt noch immer im Koma im Universitätsspital Waadt. «Er wird hervorragend betreut», sagt sein Vater Hugues Blatti im Interview mit RTS.
Über die Schweizer Behörden verliert er keine so lobenden Worte. Diese enttäuschten ihn zutiefst. «Wir haben so gut wie gar keinen Kontakt», kritisert er. «Im Gegensatz dazu hat sich Frankreich gemeldet, sogar mit einem Treffen bei Präsident Macron», sagt Blatti und fordert mehr Hilfe für die Opfer: «Die Versicherungssummen reichen nicht. Es braucht einen Fonds, um alle zu entschädigen.»
Gemeinsam mit anderen Familien hat er den Verein Swisshearts gegründet, um Spenden zu sammeln.
Verbrennungsopfer darf Spital nach 20 Tagen verlassen
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
In der Nacht auf den 1. Januar 2026 veränderte sich das Leben von Eleonora P. von einem Augenblick auf den anderen drastisch. Zwar schaffte sie es lebend aus der Feuerhölle in Crans-Montana, erlitt jedoch schwere Verbrennungen.
«Hier auf der Intensivstation kämpfen wir Tag für Tag, um zu heilen ... Mein Gedanke gilt den Engeln, die es nicht geschafft haben. Hört niemals auf, das Leben zu ehren!», meldete sie sich Mitte Januar aus dem Spital Niguardia in Mailand.
«Mein Weg fängt erst an»
Nun konnte die 29-jährige Tierärztin endlich nach Hause. Fast einen Monat nach der Tragödie. Gegenüber dem «Corriere della Sera» sagte sie: «Die grösste Hürde ist geschafft, aber mein Weg fängt erst an.» Für den Wechsel der Verbände, die Kontrollen und zur Therapie wird sie immer wieder ins Spital zurückkehren müssen.
Besonders ihre rechte Hand ist stark verbrannt. An dieser musste eine Hauttransplantation vorgenommen werden. «Die grösste chirurgische Hürde habe ich überwunden», sagt Eleonora. «Jetzt steht eine andere Herausforderung vor mir: Physiotherapie, ständige Verbandswechsel – und intensive psychologische Arbeit.»
Verbrennungen seien anders als viele andere Verletzungen: Der Heilungsprozess sei «kein Moment, sondern ein Weg», der mindestens zwei Jahre dauern könne.
Eleonora wurde Richtung Club gerissen
Die junge Frau war mit ihrem Freund nach Crans-Montana gereist. Zuerst feierten sie mit Freunden draussen auf dem Marktplatz, dann wollten sie in den Club Le Constellation wechseln.
Ausgerechnet in dem Moment, als sie in der Schlange vor dem Eingang standen, brach im Innern das Feuer aus. In der Panik wurde Eleonora in die Menge und Richtung Club gerissen – sie kam kurz mit den Flammen in Kontakt. Ihr Freund brachte sie sofort ins Spital. Er blieb unverletzt.
Tiefes Trauma
Heute ist Eleonora vor allem dankbar, dass sie lebt und zugleich erschüttert über das, was in dieser Nacht passiert ist.
Das Trauma sitzt tief, der Alltag wird von Schmerzen, Behandlungen und Angst vor dem Spiegel begleitet. Doch sie versucht, nach vorn zu schauen und hofft, dass sie eines Tages nicht mehr nur an das Feuer denken muss, wenn sie an Crans-Montana zurückdenkt.
Wie dramatisch die Nacht in Crans-Montana gewesen sein muss, hat mein Kollege Georg Nopper in einem Artikel zu den Notrufen zusammengefasst. Den Bericht findest du hier.
Bericht: Ermittlungen gegen weitere Person
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Wallis ein Strafverfahren gegen den ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen von Crans-Montana eingeleitet hat. Der Mann soll am 9. Februar vernommen werden.
