Darum gehts
- Valérie Dittli (33) steht wegen Managementkritik und Steuerfragen unter Druck
- Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Amtsmissbrauch, Dittli weist alle Vorwürfe zurück
- 150 Parlamentarier debattierten drei Stunden über den Untersuchungsbericht
Die Kritik an der Waadtländer Regierungsrätin Valérie Dittli (33, Mitte) reisst nicht ab. In der vergangenen Woche warf die Untersuchungskommission des Parlaments in einem neuen Bericht mangelhaftes Management, Misstrauen gegenüber der Verwaltung und unzureichend begründete Entscheidungen vor. Am Dienstag äusserte sich Dittli in einer Parlamentsdebatte erstmals dazu.
«Ich wollte auf keinen Fall jemanden verletzen oder kränken», so Dittli im Rat. «Es tut mir aufrichtig leid, dass einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit auf diese Weise erlebt haben. Als Departementsvorsteherin übernehme ich die volle Verantwortung.» Es sei ihre Aufgabe, daraus zu lernen und die Situation nachhaltig zu verbessern. «Das Arbeitsklima beruhigt sich von Tag zu Tag.»
«Unsere Beziehungen waren von Missverständnissen geprägt»
Ihr Amtsantritt habe in einem anspruchsvollen Umfeld stattgefunden. «Ich verfügte noch nicht über die erforderliche Erfahrung und die notwendigen institutionellen Reflexe.» Es sei teilweise nicht gelungen, ein ausreichend gegenseitiges Verständnis aufzubauen. «Unsere Beziehungen waren von Missverständnissen geprägt.»
Dann äussert sie sich zu den fachlichen Vorwürfen. Dabei geht es um umstrittene Steuer-Rabatte, die vor Dittlis Amtsantritt eingeführt wurden. Dittli deckte auf, dass vor ihrer Amtszeit reiche Waadtländer mutmasslich illegal steuerlich bevorzugt worden waren. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch gegen sie. Dittli weist sämtliche Vorwürfe zurück.
Sie habe niemals einzelne Steuerakten eingesehen. «Ich wollte zu einem kulturellen Wandel hin zu mehr Klarheit und Transparenz bei der Behandlung dieser sensiblen Fragen beitragen, immer im Rahmen der Legalität und unter Wahrung des Grundsatzes der rechtmässigen Behandlung.»
FDP-Grossrat: «Man hält uns für Dummköpfe»
Dittli gab sich kämpferisch. Sie freue sich, künftige Themen anzupacken – mittlerweile in einem umgebauten Departement. «Ich kämpfe weiterhin für meine Projekte und für eine Welt, in der wir lieber aufbauen als zerstören. Diese Zeit war anspruchsvoll und lehrreich. Die Staatsrätin, die ich heute bin, ist nicht mehr die von gestern.»
Rund drei Stunden debattierte das Parlament. Doch der Ärger bei den Parlamentariern ist nicht verraucht, wie «24 Heures» berichtet. «Die Fragen der 150 Abgeordneten werden nicht beantwortet. So kann es nicht weitergehen. Man hält uns für Dummköpfe!», sagt FDP-Grossrat Jean-Daniel Carrad.
Dittli ist im Grossen Rat in einer schwierigen Situation. Die Mitte ist im Kanton Waadt eine Kleinstpartei, im Parlament ist die Partei nicht vertreten. Gewählt wurde Dittli wegen einer bürgerlichen Allianz.
Vereinzelt wurden im Grossen Rat auch Rücktrittsforderungen laut. «Die Kritik geht mir als Person nahe, aber man darf nie vergessen, dass man eine Funktion hat», so Dittli im Interview mit SRF. Ob sie bei den kantonalen Wahlen 2027 erneut antritt, könne sie noch nicht sagen.