Darum gehts
- Tobias F. soll in Winterthur und Bern mindestens 15 Kinder missbraucht haben
- Trotz Ermittlungen wechselte er Stellen und arbeitete weiter mit Kindern
- Über 90 Prozent von 2890 Befragten fordern, verdächtige Betreuer schneller zu suspendieren
Im Fall um Kita-Betreuer Tobias F.* zeigt sich immer deutlicher: Die mutmasslichen Taten begannen wohl früher als bisher bekannt. So soll der 33-Jährige mindestens 15 Kinder in Kitas in Winterthur und Bern missbraucht haben – teilweise über Jahre hinweg, oft unbeobachtet und hinter verschlossenen Türen.
Besonders brisant: Trotz laufender Ermittlungen konnte Tobias F. sogar die Arbeitsstelle wechseln und erneut mit Kindern arbeiten. Was hat dazu geführt, dass der mutmassliche Täter so lange weiterarbeiten konnte? Hat das System versagt? Der Fall wirft viele Fragen auf und bestürzt die Community zutiefst.
«Da hat die Aufsichtspflicht versagt!»
In der Kommentarspalte sind die Leserinnen und Leser vor allem eines: fassungslos. «Der Gedanke, dass Kinder in einer Kita missbraucht werden könnten, ist einfach unerträglich», schreibt Patrick Zola. «Es macht mich wütend und traurig zugleich.»
Adrian Lirgg ist ebenfalls entsetzt: «Was mich extrem wütend macht, ist, dass so ein Mensch überhaupt in eine andere Kita gehen und seinen Trieb unbemerkt weiter ausleben kann.» Für ihn ist klar: «Hier sieht man, dass der Schutz unserer Kinder respektive der Schwachen mit Füssen getreten wird und die Täter weitermachen können.» Auch Juan Carlos Schoch fragt sich, wie es möglich war, dass man Tobias F. eingestellt hat, obwohl ein Verfahren offen war: «Da hat die Aufsichtspflicht versagt!»
Im Zentrum steht für viele die gleiche Frage: Wie konnte es so weit kommen? Wo hätte früher eingegriffen werden müssen – und wer trägt die Verantwortung? Die Community nennt dafür verschiedene Ansatzpunkte.
«Wegschauen ist eben das Einfachste»
Viele sehen hier keinen Einzelfall und stellen primär die Justiz an den Pranger. «Wie immer in solchen oder ähnlichen Fällen kollabiert unser Rechtssystem», schreibt Lukas Nordmann. «Der Leitsatz: Abwarten und nochmals abwarten, ist inzwischen überall die Lösung.»
Das sei doch überall so, ist Peter Saladin überzeugt. «Wegschauen ist eben das Einfachste.» Jasmin Meier schreibt: «Ich habe irgendwie das Gefühl, je schlimmer das Verbrechen, desto mehr wird der allfällige Täter geschützt.» Der Persönlichkeitsschutz für mutmassliche Täter steht derweil bei vielen in der Community in der Kritik. «Die Fehlbaren werden mehr geschützt als die Opfer – sogar wenn es Kinder betrifft», kommentiert etwa Hans Stucki.
«Hallo, es geht um Kinder!»
Was die Kommentare schon deutlich zeigen, unterstreicht das Ergebnis unserer Umfrage. Über 90 Prozent der 2890 Teilnehmenden sprechen sich dafür aus, verdächtigte Betreuer schneller aus dem Verkehr zu ziehen.
«Hallo, es geht um Kinder!», schreibt Peter Niederer. «Jetzt zieht die Verantwortlichen endlich zur Rechenschaft. Sonst wird es wieder unter den Teppich gekehrt: Einer schiebt die Schuld dem Nächsten zu, und plötzlich sind immer andere zuständig. Vetternwirtschaft. Himmeltraurig.»
«Warum werden die Strafen für Pädophile nicht endlich strenger?», kommentiert Jasmine Rey. «Pädophile suchen sich Jobs aus, wo Kinder sind.»
Markus Bärlocher findet, dass die Verfahren zu lange dauern: «Bei Fällen mit Kindsmissbrauch sollte eine Nulltoleranz gelten und endlich angewendet werden.» Es sei ein Hohn, dass solche Personen weiterhin in diesem Beruf arbeiten dürften – «eine Schande». Ursula Schmid folgert: «Das System und wir haben die Pflicht, die Kinder zu schützen! Das darf einfach nie wieder passieren.»
* Name geändert