Darum gehts
- Schweiz erlebt Hitzewelle mit Rekordtemperaturen bis zu 38,8 Grad in Basel
- Gummiboot-Verkäufe steigen, Zürich meldet 58 Prozent mehr Bestellungen als Rest
- Flüsse bergen Gefahren: Städte warnen mit Präventionskampagnen und Sicherheitsregeln
Es ist heiss, sehr heiss in der Schweiz. In Basel wurden am Freitag 38,8 Grad gemessen – Rekord! Die Hitzewelle treibt die Menschen im Land ins und aufs Wasser.
Jedes Jahr beliebter wird dabei das sogenannte Böötle. Mit einem Gummiboot auf Schweizer Flüssen den Sommer geniessen. Sowohl Verkäufer als auch Behörden vermerken einen Anstieg. Inzwischen ist das Böötle mehr als nur gemütliches Treibenlassen auf dem Fluss. Es wird immer häufiger auch zum sozialen Event – bis hin zu River-Raves mit Hunderten Teilnehmenden.
Doch ist es nur die Hitze, die die Menschen aufs Wasser bringt? Die Blick-Reporter Sebastian Babic, Maria-Rahel Cano und Devin Schürch waren auf dem Rhein im Kanton Thurgau und in der Aare Richtung Bern unterwegs und haben die Böötlerinnen und Böötler auf dem Wasser befragt.
«Bin schon die halbe Woche auf dem Wasser»
Ein Blick auf die Aare zeigt: Auch schon am frühen Freitagnachmittag ist gehörig Verkehr auf dem Fluss. «Es ist grossartig! Wir sind das erste Mal mit den Kindern am Böötle, es ist das Einzige, was bei diesem Wetter Sinn macht», sagt der Vater der Familie Scharnowski aus Bern.
Lous Besso (17) aus Liebefeld BE verbringt seit Beginn der Hitzewelle fast mehr Zeit auf dem Wasser als an Land. «Ich war schon letztes Wochenende auf der Aare. Gestern und heute und mal schauen, wie es dieses Wochenende aussieht. Ich bin sozusagen jeden zweiten Tag auf dem Fluss.»
Auch auf dem Rhein im Kanton Thurgau herrscht reger Betrieb. Raul (20), Respi (19) und Lars (20) aus Weisslingen ZH geniessen das Wetter in ihrem Gummiboot. «An so einem schönen Sommertag gibt es nichts Schöneres, als auf den Fluss zu gehen.»
Fest im Sommerprogramm
Noah Kubler (16) aus Winterthur ist zusammen mit seinem Mami Nicole (44) auf dem Rhein unterwegs. «Ich war schon ein paar Mal im Rhein, aber hier noch nie», sagt der 16-Jährige. «Er hat heute schulfrei, darum habe ich spontan gesagt, lass uns auf dem Rhein böötle», ergänzt Nicole Kubler.
André (47), Touristiker aus Malans GR besucht an seinem freien Tag seine Freunde aus der Nähe: «Ich bin am Rhein aufgewachsen, bei uns ist der Fluss aber wilder als hier», scherzt der Bündner. «Die Gegend hier gefällt mir. Wobei der Wasserstand ein wenig höher sein könnte.»
Die Gespräche zeigen: Für viele ist das Böötle längst mehr als eine spontane Abkühlung an heissen Tagen. Es gehört für zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer fest zum Sommerprogramm.
Grosses Geschäft für Händler
Wo ein Trend ist, sind die Umsätze nicht weit. Die Hitzewelle macht sich so nicht nur auf den Flüssen, sondern auch bei den Verkäufern von Gummibooten bemerkbar. Interdiscount schreibt auf Blick-Anfrage: «Mit dem Einzug des Sommerwetters verzeichnen wir einen massiven Nachfrageanstieg.»
Dabei handelt es sich nicht nur um die Auswirkungen der aktuellen Hitzewelle. «Das Flussböötle hat sich in den letzten Jahren von einem Nischen-Hobby zu einem echten Breitensport und festen Bestandteil der Schweizer Sommerkultur entwickelt», so Interdiscount.
Auch bei Galaxus spürt man die Hitzewelle bei den Verkäufen von Gummibooten. Der Onlinehändler verzeichnet einen Anstieg von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Was niemanden wundern dürfte: Gerade in Kantonen, durch die beliebte Flüsse für Böötler wie die Aare, die Reuss oder die Limmat fliessen, wird besonders viel bestellt. So liegen die Bestellungen in den Kantonen Bern und Aargau über dem Schweizer Durchschnitt. Spitzenreiter bleibt Zürich. Dort werden 58 Prozent mehr Gummiboote bestellt als im Rest der Schweiz.
Flüsse nie unterschätzen
Auch wenn man gerade gemütlich auf der Aare, der Limmat oder dem Rhein treibt, gilt es, die Gefahren auf dem Wasser nicht zu unterschätzen. Immer wieder kommt es zu Unfällen, die auch tödlich enden können.
«Wir haben in den vergangenen Jahren festgestellt, dass vor allem Kollisionen zwischen Schlauchbooten und stehenden Hindernissen, insbesondere Brückenpfeilern, zugenommen haben», schreibt die Kantonspolizei Bern. «Dies hängt sehr wahrscheinlich, neben der gestiegenen Anzahl von Booten auf dem Fluss, mit einer gewissen Unaufmerksamkeit zusammen.» Genaue Statistiken dazu gibt es aber nicht.
Dass Unachtsamkeit auch tragisch enden kann, zeigt der Fall von Aron B. (†5). Der Junge war mit seiner Familie in einem Gummiboot auf der Reuss unterwegs, als dieses kenterte. Der Fünfjährige verschwand dabei und wurde drei Tage später tot von Helfern in der Gemeinde Merenschwand entdeckt. Blick berichtete über den Fall.
Städte machen Prävention
Viele Städte, durch die geböötlet wird, versuchen, solche Unfälle mit Prävention zu verhindern. Zürich informiert auf seiner Website über Regeln und Gefahren. Bern versucht mit der Kampagne «Aare you Safe?» die Böötler zu warnen. Dort ist auch eine Karte der Aare zu finden, auf der man sich über riskante Stellen im Fluss informieren kann.
Wichtig bleibt: Fliessgewässer dürfen niemals unterschätzt werden. Wasserstände, Strömungen oder Hindernisse können sich rasch verändern. Gerade unerfahrene Schwimmerinnen und Schwimmer sowie Gelegenheits-Böötler überschätzen ihre Fähigkeiten oft.
Wer die Sicherheitshinweise beachtet, die Route im Voraus plant und auf Alkohol verzichtet, kann den Sommertag auf dem Wasser jedoch unbeschwert geniessen.
Böötle ja – aber mit Vorsicht
Zurück auf der Aare und dem Rhein scheint von all den Gefahren für den Moment niemand etwas zu spüren. Familien, Jugendliche und Freundesgruppen lassen sich flussabwärts treiben, springen ins Wasser oder suchen den nächsten Schatten am Ufer.
Die Hitzewelle wird irgendwann vorbeigehen – die Lust aufs Böötle dürfte bleiben. Wer dabei die Kräfte des Wassers respektiert, kann die Schweizer Flüsse dabei auf eine unnachahmliche Weise erleben.