Darum gehts
- Bundespräsident Guy Parmelin ist für diesjährige Bundesratsreise verantwortlich
- Safari-Hut als Erkennungsmerkmal
- Bundesratsreise sorgt immer wieder für lustige Schlagzeilen
Es gibt einen Tag im Jahr, da stellt Bundesrat Guy Parmelin (66) seine Kollegen in den Schatten. Einen Tag, an dem der sonst zurückhaltende SVP-Politiker im Fokus der Fotografen steht. Ein Tag, an dem die Kameras nicht auf die schillerndsten Mitglieder der Landesregierung gerichtet werden.
Die Stunde des Guy Parmelin schlägt, wenn der Bundesrat auf seine jährliche Reise geht. Wenn die Bundesräte im Freizeitlook antraben müssen. Wenn sie den uniformen Anzug oder das Deux-Pièce abstreifen und mit der Kleiderwahl etwas von sich persönlich preisgeben müssen. Dann ist die Bühne frei für Monsieur Parmelin. Einen Donald Trump im Anzug begrüssen, kann jeder Bundesrat. Aber im Freizeitoutfit für Furore sorgen, das gelingt nur Parmelin.
Landesvater Parmelin hat in dieser Rolle schon fast Kultstatus erreicht. Mit kurzen Hosen oder mit der Handytasche am Gürtel. Mit Safarihut oder braunem Paisley-Kurzarmhemd. Der «Tages-Anzeiger» (Hut ab vor so viel Stilsicherheit) schrieb den 66-Jährigen jetzt gar zum Vorbild für die «Hipster von Welt» hoch. Wahrscheinlich zeigt es aber nur den bodenständigen Mann aus der Waadt, der nicht so viel Wert auf sein Äusseres legt.
Vor allem aber zeigt sich: Guy Parmelin ist ein Mann, der sehr viel Ironie besitzt. Dieses Jahr ist er Bundespräsident. Er organisiert die Reise, er bestimmt das Programm. Und offenbar gab er einen Hutbefehl aus. Am Freitag fuhren die Bundesräte mit Booten auf der Rhone. Und die Bilder der Bundeskanzlei zeigen alle mit dem Armee-Safari-Hut des Typs Parmelin: Justizminister Beat Jans (61) trägt ihn, Verteidigungsminister Martin Pfister (62), Aussenminister Ignazio Cassis (65). Und natürlich Parmelin. Fast alle zwang er zum Safarihut.
Zwei folgten dem Bundespräsidenten nicht!
Nur zwei widersetzen sich dem präsidialen Hut-Befehl: Weder Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62, mit Abstand das stilbewussteste Mitglied der Landesregierung) noch Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) liessen sich mit der Kopfbedeckung fotografieren. Im Gegensatz zu den meisten ihrer männlichen Kollegen verfügen die beiden Bundesrätinnen allerdings auch noch über genügend deckendes Eigenhaar. Nicht zu sehen ist Albert Rösti (58). Vielleicht hat er sich wegen des Huts einfach vor den Fotografen versteckt.
Insider in Bundesbern mutmassen aber, Parmelin könnte mit diesem Hütchen-Trick die Ambitionen von Bundesrat Beat Jans abgesägt haben. Am Donnerstag war der Basler SP-Mann mit einem rückwärts getragenen Käppi zu sehen. Er hatte mit dieser Wahl die parmelinsche Stil-Vorherrschaft auf den Bundesratsreisli gefährlich ins Wanken gebracht. Jetzt aber ist er in die Schranken gewiesen. Zumindest bis zu Parmelins Rücktritt.