El Niño stellt Wetterlage auf den Kopf – ETH-Experte erklärt die Folgen für die Schweiz
Wird jetzt auch unser Winter zu warm?

El Niño heizt den Pazifik auf – mit globalen Folgen. ETH-Professor Nicolas Gruber erklärt, warum das Wetterphänomen auch die Schweiz beeinflusst und wie es zu höheren Preisen für Kakao, Soja und Kaffee führen könnte.
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Die drei Zyklone, die Anfang des Monats über dem Pazifik wüteten, sind dem El Niño zu Schulden. Von links nach rechts: Hurrikan Lowell, Hurrikan Karina und Tropensturm Marie.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • El Niño heizt Pazifik auf, beeinflusst globales Wetter, auch indirekt Schweiz
  • Schweiz spürt höhere Preise für Kakao, Soja und Kaffee durch Knappheit
  • Temperaturen im Pazifik steigen bis Weihnachten, Name bedeutet «Christkind»
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Der Pazifik kocht. Schuld daran ist das Wetterphänomen El Niño. Nicolas Gruber (58), ETH-Professor für Umweltphysik, erklärt, welche Folgen das Ereignis für Preise und Versorgung haben kann. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was ist das Phänomen El Niño?

El Niño tritt vor allem im äquatorial-östlichen Pazifik auf. Dort steigen die Wassertemperaturen im Sommer extrem stark an. «Die maximale Temperatur wird dann um die Weihnachtszeit erreicht. Daher kommt auch der Name El Niño. Auf Spanisch bedeutet El Niño Christkind», erklärt Gruber.

El Niño ist ein natürliches Klimageschehen, bei dem sich der tropische Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt. El Niño tritt unregelmässig alle paar Jahre auf und kann das Wetter in vielen Teilen der Welt beeinflussen.

Warum wirkt es sich weltweit aus?

Obwohl das Wetterphänomen im Pazifik auftritt, macht es sich global bemerkbar. Das liegt daran, dass die Tropen die «Wettermacher der Erde» sind. Warme Luft steigt auf – Fachleute nennen das Konvektion. Gruber erklärt: «Dabei kühlt sich die Luft ab und es kommt zu starken Niederschlägen.» Dadurch können «die Anomalien aus den Tropen über planetare Wellen in mittlere und hohe Breiten getragen werden. So spürt man die Auswirkung des El Niños global», schildert Gruber.

Merken wir den El Niño im Schweizer Wetter?

«Europa ist klimatisch wenig von El Niño betroffen», entwarnt der Experte. Die direkten klimatischen Auswirkungen seien besonders in Nord- und Südamerika, Indien, Afrika und Australien spürbar. «Es gibt jedoch Anzeichen, die auf eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen wärmeren und nasseren frühen Winter schliessen lassen», schildert Gruber mit Blick auf die Schweiz.

Ansonsten ist es klimatisch bedeutsamer, dass die Schweiz aus einem «rekordheissen» Sommer komme, der Europa allgemein trockene und heisse Perioden beschert habe. Das sei laut Gruber «der wichtigere Faktor für die Schweiz». 

Worauf muss man sich in der Schweiz kurz- und langfristig einstellen?

Doch El Niño hat dennoch auch in der Schweiz einen Effekt – nämlich im Supermarkt: Bei Lebensmitteln drohen Engpässe und höhere Preise. «Das liegt daran, dass in bestimmten Regionen durch den El Niño die Nahrungsmittelproduktion stark reduziert sein wird.»

Besonders betroffen könnten Kakao, Soja und Kaffee sein. Diese Rohstoffe werden vornehmlich in klimatisch stark betroffenen Gebieten angebaut. Durch Rohstoffknappheit kann auch die Nachfrage nach Gütern aus der Schweiz zurückgehen, erklärt Gruber.

Er sagt: «Mit den Auswirkungen der Kriege, der geopolitischen Situation und den Tarifen, befindet sich die Schweiz zurzeit schon im Stress. Die direkten und indirekten Auswirkungen des El Niño fügen nun weiteren Stress dazu.»

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