Darum gehts
- Tobias F. soll in Kitas in Bern und Winterthur 15 Kinder missbraucht haben
- Eine Mutter meldete 2020 erste Verdachtsfälle, Ermittlungen blieben jedoch aus
- Gruppenleiter war oft allein mit Kindern, mutmasslich ein- bis vierjährig
Es sind schwere Vorwürfe, die von der Berner Staatsanwaltschaft gegen Tobias F.* erhoben werden. 15 Kinder soll er während seiner Arbeit in verschiedenen Kitas sexuell misshandelt haben. Betroffen sind laut einem Bericht von SRF private Kitas in Winterthur und Bern. F. befindet sich heute in Haft.
Bisher war bekannt, dass eine Mutter im Sommer 2022 Vorwürfe gegen den Betreuer erhob. Die Winterthurer Kita zeigte den Betreuer daraufhin an. Die Polizei nahm Ermittlungen auf, stellte diese jedoch wegen unzureichenden Tatverdachts wieder ein. Währenddessen wechselte F. an eine Kita in Bern, wo er mutmasslich seine Verbrechen fortsetzte.
Gemäss Anklage war der Gruppenleiter mit den ein- bis vierjährigen Opfern jeweils alleine. Hinter verschlossenen Türen soll er sie in Schlaf-, Haupträumen und Toiletten teilweise halbnackt über mehrere Minuten missbraucht haben.
Frühe Warnungen vor dem Betreuer
Recherchen der «NZZ am Sonntag» zeigen jetzt: Die Winterthurer Kita war schon lange vor dem Sommer 2022 vor dem Betreuer gewarnt worden. Bereits im Oktober 2020 wandte sich eine besorgte Mutter an die Kita.
Ihre dreijährige Tochter habe zu Hause erzählt, der mutmassliche Täter habe Kinder in den Schlafsaal gelockt, um sie dort zu streicheln. Eine Kita-Mitarbeiterin habe der Mutter damals versichert, man werde das Schutzkonzept nochmals besprechen und sicherstellen, dass niemand mit den Kindern alleine sei. Diese Vorgänge wurden von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt.
Lehrling konnte Tobias F. beobachten
Auch jemand vom Personal der Kita habe sich laut der «NZZ am Sonntag» über F. beschwert. Ein Lehrling hatte den Betreuer im Schlafsaal beim Streicheln eines Kindes erwischt. Er habe beobachten können, wie sich der Betreuer «in ungewöhnlicher Weise über ein Kind beugte und es streichelte». F. sei «plötzlich hochgeschreckt», als er bemerkte, dass der Lehrling ihn beobachtete.
Der Vorfall sei vom Lehrling als «grenzüberschreitendes Verhalten» eingeschätzt und einer Vorgesetzten mündlich gemeldet worden. Wann genau sich dieser Vorfall ereignete, sei momentan aber noch unklar.
«Völlig neue Sachverhalte»
Die Dachorganisation der Winterthurer Kita bezeichnet diese neuen Erkenntnisse gegenüber der «NZZ am Sonntag» als «völlig neue Sachverhalte, die den heutigen Verantwortlichen komplett neu» seien. Die Dachorganisation wolle dem nachgehen. «Nach heutigem Wissensstand haben wir jederzeit angemessen auf allfällige Meldungen reagiert», heisst es im Artikel weiter.
* Name geändert