«Ich hatte von Anfang an ein komisches Gefühl»
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Flavia T. über Kita-Betreuer:«Ich hatte von Anfang an ein komisches Gefühl»

Tobias F. missbrauchte Kleinkinder und filmte sie teils
Das sagt die Mutter des Kita-Pädos zu seinen Taten und zu seiner Kindheit

Der Kita-Gruppenleiter Tobias F.* verging sich in einer Winterthurer Kita an Kleinkindern. Danach wechselte er in den Kanton Bern – und machte einfach weiter. Seine Mutter sagt zu Blick: Ihr Sohn habe eine schwere Kindheit gehabt und sei selbst missbraucht worden.
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Tobias F. hat als Gruppenleiter in zwei Kitas gearbeitet (Blick hat aus Gründen des Opferschutzes Wiedererkennungsmerkmale auf diesem Bild verfremdet).
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tobias F. missbrauchte mindestens 15 Kinder in Kitas in Winterthur und Bern
  • Taten wurden teils gefilmt
  • Bereits 2020 Vorwürfe, Ermittlungen gegen F. damals aus Mangel an Beweisen eingestellt
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Tobias F.* (33) sitzt vor einer Gruppe Kleinkinder und spielt Gitarre. Eine scheinbar harmlose Szene aus dem Alltag einer Kindertagesstätte im Kanton Bern. Doch hinter den Kulissen hat sich Schreckliches abgespielt.

Der Mann hat in Kitas in Winterthur und im Kanton Bern mutmasslich mindestens 15 Kinder im Alter von ein bis vier Jahren missbraucht. Teile der Taten hat er gefilmt – mit dem Kita-Handy und seinem privaten Smartphone.

«Zog Windel aus und stimulierte sie»

Wie SRF schreibt, soll F. immer wieder minutenlang mit Kindern alleine auf die Toilette verschwunden sein. Auch während des Mittagsschlafs sei es zu Übergriffen gekommen. Viele der Taten geschahen hinter verschlossenen Türen, andere wiederum im Hauptraum der Kita, wo er sich die Hose ausgezogen habe.

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In der Anklageschrift der Berner Staatsanwaltschaft, die SRF vorliegt, werden die Vorfälle konkret benannt. So heisst es etwa zum Übergriff gegenüber einem kleinen Mädchen: «Dort zog er ihr Hose und Windeln aus, legte sie auf den Wickeltisch und stimulierte sie mit Finger und Zunge.»

Weiter steht, dass betroffene Kinder Entzündungen im Intimbereich gehabt und als Folge der Vorfälle «mit anderen Kindern Oralsex praktiziert» hätten.

Erwischt worden sei Tobias F., weil er auf Kinderporno-Seiten war. Im Februar 2024 wurde er festgenommen, seitdem sitzt er in Haft. Die Anklage lautet unter anderem auf Schändung, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und sexuelle Handlungen mit Kindern. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Beschuldigte teilweise geständig. 

Mutter: «Sehr schwierige Kindheit»

Amelie F.* (67), die Mutter des Beschuldigten, sagte am Montag im Gespräch zu Blick: «Ich darf wegen des laufenden Verfahrens gegen meinen Sohn nichts sagen. Ich weiss auch nichts. Ich weiss nur, dass mein Sohn eine sehr schwierige Kindheit hatte mit psychischem, physischem und sexuellem Missbrauch.» Sie erklärt, dass dieser nicht von ihr ausgegangen sei. 

Sie wirkt im Gespräch gefasst, aber sehr betroffen. «Ich habe als Mutter mein Bestes gegeben und musste, als er im Kindergartenalter war, einen Beistand beiziehen.»

Die Mutter sagt: «Von den Taten, die ihm vorgeworfen werden, habe ich absolut nichts gewusst. Er ist ein warmherziger Mensch – und wird auch mein Sohn bleiben. Egal, was die Untersuchungen ans Tageslicht bringen werden.»

Die 67-Jährige betont: «Falls Kinder tatsächlich seinetwegen zu Schaden gekommen sind, dann tut mir dies für die Kinder sehr leid.»

Vorwürfe schon früher – Ermittlungen eingestellt

Brisant: Bereits beim früheren Arbeitgeber in Winterthur soll es Hinweise auf Übergriffe gegeben haben. 2020 hatte eine Mutter dort verdächtige Vorfälle gemeldet, wie die NZZ am Sonntag schreibt. Ihre Tochter habe ihr erzählt, dass F. sich Handschuhe anziehe, die die Betreuer normalerweise nur zum Wickeln bräuchten, und gehe damit in den Schlafsaal, wo er Kinder «streichle». Die Kita versprach später, das Schutzkonzept nochmals zu überarbeiten.

Bei einem zweiten Vorfall soll ein Lehrling Tobias F. dabei beobachtet haben, wie er sich im Schlafsaal über ein Kind beugte und es streichelte. Als Tobias F. den Lehrling entdeckt, sei er hochgeschreckt. Der Lehrling habe den Vorfall anschliessend als grenzüberschreitendes Verhalten mündlich gemeldet.

2022 zeigte die Winterthurer Kita ihren Mitarbeiter an. Die Polizei nahm Ermittlungen auf – und stellte sie später ein, mangels Beweisen. Doch noch während die Ermittlungen liefen, wechselte Tobias F. an die Kita in den Kanton Bern, wo er seine kriminellen, pädophilen Taten fortsetzte.

*Name geändert 

Heiss diskutiert
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