Darum gehts
- Ein Ferrari crasht am 13. Mai auf der A1 bei Lenzburg
- Halter Tobias T. (57) schweigt, gibt an, einem Wildtier ausgewichen zu sein
- Ferrari sichergestellt, Polizei untersucht Spuren, Ermittlungen laufen weiter
Plötzlich steht am Mittwochmorgen ein leuchtend roter Ferrari neben der Autobahn in einer Böschung, inmitten von Grün. Die Kantonspolizei Aargau rückt zum Unfallort auf der A1 in Fahrtrichtung Bern aus. Der Bolide ist stark beschädigt; genauso wie ein Wildschutzzaun. Der Fahrer? Geflüchtet!
Beamte suchen den Halter an seinem Wohnort auf – nur: Der macht dicht. In Polizeisprache: «Er machte Gebrauch von seinem Aussageverweigerungsrecht.»
Blick berichtete am Mittwochnachmittag. Seither treibt der herrenlose Sportwagen die Blick-Leser um. Es folgen Hinweise, wem der Ferrari gehören könnte.
Halter ist Unternehmer
Recherchen zeigen nun: Der Halter ist Tobias T.* (57), ein Aargauer Unternehmer, der lange in der Medienbranche tätig war. Er ist unverletzt.
Auf Social Media präsentiert er seinen roten Ferrari stolz, seine Leidenschaft für den Boliden bringt Tobias T. anhand mehrerer Fotos und Videos zum Ausdruck. Er hat diesem sogar einen liebevollen Spitznamen verpasst.
Auf seinem Social-Media-Profil auch zu sehen: Eine Autofahrt, bei der es der Lenker mit den Verkehrsregeln nicht ganz so genau nimmt. Das Video zeigt etwa, wie sich der Fahrer bei einer Geschwindigkeit von über 60 km/h selbst mit der rechten Hand filmt, während er einen Ferrari linksseitig mit drei Fingern lenkt und mit der gleichen Hand raucht.
Ein anderes Video zeigt denselben Ferrari, der mit über 300 km/h unterwegs ist. Laut einem Kommentar von Tobias T. auf der deutschen Autobahn A96 – «aber nur kurz».
Ob bei diesen zwei Fahrten auf Social Media Tobias T. hinter dem Lenkrad sass, ist nicht eindeutig.
Polizei sichert Spuren
Blick trifft den Halter am Freitag vor seinem Haus an, als er gerade etwas hineinträgt. Angesprochen auf seinen roten Crash-Ferrari, sagt er, ohne zu zögern: «Ich bin einem Wildtier ausgewichen!»
Tobias T. erklärt, dass die Polizei ermittle und sein Anwalt ebenfalls «an der Sache dran» sei. Kurz darauf findet er dann aber: «Ich habe nichts gesagt.» Und fragt: «Haben Sie Beweise?»
Fakt ist: Ob Tobias T. am Steuer des Unfallwagens sass, ist Gegenstand der Ermittlungen. Offen bleibt damit auch, weshalb der Fahrer nach dem Crash flüchtete und den Boliden stehenliess.
Der Ferrari wurde derweil von der Kantonspolizei Aargau sichergestellt. Es ist davon auszugehen, dass sie nun Spuren aus dem Auto sichert. Auch um zu überprüfen, ob vielleicht doch jemand anderes am Steuer sass. Es gilt die Unschuldsvermutung.
* Name geändert