Nun rückt offenbar eine weitere Person in den Fokus der Ermittlungen. Laut dem französischen Sender BFMTV wird gegen den derzeitigen Sicherheitsverantwortlichen von Crans-Montana ermittelt. Er soll demnach am 6. Februar vernommen werden.
Auch RTS berichtet von Ermittlungen gegen eine vierte Person. Auch in diesem Bericht ist die Rede vom derzeitigen Sicherheitsverantwortlichen von Crans-Montana. Zudem schreibt RTS, die Gemeinde Crans-Montana sei von der Staatsanwaltschaft Wallis nicht als Partei im Strafverfahren anerkannt worden. Gegen diese Entscheidung könne innert zehn Tagen Berufung eingelegt werden.
Der ehemalige Sicherheitsverantwortliche hatte die Bar Le Constellation in den Jahren 2018 und 2019 auf ihre Sicherheitsstandards hin überprüft. Seit 2019 war die Bar nicht mehr überprüft worden. 2024 übernahm der derzeitige Sicherheitsverantwortliche das Amt von seinem Vorgänger.
Walliser Behörden bei Inspektionen offenbar überfordert
Von Angela Rosser, Redaktorin am Newsdesk
Seit der Katastrophe in Crans-Monatana stehen nach wie vor unzählige Fragen im Raum. Antworten auf diese gibt es bisher nur wenige. Nach wie vor gilt es, die Umstände zu klären, wie es zu dem verheerenden Brand hat kommen können.
Im Zentrum stehen auch die Behörden und die Durchführung der Brandschutzinspektionen – oder das Ausbleiben eben dieser. Wie «Le Temps» nun schreibt, scheint sich das Problem nicht nur auf Crans-Montana zu beschränken. Die Zeitung schreibt, man habe «umfangreiche Unterlagen» einsehen können. Diese sollen die Frage nach dem systematischen Charakter dieser Mängel aufwerfen.
Unübersichtliche Vermerke
Zu den erwähnten Unterlagen gehören auch zwei Excel-Listen. In der einen stehen 104 Einrichtungen. Zwischen 2017 und 2021 seien weniger als 20 Inspektionen eingetragen worden. Der Kanton Walllis sieht eine Inspektion pro Einrichtung pro Jahr vor.
Die Einrichtungen sollen demnach aber gerade mal alle fünf Jahre kontrolliert worden sein. Einige Einträge in der Liste sollen Vermerke wie «Kein Besuch» oder «Kein Bericht» enthalten.
Hotel seit 2009 nicht mehr kontrolliert
Es scheint fast so, als hätte man hier komplett den Überblick verloren. Das soll auch ein Eintrag belegen, bei dem ein Hotel mit über 50 ZImmern und Suiten offenbar seit 2017 nicht mehr inspiziert wurde.
Ein Termin soll aber für dieses Jahr angesetzt worden sein – neun Jahre nach der letzten Kontrolle. Noch schlimmer steht es offenbar um ein anderes Hotel. Der letzte verfügbare Eintrag für dieses stamme aus dem Jahr 2009, schreibt «Le Temps».
Gemeindevertreter klagen über Personalmangel
Der Bericht über Excel-Tabellen und Untersuchungszyklen liest sich aber wohl genau so verwirrend, wie die Unterlagen selber. Was heraussticht: «Le Temps» konnte mit mehreren Vertretern von Walliser Gemeinden sprechen. Diese wollten zwar alle anonym bleiben, sagen aber übereinstimmend, dass es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich sei, die jährliche Inspektionspflicht für öffentlich zugängliche Gebäude zu erfüllen. «Wir kommen nicht hinterher», sagte eine Quelle zur Zeitung. Man habe schlichtweg nicht genügend Personal, um das alles zu schaffen, sagt diese weiter.
«Die Anforderungen steigen exponentiell, aber die Ressourcen sind nicht unbegrenzt. Wir müssen ständig Abwägungen bei den verschiedenen Aufgaben treffen und Prioritäten setzen», sagt ein Bürgermeister einer Gemeinde.
