«Mangelhaftes Management»
Weitere happige Kritik an Waadtländer Staatsrätin Dittli

Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli wird in einem Bericht des Grossen Rates kritisiert. Dieser deckt «mangelhaftes Management, Misstrauen gegenüber der Verwaltung und unzureichend begründete Entscheidungen» auf.
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Die Delegation der Aufsichtskommissionen des Grossen Rates des Kantons Waadt hat am Montag einen kritischen Bericht über Valérie Dittli veröffentlicht.
Foto: CYRIL ZINGARO

Sie stand bereits in der Kritik. Die Waadtländer Regierungsrätin Valérie Dittli (33, Mitte) musste sich mehrfach in der Öffentlichkeit Verfehlungen in ihrem Amt vorwerfen lassen.

Nun erhält die Kritik weiteren Schub. Am Montagmorgen trat in Lausanne eine Untersuchungskommission des Parlaments vor die Medien. Sie hatte seit März die Vorgänge in Dittlis Departement nochmals untersucht, nachdem bereits ein externer Bericht vorgelegen hat.

Kollegialitätsprinzip verletzt, problematisch als Vorgesetzte

Die Kommission wirft Dittli Managementfehler vor. So habe sie etwa ihrem Departement und den Angestellten übermässig misstraut. In den Befragungen habe sich mehrfach gezeigt, dass sich die Aussagen von Dittli und anderen Befragten diametral gegenüber standen. Dittli habe auch stark auf externe Mandate gesetzt statt auf ihre Verwaltung.

Die Beziehungen zwischen Dittli und ihren Angestellten seien problematisch gewesen. Dies habe zu schwierigen Situationen geführt. Diese Probleme hätten «die institutionelle Funktionsweise geschwächt und das Personal beeinträchtigt», so die Delegation der Aufsichtsbehörden. Einige Mitarbeitende hätten stark gelitten. Ob es Mobbing gewesen sei oder nicht, sei nicht an der Delegation zu beurteilen. 

«Folge von Unerfahrenheit»

Die Zugerin Dittli war 2022 eher unerwartet in die Waadtländer Regierung gewählt worden. Ihre Partei, die Mitte, hat keine Basis im Waadtländer Parlament. «Das ist auch die Folge von Dittlis Unerfahrenheit», sagte ein Kommissionsmitglied vor den Medien zu den festgestellten Problemen. 

Ein weiterer Vorwurf: Dittli habe Einsicht in konkrete Steuerdossiers verlangt. Das sei aber nicht Aufgabe einer Regierungsrätin, so die Kommission. Wenn schon, sei dies nur anonymisiert möglich. Dittli habe eine strategische Rolle.

Auch habe sie das Kollegialitätsprinzip mehrfach verletzt, etwa in einem Interview in der Presse. Kommissionsmitglieder sagten, in den vergangenen Monaten habe man zwar mit einer Reorganisation Probleme beheben können. So wurden Dittli die Finanzen weggenommen. Man müsse die Situation aber weiterhin aufmerksam verfolgen. Es sei in den vergangenen Monaten keine Verhaltensänderung bei Dittli feststellbar gewesen. «Wir appellieren nicht an einen Rücktritt von Valérie Dittli», wurde an der Medienkonferenz dennoch betont.

Fragen offen

Der Bericht zeigte insbesondere eine «schwer beeinträchtigte Zusammenarbeit» zwischen Dittli und ihrer Generaldirektorin für Steuern, Marinette Kellenberger, auf. Die in diesem Bericht kritisierte Steuerchefin Kellenberger ging vorzeitig in Pension. Offen ist allerdings, ob es unter Dittlis Vorgänger, dem heutigen FDP-Ständerat Pascal Broulis, zu fehlerhaften Steuererklärungen gekommen ist. Im Raum steht, dass Reiche zu tief besteuert wurden und Dittli dies habe ändern wollen. 

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