Darum gehts
- Tobias F. missbrauchte mutmasslich 15 Kinder in Kitas in Winterthur und Bern
- Er wurde im Februar 2024 verhaftet
- Im Blick sprechen nun sein Vater und seine Ex-Verlobte
Immer mehr Details über das Leben von Tobias F.* (33) kommen ans Tageslicht. Er ist der Mann, der sich in Kitas in Winterthur ZH und im Kanton Bern an mindestens 15 Kleinkindern vergangen haben soll. Die Opfer sollen zwischen einem und vier Jahren alt gewesen sein. Er soll Teile der Taten gefilmt haben. Laut SRF soll er minutenlang mit Kindern auf der Toilette verschwunden sein. Auch während des Mittagsschlafs soll es zu Übergriffen gekommen sein. Tobias F. sitzt in Haft und wartet auf seinen Prozess. Die Anklage lautet unter anderem auf Schändung, Vergewaltigung und sexuelle Handlungen mit Kindern.
Am Dienstag sprach im Blick die Mutter von Tobias F. Amelie F.* (67) erzählte unter anderem, dass ihr Sohn eine schwierige Kindheit gehabt habe, «mit psychischem, physischem und sexuellem Missbrauch». Sie sagte, dass dieser nicht von ihr ausgegangen sei. Sie habe für Tobias kurz vor dem Kindergarten einen Beistand beiziehen müssen.
Recherchen von Blick zeigen: Den Beistand erhielt Tobias F. in der Zeit, als sich seine Mutter von seinem Vater trennte. Was sagt dieser dazu? Blick fand Martin F.* (66) daheim im Kanton Bern. Er legt seine Sicht der Dinge dar.
«Ich kann bestätigen, dass es Vorwürfe von meiner Ex-Frau gegenüber mir gab», sagt Martin F. Der gemeinsame Sohn Tobias sei während der Trennungszeit insgesamt viermal ärztlich untersucht worden. «Doch es wurde nichts gefunden», sagt der heute 66-Jährige. Die Polizei sei nie bei ihm gewesen. «Bei mir findet man auch nichts.»
Ab dem Kindergartenalter in Heimen
Tobias sei ab 1997 teils fremdbetreut worden. Martin F. möchte nicht ins Detail gehen, sagt aber: «Männer hatten damals nur wenige Rechte. Frauen konnten sagen, was sie wollen.» 2002 sei es dann zur Scheidung gekommen.
Martin F. sagt, Tobias sei ab dem Kindergartenalter in Heimen gewesen. «Ich durfte ihn nur einmal im Monat sehen», sagt er. Der Kontakt sei dann immer mehr abgeflacht. «Jedes Kind, das draussen auf dem Trottoir spielt, sehe ich mehr.»
Als Hauptgrund für die mutmasslichen Taten seines Sohnes sieht der Vater einen Übergriff, den sein Sohn als Kind in einem Heim erlebt haben soll. «Ich weiss nicht mehr, wie alt er war. Aber der hat ihn sicher geprägt», sagt Martin F. «Er hat mir nur gesagt, dass dort einmal etwas passiert sei, mehr nicht.»
Tobias habe eine Lehre im Baubereich abgeschlossen und etwa ein Jahr dort gearbeitet. «Dann hatte er auf ein Mittel allergisch reagiert und musste aufhören», so der Vater. Sein Sohn habe darauf eine Kita-Ausbildung gemacht. «Es ging lange, bis er einen Arbeitsplatz erhielt.» Schliesslich habe Tobias zuerst in der Kita in Winterthur und dann in einer Kita im Kanton Bern gearbeitet.
«Lass mich in Ruhe»
Im Kanton Bern hatte Tobias F. eine Verlobte. Iris T.* (29) erinnert sich an einen aufmerksamen Freund: «Sehr lieb und zuvorkommend. Er konnte mich genau lesen und wusste immer, was ich gerade brauche.» Anzeichen auf seine Taten habe es keine gegeben.
Auch Zukunftspläne hatte das Paar. So habe F. ihr einen Heiratsantrag gemacht. Ein Sexleben hatten die beiden nicht. «Wir wollten damit bis nach der Hochzeit warten.»
Doch F. begann mit der Zeit, sich gegenüber seiner Partnerin anders zu verhalten. «Plötzlich hat er angefangen, meinen Fragen auszuweichen», sagt sie. «Er hat sich mit der Zeit verändert. Ich habe gemerkt, dass etwas nicht stimmt.»
Normalerweise habe er immer auf ihre Fragen geantwortet, doch plötzlich reagierte F. sehr gereizt. Sie habe ihn gefragt, was los sei. F. habe nur abgeblockt und geantwortet: «Lass mich in Ruhe.»
Die Beziehung sei schliesslich zu Ende gegangen – etwa ein Jahr vor seiner Verhaftung im Februar 2024. «Er hat mit mir Schluss gemacht – die Gründe kenne ich bis heute nicht», erzählt T. «Vielleicht wollte er mich schützen vor dem, was noch kommt.» Sie findet die Vorwürfe schlimm. «Mir tut es leid für die Kinder, denen das passiert ist», so T. «Trotzdem bleibt er mir als Mensch wichtig.»
Vater kritisiert Kitas
Vater Martin F. will erst ein halbes Jahr nach der Verhaftung seines Sohnes «tropfenweise» erfahren haben, warum er in Haft sitzt. «Den vollen Umfang habe ich erst aus den Medien erfahren. Ich habe nie etwas geahnt und habe mich schon gefragt, wie ein Kind so werden kann», sagt Martin F. Er ist aber auch überzeugt: «Wenn in einer Kita so oft etwas passiert, dann kann man dort nicht sagen, sie seien unschuldig. Man darf Kinder einfach nie alleine mit einer Person lassen.» Er rede nicht von zwei Minuten, sondern davon, dass «ja jemand oft alleine ist, wenn so etwas mehrfach passieren kann».
Anfangs habe er seinen Sohn noch im Gefängnis besucht – jetzt kaum mehr. «Er hat mir schon etwas von Kinderpornografie und Übergriffen erzählt, aber keine Details genannt», so Martin F.
Für seinen Sohn ist sich Martin F. sicher: Er müsse sich selber Grenzen setzen und eine Therapie machen. Er verrät: «Sein Wunsch ist es, dass er im Gefängnis eine Lehre als Elektriker machen kann.»
* Namen geändert