Café nicht mit Club vergleichbar
Ein Problem sehen die Behördenvertreter auch in der Gesetzgebung. So sei ein Café mit wenigen Plätzen nicht mit einem Club in einem Keller vergleichbar. Damit meinen sie, dass eine jährliche Inspektion nicht überall gleich relevant sei. Ob mit einer Anpassung der Prioritäten das Problem gelöst werden kann, können aber auch sie nicht abschliessend beantworten.
Die Thematik rund um den Brandschutz hat unter anderem meine Kollegin Céline Zahno in einem Artikel beleuchtet. Diesen findest du hier.
Strafverfahren gegen Ex-Sicherheitsverantwortlichen eingeleitet
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Die Staatsanwaltschaft Wallis hat ein Strafverfahren gegen einen ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen in Crans-Montana VS eingeleitet. Das berichtet der Westschweizer TV-Sender RTS. Der Mann soll am 9. Februar vernommen werden.
Bislang wurde nur das Betreiberehepaar Moretti mit rechtlichen Konsequenzen konfrontiert. Nun wird die Untersuchung auf die Gemeinde Crans-Montana ausgeweitet.
Der neue Beschuldigte war für mehrere Brandschutzkontrollen in der Bar zuständig, wie sein Anwalt gegenüber RTS bestätigte.
Das Verfahren dient der Feststellung einer möglichen strafrechtlichen Verantwortlichkeit im Zusammenhang mit den festgestellten Mängeln bei der Überwachung öffentlicher Einrichtungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Jahrelang hatten die Behörden Sicherheitsmängel in dem Lokal der Morettis übersehen. Durch fünf Systemlücken blieb die Gefahr des Schaumstoffs unentdeckt.
Französische Bank gewährte den Morettis keine Kredite mehr
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Während Schweizer Banken dem Betreiberpaar Moretti jahrelang Kredite gewährten, stoppte die französische Bank Crédit Lyonnais bereits 2021 die Finanzierung ihrer Immobiliengeschäfte – nach der Entdeckung fragwürdiger Bürgschaften. Dies berichtet die französische Satirezeitung «Le Canard Enchaîne» in ihrer Ausgabe vom Mittwoch. Die Zeitung ist bekannt dafür, investigative Recherchen zu Polit- und Wirtschaftsskandalen durchzuführen.
Im März 2021 führten Zahlungsverzögerungen dazu, dass das Institut die vom Ehepaar hinterlegten Sicherheiten für Kredite von insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro einer vertieften Prüfung unterzog, heisst es. Diese Kredite waren angeblich für den Erwerb einer Wohnung in Paris im Jahr 2015, einer Villa auf Korsika im Jahr 2018 sowie für die anschliessenden Renovationsarbeiten an dieser Villa im darauffolgenden Jahr bestimmt.
Laut dem Bericht hegte die «Crédit Lyonnais» den Verdacht, dass sich im Finanzierungsdossier gefälschte Dokumente befanden. Daraufhin verlangte die Bank die umgehende Rückzahlung der Darlehen. In der Folge kam es zu einem Vergleich.
Der Bank wurden daraufhin neue Sicherheiten vorgelegt. Jessica Moretti deklarierte dabei ein monatliches Einkommen von 13’827 Euro aus ihrer Anstellung im «Le Constellation».
Wir erinnern uns: Während einer Befragung gaben die Morettis an, ein Gesamteinkommen von 10700 Euro (rund 9900 Franken) aus ihren drei Unternehmen zu verdienen, wie mein Kollege Alexander Terwey am vergangenen Mittwoch in diesem Ticker erklärt hat.
Somit ergibt sich eine klare Diskrepanz zu den Recherchen von «Le Canard Enchaîne». Diese neuen Enthüllungen werfen Fragen zu den Aussagen auf.
Barchef Gaëtan T. erlebte Schreckliches: «Ich erkannte meine Mutter kaum»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Er arbeitete am Abend des 31. Dezember und musste danach mehrere Tage ums Überleben kämpfen. Barchef Gaëtan T. wollte eigentlich schon lange kündigen. Dem 28-Jährigen gefiel es nicht, dass im Le Constellation Minderjährige reingelassen wurden. Aus Angst vor einem Lohnausfall, entschied er sich jedoch, noch bis nach den Feiertagen zu bleiben.
