Darum gehts
- Satellit entdeckt ungewöhnliche Warmwasserzone im Pazifik, mögliches El-Niño-Ereignis droht
- El Niño könnte extreme Wetterlagen weltweit verstärken, Experten warnen vor Folgen
- März bis Mai 2026: Einer der wärmsten Frühlinge in der Schweiz
Ein unsichtbarer Gigant im Pazifik macht sich bemerkbar: Eine gewaltige Warmwasserzone zieht Richtung Südamerika und könnte das Wetter weltweit durcheinanderwirbeln. Der Satellit Sentinel-6 «Michael Freilich» hat die ungewöhnliche Entwicklung registriert, wie US-Medien unter Berufung auf Nasa-Daten berichten. Der Ozeanwächter untersucht die Meere regelmässig und erkennt kleinste Veränderungen.
Nun zeigt sich: Tief im Pazifik steckt deutlich mehr Wärme als üblich. Der Meeresspiegel ist angestiegen, ein typisches Signal für eine mögliche El-Niño-Phase. Die US-Behörde für Ozeanografie und Atmosphärenforschung (NOAA) bestätigte am Donnerstag, dass El Niño begonnen hat. Noch ist unklar, wie lange das Phänomen andauert.
Verstärkte Extrem-Wetterlagen
El Niño entsteht, wenn sich der tropische Pazifik aussergewöhnlich stark erwärmt. Die gespeicherte Energie wird an die Atmosphäre abgegeben und kann die globale Temperatur zusätzlich hochtreiben. Das aktuelle Ereignis trifft auf eine Erde, die durch den Klimawandel bereits deutlich wärmer geworden ist. Die Kombination könnte extreme Wetterlagen verstärken. «Die Auswirkungen müssen ernst genommen werden», zitiert die britische BBC den Klimaexperten Adam Scaife. Die zusätzliche Wärme durch El Niño könne die bestehende Erderwärmung weiter verstärken und dadurch aussergewöhnliche Temperaturen begünstigen.
El Niño zeigt nicht überall dasselbe Gesicht. In Teilen Südamerikas können starke Regenfälle und Überschwemmungen auftreten. Andere Regionen, etwa Australien oder Indonesien, kämpfen häufiger mit Trockenheit und erhöhter Brandgefahr. Indien könnte unter extremer Hitze ächzen.
Bedeutung von El Niño für die Schweiz
Für die Schweiz ist El Niño kein direkter Wetterschalter. Ob der Sommer heiss oder wechselhaft wird, hängt vor allem von der europäischen Wetterlage ab: Hochdruckgebiete, Atlantikströmungen und die Bodenfeuchtigkeit spielen eine entscheidende Rolle.
Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (Meteo Schweiz) nennt als ausschlaggebenden Faktor die sogenannte Nordatlantische Oszillation – das Wechselspiel der Druckdifferenzen über dem nahen Atlantik, also zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch. Der Pazifik ist dagegen weniger entscheidend. Die vergangenen El-Niño-Jahre verliefen zudem aus Schweizer Sicht zum Teil recht unterschiedlich, weshalb sich keine klare Prognose machen lässt.
Wechselhafte Bedingungen in Europa
Trotzdem erlebte Europa zuletzt deutliche Veränderungen. Rund um die Eisheiligen wurde es nochmals ungewöhnlich kalt. Besonders im Alpenraum lagen die Temperaturen Mitte Mai deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
Auch in der Schweiz sank die Schneefallgrenze zeitweise stark ab. Doch kurz danach drehte das Wetter komplett. Innerhalb weniger Tage folgte eine markante Wärmephase. In mehreren europäischen Ländern wurden für Mai neue Temperaturrekorde gemessen. Laut Meteo Schweiz zeigte sich auch in der Schweiz ein aussergewöhnlicher Wetterverlauf. Die Monate März bis Mai gehörten zu den wärmsten Frühlingsperioden seit Beginn der Messungen. Gleichzeitig blieb es vielerorts trockener als üblich.