Darum gehts
- Ex-Kita-Leiter Tobias F. soll 15 Kleinkinder in Winterthur und Bern missbraucht haben
- US-Organisation NCMEC entdeckte Verdacht durch Suchanfrage mit Schweizer IP-Adresse
- 2025 meldete NCMEC 16’750 Verdachtsfälle an Fedpol, ein neuer Höchststand
15 Kleinkinder im Alter von ein bis vier Jahren hat der ehemalige Kita-Gruppenleiter Tobias F.* (33) in Kitas in Winterthur und im Kanton Bern mutmasslich missbraucht. Teile der Taten hat er gefilmt – mit dem Kita-Handy und seinem privaten Smartphone. Wie SRF Ende März berichtete, soll F. immer wieder minutenlang mit Kindern alleine auf die Toilette verschwunden sein. Auch während des Mittagsschlafs sei es zu Übergriffen gekommen. Viele der Taten geschahen hinter verschlossenen Türen, andere wiederum im Hauptraum der Kita, wo er sich die Hose ausgezogen habe.
Wie der «Tagesanzeiger» nun berichtet, führte jedoch erst ein Hinweis aus den USA zum Verdächtigen. Die gemeinnützige US-Organisation National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC) wird von US-Internetgiganten wie Google und Meta mit Daten über mutmasslich pädokriminelle Inhalte versorgt. Verdachtsfälle leitet das NCMEC schliesslich an Behörden weltweit weiter. Grundlage für die Spur zu Tobias F. sei dabei eine kinderpornografische Aufnahme gewesen, die F. auf eine Suchmaschine lud, um ähnliches Material zu finden.
Kinderpornografische Aufnahme in Suchanfrage überführte Tobias F.
Nach Angaben des «Tagesanzeigers» handelte es sich dabei um kein selbst angefertigtes Bild und war auch nicht bei den gefilmten Übergriffen in den Kitas entstanden. Das NCMEC erhielt Meldung von der Suchanfrage und der dazugehörigen Schweizer IP-Adresse und leitete den Verdachtsfall schliesslich an das Bundesamt für Polizei (Fedpol) weiter. Das Fedpol und die Staatsanwaltschaft Bern bestätigten entsprechende Informationen gegenüber dem «Tagesanzeiger».
Besonders brisant: 2022 zeigte die Winterthurer Kita Tobias F. wegen Verdacht auf Missbrauch bereits an. Die Polizei nahm Ermittlungen auf – und stellte sie später ein, mangels Beweisen. Doch noch während die Ermittlungen liefen, wechselte Tobias F. an die Kita in den Kanton Bern, wo er seine kriminellen, pädophilen Taten fortsetzte.
Das NCMEC ist für die Schweizer Ermittler eine zentrale Hilfe: 2025 übermittelte es 16’750 Fälle von Verdachtsmeldungen an das Fedpol – ein neuer Höchststand. Bei Rechtsexperten stösst diese Abhängigkeit von den USA jedoch auf Kritik, berichtet der «Tagesanzeiger». So betonten etwa die Cybercrime-Expertinnen Sarah von Hoyningen-Huene und Jutta Oberlin in einem Fachartikel im vergangenen Jahr die Bedeutung einer zentralen Anlaufstelle für Meldungen von Kinderpornografie in der Schweiz.
*Name geändert