Am Abend der Tragödie arbeitete T. im Obergeschoss der Bar. Als das Feuer ausbrach, versuchte er noch den Opfern zu helfen. Auf dem Weg nach unten verlor er das Bewusstsein.
«Ich erinnere mich an die ersten Schreie», erzählt der junge Mann gegenüber BFMTV. «Ich wurde von einem Gefühl der Panik überwältigt. Ich erinnere mich, dass ich versucht habe, mich mit meinem Arm zu schützen, um so wenig Rauch wie möglich einzuatmen und eine Person herauszuziehen.»
Inmitten der Panik erinnert er sich an fast nichts mehr, nur einige wenige Eindrücke sind ihm geblieben. «Die Menschen drängten sich auf der Treppe und es kam zu einem Stau», bestätigt er Berichte der Polizei, wonach 34 Opfer bei der Treppe gefunden wurden. Mein Kollege Daniel Kestenholz hat in diesem Artikel erklärt, wo die Forensiker auf die 40 Todesopfer stiessen.
«Ich verlor schnell das Bewusstsein... Es ging alles so schnell. Ich weiss nicht einmal, wie ich aus der Bar gekommen bin.»
T. wachte erst eine Woche später in Lausanne auf. Er hatte eine Rauchvergiftung erlitten und zehn Prozent seines Körpers waren verbrannt. «Ich habe meine Mutter kaum erkannt, konnte schlecht sprechen.»
Mittlerweile wurde T. aus dem Spital entlassen. Er glaubt, dass die Tragödie hätte verhindert werden können. Die Arbeit im Le Constellation gefiel ihm nicht. Es sei ein «Chaos» gewesen, zudem glaube er nicht, dass im Obergeschoss ein Feuerlöscher verfügbar war.
Walliser und italienische Ermittler treffen sich laut Botschafter
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Ermittlungen rund um die Brandkatastrophe von Crans-Montana belasten auch die Beziehungen der Schweiz zu Italien. «Wir sind fassungslos», sagte beispielsweise der italienische Aussenminister Antonio Tajani am Freitag. Diverse italienische Politiker haben sich schockiert darüber gezeigt, dass die Staatsanwaltschaft im Wallis lediglich eine Kaution von 200'000 Franken für Jacques Moretti verlangte.
Nun kommt es offenbar zu einem Treffen zwischen den schweizer und Italienischen Ermittlern. Die Walliser Staatsanwaltschaft wird sich laut dem Schweizer Botschafter in Rom, Roberto Balzaretti, Mitte Februar mit der römischen Staatsanwaltschaft treffen. «Die Zusammenarbeit der Justizbehörden Italiens und der Schweiz im Fall Crans-Montana läuft bereits», sagte Balzaretti in einem Interview mit «CH Media».
Um ein solches Treffen habe Italien gebeten, noch bevor über das Rechtshilfeersuchen entschieden werde, sagte er den Zeitungen. Der Zeitpunkt des Treffens Mitte Februar sei keine «Verzögerung seitens der Schweiz, sondern das erste mögliche Datum für die Staatsanwaltschaft Rom», sagte der Botschafter zu «CH Media».
Die Staatsanwaltschaft in Rom hatte am 13. Januar ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz gerichtet. Das Bundesamt für Justiz habe dieses am darauf folgenden Tag an die Walliser Staatsanwaltschaft übermittelt. Bis am Freitag soll ein Entscheid stattfinden.
Die beiden Strafverfolgungsbehörden haben gemäss dem Bundesamt für Justiz auch die Möglichkeit, sich für die Ermittlung zu gemeinsamen Ermittlungsgruppen zusammenzuschliessen. Solch ein Zusammenschluss sei ein übliches Vorgehen.
