Eine weisse Friedenstaube schlägt ihre Flügel, im Schnabel ein Olivenzweig, hinter ihr ein endlos weisser Horizont. Es erscheint eine schwarze Schrift: «Kein Krieg.» und in Rot «Ja», darunter «zur Schweizer Neutralität». Die Werbung für die Neutralitäts-Initiative läuft auf Bildschirmen an zahlreichen SBB-Bahnhöfen. Es ist dabei nicht zu erkennen, wer dahinter steckt.
Für eine Kampagne von rechtsbürgerlicher Seite ist das Sujet sehr zahm. Und doch stammt es aus der Feder des bekannten SVP-Werbers Alexander Segert.
Segert leitet die Marketingfirma Goal AG mit Sitz in Andelfingen ZH. Das Unternehmen entwarf zahlreiche Plakate und Kampagnen der SVP. Bisher bildeten drei Pfeiler das Fundament von Segerts Werken: rot-weiss-schwarze Grafiken, provokante Sujets und eine idiotensichere Sprache. Ein weisses Schaf kickt für die Ausschaffungs-Initiative 2007 ein schwarzes Schaf, eine verhüllte Frau steht vor einer Kulisse aus Minaretten für das Minarettverbot 2009, schwarze Stiefel trampeln auf Schweizer Boden für die Masseneinwanderungs-Initiative 2014.
Schweiz soll keine Sanktionen mehr verhängen
Im Vergleich dazu fällt das Plakat der Neutralitäts-Initiative zurückhaltend aus. Mit dem Sujet der Friedenstaube und dem pazifistischen Spruch «Kein Krieg» dürften die Initianten, denen eine krachende Niederlage droht, linke Wähler mobilisieren wollen.
Am 27. September kommt die Initiative an die Urne. In der ersten SRG-Umfrage lehnen 54 Prozent die Vorlage ab.
Neutralität wird in der Schweiz schon lange gelebt
Seit 178 Jahren steht die Neutralität bereits in der Verfassung. Die Schweiz praktiziert sie weltweit am längsten.
Dem Bund stehen trotzdem Mittel zur Verfügung, um in Konflikte einzugreifen. Ein Beispiel dafür sind die Sanktionen gegen Russland. Bei einem Ja soll der Bund keine Sanktionen gegen kriegsführende Staaten mehr verhängen dürfen. Die Initiative von Christoph Blocher und dem Verein Pro Schweiz fordert eine immerwährende und bewaffnete Neutralität.
Linke nennen Kampagne irreführend
Gegner der Initiative sagen, der Spruch «Kein Krieg» sei deswegen irreführend. SP-Co-Präsident Cédric Wermuth sagt in einem Video auf Instagram: «Hinter dieser Initiative steckt nicht die Bewahrung der Neutralität und schon gar nicht der pazifistische Wunsch, dass Krieg enden und die Friedenstaube ins Abendrot fliegen soll.» Die Vorlage sei eine «Pro-Putin-Initiative». Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ebenfalls ab. Sie schränke den Spielraum des Bundes ein.
Blick hat dem SVP-Werber Alexander Segert Fragen zugeschickt. Während des Abstimmungskampfes stehe er jedoch für keine Medienauskünfte zur Verfügung. Blick wollte unter anderem wissen, weshalb auf dem Plakat kein Absender vermerkt ist, ob der pazifistische Spruch bewusst gewählt wurde und wieso man diesmal eine schlichte und eher ruhige Bildsprache gewählt hat.