«Es war sehr berührend, da zu sein»
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Ehepaar Jans an Hochzeitsort:«Es war sehr berührend, da zu sein»

Unterwegs mit Beat Jans
«Ohne Tracy wäre ich nicht hier als Bundesrat»

Romantische Zeitreise in die Vergangenheit! Bei der traditionellen Wanderung zum 1. August durch das Baselbiet verraten Tracy und Beat Jans viel Persönliches. Im Schloss Wildenstein überrascht der Bundesrat mit einem besonderen Talent.
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«Ohne Tracy wäre ich nicht hier als Bundesrat», so Bundesrat Beat Jans.
Foto: Kurt Reichenbach

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bundesrat Beat Jans wandert mit 180 Personen durch Lampenberg BL.
  • Jans erinnert sich an seine Bauernlehre und frühere Pfadi-Erlebnisse.
  • 58 Prozent der Schweizer wandern regelmässig, mehr als die Wahlbeteiligung.
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Jessica Pfister
Schweizer Illustrierte

«Für alle, die mich nicht kennen. Ich bin der Mann von Tracy», begrüsst Bundesrat Beat Jans (62) zusammen mit seiner Frau die 180-köpfige Wandergruppe vor der Mehrzweckhalle in Lampenberg BL. Und gibt gleich zu, dass er diesen Spruch von Barack Obama (64), geklaut hat. Der ehemalige US-Präsident meinte natürlich seine Frau Michelle. «Er bringt es aber auf den Punkt. Ohne Tracy wäre ich heute nicht hier als Bundesrat», sagt Jans. Ein verzücktes «Ohhh» geht durch die Menge, welche sich passend zu den warmen Temperaturen mit Käppli und Wasserflasche ausgerüstet hat.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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«Sie werden heute von uns persönliche Leidenschaften entdecken», sagt der Bundesrat bei der Begrüssung der Leserschaft.
Foto: Kurt Reichenbach

Kennen – das tun die Leserinnen und Leser der Schweizer Illustrierten Beat Jans alle. Und fast wie bei einem amerikanischen Superstar will jede und jeder ein Selfie mit dem SP-Magistraten. Natürlich erfüllt er allen den Wunsch. Von Charly Stucki aus dem Jura gibts als Dank einen selbst geimkerten Honig. Auch Tracy Jans (52), soll mit aufs Foto. «Sehr gerne», sagt die gebürtige Amerikanerin, die in Miami aufgewachsen ist. «Ich finde diese Nähe zwischen Bundesrat und Bevölkerung ein Privileg.»

«Die Gespräche mit den Leserinnen und Lesern haben mir gutgetan», erzählt Beat Jans.
Foto: Pascal Mora

Mit der digitalen Erinnerung im Hosensack marschiert die Wandergruppe durch das 800-jährige Bauerndorf Lampenberg. «Schau mal, so härzig», sagt Tracy Jans und zeigt auf einen kleinen Hofladen. Obwohl die Biostatikerin und der Umweltnaturwissenschaftler in der Stadt Basel leben, sind sie mit ihrer Hündin Jua oft im Baselbiet anzutreffen. Auf einem Hof in Buus BL absolvierte Jans einst eine Lehre als Bauer. «Da lernte ich, was es heisst, richtig zu chrampfen», erzählt er. Etwa das Heu reinzubringen vor dem Regen. «66 Stunden pro Woche anpacken. Das ist eine Lehre fürs Leben.»

Der Baselbieter Musiker Flavian Graber begleitet die Wandergruppe am Sormatt-Wasserfall vorbei auf seiner Gitarre.
Foto: Kurt Reichenbach

«Unglaublich erleichtert»

Intensiv waren für Jans die Wochen vor der Abstimmung zur 10-Millionen-Initiative. Dabei musste der Justizminister viel Kritik von rechts einstecken – er sei zu oft aufgetreten, habe für einen Bundesrat zu emotional argumentiert. «Dass die Gegnerschaft scharf schiesst, gehört dazu. Der Fokus auf meine Person war extrem», sagt der ehemalige Basler Regierungspräsident rückblickend. Er sei froh, dass die Strategie der SVP nicht aufgegangen ist. «Ich habe unzählige Bürgerbriefe und Mails erhalten, denen die Angriffe zu weit gingen.» Natürlich sei er erleichtert gewesen, dass das Volk den Bevölkerungsdeckel abgelehnt hat. «Beat ist mit der Situation souverän umgegangen. Das macht mich stolz», sagt Tracy, die versucht, unter der Woche einmal mit dem Zug nach Bern zu reisen, «damit wir auch im Alltag verbunden bleiben».