Italien hatte am Montag gemeinsame Ermittlungen gefordert. Der italienische Botschafter in der Schweiz wurde nach Rom zurückgerufen und von der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni empfangen. Wie sich Meloni geäussert hat, kannst du hier im Artikel meiner Kollegen nachlesen.
«Es gibt keine zwischenstaatliche Krise», sagte Balzaretti darauf angesprochen. Italiens Aussenminister Antonio Tajani habe gesagt, dass es kein diplomatisches Problem mit der Schweiz, sondern mit bestimmten Entscheidungen der Walliser Justiz gebe. «Das ist übrigens das Äusserste, was man als Politiker angesichts der Gewaltenteilung gegenüber einem Rechtsorgan sagen kann», sagte der Botschafter gegenüber «Le Temps».
Schweiz verweist nach Bitte Italiens erneut auf Walliser Justiz
Von Alexander Terwey, Stv. Teamlead Newsdesk
Erst am vergangenen Montag hat die italienische Regierung um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ihre Forderung nach einer engen Zusammenarbeit zwischen den schweizerischen und italienischen Behörden bei den Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana bekräftigt. Sie beschloss sogar, die Rückkehr des italienischen Botschafters in die Schweiz von der Bildung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe abhängig zu machen. Der Botschafter war nach der Freilassung des Betreibers der Bar Le Constellation, Jacques Moretti, abgezogen worden.
Nun hat die Schweiz reagiert. Das Aussendepartement in Bern verwies erneut darauf, dass die Aufklärung in der Zuständigkeit der Walliser Justiz liege. Die politischen Behörden seien nicht zuständig. «Ein Grundprinzip unseres demokratischen Systems ist die Gewaltenteilung, die jedem Staatsorgan spezifische Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zuweist», hiess es vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Unterdessen hat sich Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, aus der Deckung gewagt. Was dahinter steckt, erklären meine Kollegen Janine Enderli und Martin Meul in diesem Artikel.
«Darauf kann einen keine Simulation vorbereiten»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Knapp vier Wochen nach dem Brand im La Constellation kehren die ersten Feuerwehrleute in den Dienst zurück. Feuerwehrchef David Vocat ringt noch immer mit den Folgen jener Nacht. Gegenüber «24heures» sagt er, er wisse nicht, ob er in einem Jahr noch im Amt sein werde – «aber im Moment lasse ich meine Gemeinde nicht im Stich».
Seine Leute stehen weiter im Einsatz, trotz Schlafmangel und schwerer Erinnerungen. Mehrere Feuerwehrleute sind krankgeschrieben, er selbst arbeitet nur noch Teilzeit und kommt auf «drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht». Übungen und Richtlinien hätten zwar funktioniert, betont er, doch: «Ein Kind sterben lassen zu müssen, um ein anderes zu retten – darauf kann einen keine Simulation vorbereiten.»
Für Reynold Favre, einst Kommandant der Feuerwehr Sierre, sind Katastrophen wie in Crans-Montana «Ausnahmesituationen», auf die sich niemand wirklich vorbereiten könne. Trotzdem hätten nach dem Tunnelbus-Unglück von Siders kaum Leute die Feuerwehr verlassen, erinnert er sich zurück. Petra Prévôt-Lüdi, Generalsekretärin der nationalen Feuerwehr-Koordinationsstelle, sagt, Tragödien schadeten der Rekrutierung meist nicht – im Gegenteil, sie erinnerten an die Bedeutung der Feuerwehr.
Auf Kritik an der kleinen Mannschaft in der Silvesternacht reagiert Vocat mit einem Hinweis auf die Realität der Milizfeuerwehr: «Wir sind ja nicht bei Chicago Fire.» Gleichzeitig warnt er vor längeren Anfahrtszeiten durch zu starke Zentralisierung. Halt findet sein Korps in der grossen Solidarität: Blumen, Kuchen, Dankesbriefe stapeln sich in Vocats Büro – Unterstützung, die vielen hilft, weiterzumachen.