Die Gefahr wurde durch fünf Schlupflöcher übersehen
Schaumstoff im Le Constellation blieb über Jahre unentdeckt

Das Feuer in der Bar Le Constellation in Crans-Montana forderte 40 Tote. Behörden übersahen jahrelang Sicherheitsmängel. Nun zeigen Recherchen: Durch fünf Systemlücken blieb die Gefahr des Schaumstoffs unentdeckt.
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Jacques Moretti während der Umbau-Arbeiten.
Foto: Zvg

Darum gehts

  • In Crans-Montana starben am 31. Dezember 2025 40 Menschen bei Feuer
  • Kein Brandschutzkonzept und Schwarzarbeit bei Renovierung der Bar Le Constellation festgestellt
  • Letzte Kontrolle 2019 zeigte Sicherheitsmängel, Schallschutzschaum verursachte Brandausbreitung
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Janine EnderliRedaktorin News

Das verheerende Feuer in der Bar Le Constellation in Crans-Montana in der Silvesternacht 2025 schockierte weit über die Landesgrenzen der Schweiz hinaus. Seit Tag eins dominiert eine Frage: Wieso mussten 40 Menschen sterben?

Klar ist: Bei der Kontrolle der Bar Le Constellation gab es massive Versäumnisse. In zehn Jahren erkannten die Behörden bei den Kontrollen die Gefahr, die von dem Inventar im Betrieb ausging, offenbar nicht ausreichend. Die Westschweizer Zeitung «24 heures» erlangte nun Akteneinsicht und beschreibt, welche Systemlücken die Kontrollen wirkungslos machten. 

Fünf Schlupflöcher

Jacques Moretti (49) übernahm die Bar 2015 und machte aus dem Lokal einen trendigen Betrieb. Er renovierte das Le Constellation fast vollständig selber. Ein rumänischer Arbeiter half ihm dabei, dieser arbeitete schwarz. Für die Arbeiten wurde keine Baubewilligung beantragt. 

Der eingebaute Schallschutzschaum fing in der Silvesternacht Feuer. Nach Walliser Recht sind bauliche Veränderungen innerhalb von Gebäuden meist genehmigungsfrei. Entscheidend ist der Umfang. Die Untersuchung prüft nun, ob die Umbauten im Le Constellation genehmigungspflichtig gewesen wären.

Im August 2015 erhielt Moretti die Betriebsgenehmigung, ein Brandschutzkonzept wurde nicht verlangt. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Gemeinde vom Betreiber die Vorlage eines Brandschutzkonzepts verlangen können. Bis 2019 (die letzte Kontrolle) lag kein solches Konzept vor. 

Ein Veranda-Anbau wurde separat genehmigt; der Schaumstoff im Untergeschoss blieb bei dieser Prüfung unbeachtet.

Während der Veranda-Renovierung forderte die Kantonsfeuerwehr laut RTS die Gesamtpläne an, die offenbar nicht eingereicht wurden. Der Kanton erklärte, die Gemeinde habe den Beginn der Arbeiten nicht gemeldet, so dass man davon ausging, dass sie nicht ausgeführt wurden.

2018 und 2019 wurden im Le Constellation Brandschutz-Mängel festgestellt. Sowohl die holzverkleidete Treppe als auch das Verandaglas entsprachen nicht den Vorschriften. Zudem wurden die fehlenden Schulungen für Mitarbeiter und Evakuierungsübungen kritisiert. Der Zustand des Schaumstoffs wurde nicht dokumentiert.

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