Brunch im Hofgut Grosstannen in Bubendorf. «Wir sehen uns nicht jeden Tag. Gemeinsame Zeit zu planen, ist wichtig», sagt Tracy Jans.
Foto: Kurt Reichenbach

Zu Fuss geht es für die Wandergruppe den sanften Hügel hinauf mit Panoramablick auf die markante Sissacher Fluh. Die Weizenfelder leuchten gelbbraun in der Sonne, Aprikosen- und Kirschbäume wiegen im lauen Sommerlüftchen. Beim Eingang ins schattige Wäldchen sagt Hansjörg Götz (83) : «Schon wahnsinnig schön hier.» Götz ist ein «Heimwehbasler». Heute wohnt er mit seiner Frau Ursula (70), in Möhlin im Fricktal. «Als wir gelesen haben, dass mit Beat Jans ein Basler Bundesrat an der Wanderung teilnimmt, wollten wir unbedingt dabei sein», sagt der Pensionär.

Begehrtes Fotosujet: Nicht nur Justizminister Beat Jans muss aufs Selfie, auch seine Gattin Tracy ist gefragt. «Ich mache das gerne», sagt sie.
Foto: Pascal Mora

Am Eingang zum Naturschutzgebiet Wildenstein begrüsst Ranger Yannick Bucher (37), die ersten Leserinnen und Leser. Hinter ihm ragen in der Wiese die knorrigen Stars der Kulturlandschaft in den Himmel: die bis 600 Jahre alten Eichen. «Teile dieses Gebiets haben sich seit dem Mittelalter nicht verändert. Es ist also wie eine Zeitreise.» Das könnte man auch über den Ranger und den Bundesrat sagen. «Argus!», ruft Beat Jans und umarmt Bucher. «Wir kennen uns von der Pfadi», erklärt der Bundesrat den verdutzten Zuschauern. Sein Pfadiname sei Baghira, angelehnt an den Panther aus der Disney-Verfilmung «Das Dschungelbuch». Später erzählt der Bundesrat, dass seine zwei Jahre ältere Schwester ihn damals zum Wölfli-Führer machte. «Sie hiess Mogli, da passte Baghira gut. Zumal ich öfter auf sie aufgepasst habe.»

«Beat behandelt mich, als sei ich die wunderbarste Person auf der Welt», sagt Tracy Jans im Schlosshof Wildenstein. Hier haben die beiden geheiratet.
Foto: Kurt Reichenbach

Ferien in Schottland

Dann entdeckt Beat Jans die jüngsten Teilnehmer der Wanderung: Timea Elsener (16), und Luis Odermatt (15), aus Menzingen bei Zug. «So toll, seid ihr mit dabei!», sagt Jans und will wissen, ob sie sich für Politik interessieren. «Ja, sehr», sagt der angehende KV-Lehrling. «Bist du denn in einer Partei?» – «Ja, aber nicht in eurer», sagt Odermatt fast entschuldigend. Er sei Mitglied der Jungen Mitte. «Was zählt, ist, dass du dich engagierst», sagt Jans.

«Unsere Familie ist seit kurzem wieder vereint», verrät derweil Tracy Jans. Die ältere der beiden Töchter, Zoe (20), reiste nach der Matura für mehrere Monate durch Asien. Auch die jüngere Tochter Mia (18), hat schon einen Auslandaufenthalt in Costa Rica hinter sich. «Dass sie die Welt entdecken, unterstützen wir sehr», sagt Tracy, die in ihrem Job beim Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut öfter für Studien im Ausland unterwegs ist. Auch in Schottland, wo der Bundesrat und seine Frau Ferien verbringen, würden sie die Töchter besuchen kommen.

Treffen der alten Pfadikollegen. «Mit Beat war es immer lustig.» Naturpark-Ranger Yannick Bucher (l.) und Migmar Raith, Mitglied im Chor der Nationen.
Foto: Pascal Mora

«Amore mio, komm!» Nun ist es Tracy Jans, die ein Selfie mit ihrem Gatten vor dem mittelalterlichen Schloss Wildenstein will, das sich majestätisch aus der malerischen Landschaft erhebt. Im Schlosshof wird die Wandergruppe mit dem Lied «Felsennebel» von Folk-Sänger Flavian Graber (41), und seiner Band willkommen geheissen. SI-Chefredaktorin Silvia Binggeli will vom Bundesrat und seiner sichtlich gerührten Gattin wissen, welche Beziehung die beiden zum Schloss haben. «Wir haben hier vor 22 Jahren geheiratet. Es ist so emotional, wieder hier zu sein», sagt Tracy und verdrückt eine Träne. Vor 24 Jahren haben sich die beiden beim Wandern in Hawaii kennengelernt – als sie später ein Jobangebot von Novartis in Basel annahm, wurde aus der E-Mail-Freundschaft die grosse Liebe. «Ich habe in meinem Leben viele Entscheide getroffen. Nicht alle waren rückblickend richtig. Aber mit Tracy durch das Leben zu gehen, war der beste Entscheid», sagt Jans.

Ein warmer Applaus erfüllt den Hof des Schlosses, bevor es zur nächsten Überraschung kommt. «Wir haben einen Special Guest am Schlagzeug», kündigt Silvia Binggeli an. Der Bundesrat packt seine Drumsticks aus und begleitet Graber beim Song «Hüt machi mol nüt».

Beim Abstieg zum Sormatt-Wasserfall zeigt sich Lotti Hubacher aus Thun begeistert. «Der Bundesrat machte das sehr gut.» Jeden zweiten Sonntag probiere er sein Hobby zu pflegen und ein wenig Schlagzeug zu spielen, verrät Jans, dessen Herz bei Alternative und Rock à la Stones am höchsten schlägt.

Die Welt nebeneinander

«Ich hatte schon viele Politiker auf meinem Hof zu Gast. Einen Bundesrat, das gabs noch nie», sagt Peter Handschin (86), an der Seite seiner Frau Annlies (82), als er Beat und Tracy Jans am Ende der Wanderung auf dem Hof Grosstannen empfängt. «Schön haben Sie es hier», sagt die Bundesratsgattin mit Blick auf Palmen und Rebberge. Im hofeigenen Restaurant servieren derweil Handschins Sohn Hansueli und Schwiegertochter Dolores der hungrigen Leserschaft Rösti mit Speck und Spiegeleiern und Birchermüesli mit Aprikosen vom Hof.

Vor dem Käseplättli steht ein weiterer alter Pfadifreund von Beat Jans. «Bei mir hat Beat Skifahren gelernt. Im Lager auf der Rigi», erzählt Migmar Raith, 68, schmunzelnd. Der in Tibet geborene und mit vier Jahren als Waisenkind in die Schweiz gekommene Lehrer gehört zum Chor der Nationen, welche den Brunch musikalisch untermalt. «So schön klingt es, wenn die Welt nebeneinander steht», sagt Silvia Binggeli nach den ersten zwei Liedern, bevor der Baselbieter Regierungsrat Markus Eigenmann (55), das Wort ergreift. «Beat ist das beste Beispiel, wie weit man es mit einer Berufslehre bringen kann. Nämlich bis ganz nach oben.»

«Traditionen pflegen»

Die Gespräche mit den Leuten hätten ihm gutgetan, sagt der Bundesrat zu Beginn seiner Rede. Schon Friedrich Nietzsche sei überzeugt gewesen: «Alle grossen Gedanken kommen beim Wandern.» 58 Prozent der Schweizer würden regelmässig wandern. «Sie sehen, die Wanderbeteiligung ist deutlich höher als die Stimmbeteiligung!» Das Publikum lacht. Im Hinblick auf den Nationalfeiertag sagt der SP-Magistrat: «Wer seine Heimat schätzt und seine Traditionen pflegt, muss keine Angst vor der Welt haben, sondern kann ihr mit Neugier begegnen.» Christine Riniker (68), aus Brugg AG, klatscht: «Jetzt ist mir der Bundesrat noch sympathischer als zuvor schon.»

Von den Kuh- bis zu den Geissglocken: Hofsenior Peter Handschin läutet zum Abschluss den traditionellen Alpabzug.
Foto: Kurt Reichenbach

Passend zu Jans’ Worten läutet Hofsenior Handschin nach einem koreanischen Lied des Chors der Nationen zum krönenden Abschluss die Glocken des Alpabzugs. «Das ist eben Schweiz pur», sagt Jans, bevor er den letzten Selfie-Wunsch des Tages erfüllt.

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