Darum gehts
- Im Kanton Zug gibt es überdurchschnittlich viele Topverdiener
- Immer mehr hoch qualifizierte Arbeitskräfte suchen in Zug eine neue Stelle
- Arbeitslosenkasse muss in diesen Fällen oft Höchstbeträge ausbezahlen
Wer hier arbeitet, gehört häufig zur Einkommenselite der Schweiz: Willkommen in Zug, dem Kanton der Spitzenlöhne! Internationale Konzerne prägen den Arbeitsmarkt, von Rohstoffhändlern über Finanzfirmen bis hin zu Pharmakonzernen. Der Kanton selbst spricht stolz von einer «deutlichen Überrepräsentation sehr hoher Einkommen». Kein Wunder: In Zug haben über 3 Prozent der Erwerbstätigen einen Lohn von mehr als 20'000 Franken pro Monat – fast dreimal so viele wie im Rest der Schweiz.
Doch nun steht Zug noch für etwas anderes: Im Kanton muss immer häufiger Spitzenpersonal stempeln gehen. Die Behörden beobachten, dass «vermehrt auch gut qualifizierte Arbeitskräfte auf Stellensuche sind». Das hat Folgen für die Auffangnetze. Denn wo hohe Löhne bezahlt werden, fallen bei Arbeitslosigkeit auch die Leistungen entsprechend aus. Willkommen im Kanton der arbeitslosen Topverdiener!
Es gibt maximale Arbeitslosengelder
«Ein Trend für einen bestimmten Wirtschaftszweig konnte nicht festgestellt werden», bilanziert der Kanton Zug fürs vergangene Jahr, «doch meldeten sich vermehrt Beschäftigte des höheren Kaders arbeitslos.» Die kantonale Arbeitslosenkasse konkretisiert auf Blick-Anfrage zumindest, dass etwa die Branchen Banken, Pharma und Trading betroffen seien.
Wer seinen Job verliert, soll dank der Arbeitslosenkasse nicht von einem Tag auf den anderen ins finanzielle Loch fallen. Dafür muss man seine Bemühungen um eine neue Stelle nachweisen. Der maximal versicherte Monatslohn: 12'350 Franken. Arbeitslose erhalten während höchstens zwei Jahren 70 bis 80 Prozent ihres früheren Lohns. Mehr als 9880 Franken pro Monat gibts also nicht.
In vielen Regionen spielt diese Obergrenze kaum eine Rolle. In Zug schon. Die Arbeitslosenkasse bestätigt auf Nachfrage: Bei den betroffenen hoch qualifizierten Personen wird die Entschädigung in der Regel auf Basis des maximal versicherten Lohnes berechnet. «Das gilt für alle diese Betroffenen», erklärt Heike Machan, Leiterin der Arbeitslosenkasse.
Genaue Zahlen dazu werden nicht ausgewiesen. Gut möglich jedoch, dass viele Stellensuchende vor dem Jobverlust noch mehr verdienten, als die Arbeitslosenversicherung überhaupt versichert.
Die Gründe für den Jobverlust
Warum verlieren Topverdiener ihren Job? Als Grund für Stellenstreichungen würden Zuger Arbeitgeber häufig «Reorganisationen» angeben, berichtet Behördenchefin Machan.
Das Schlagwort wird gerne für einen Stellenabbau genutzt. Doch damit ist die Entwicklung noch nicht erklärt. Mehrere Faktoren treffen aufeinander – und zeigen sich in Zug wie unter einem Brennglas.
Zwar kann sich der Kanton insgesamt weiterhin gut behaupten. Aber geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und Probleme in den Lieferketten hinterliessen 2025 Spuren. Weil der Kanton stark von internationalen Unternehmen abhängt, treffen ihn solche Entwicklungen besonders. Dies habe Folgen für den lokalen Arbeitsmarkt, hält die Zuger Volkswirtschaftsdirektion fest. Und die Konjunktur schwächelt auch 2026.
KI-Boom verändert Marketing- und Informatik-Jobs
Ein weiterer Faktor: Die Zahl der Hochschulabsolventen nimmt allgemein zu. Gleichzeitig hat sich die Lage für Akademiker etwas eingetrübt, wie Arbeitsmarktforscher beobachten. Nach Jahren mit tiefer Arbeitslosigkeit ist die Jobsuche auch für hoch qualifizierte Personen anspruchsvoller geworden. Und in einem Kanton wie Zug, der besonders viele dieser Arbeitskräfte beschäftigt, bleibt das nicht ohne Folgen.
Zudem zögern viele Unternehmen bei Neueinstellungen. Gut Ausgebildete können den nächsten Karriereschritt nicht mehr so leicht planen. Gerade die künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsmarkt: So zeigt etwa eine Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF), dass sich die Situation zuletzt in stark von KI betroffenen Berufen verschlechtert hat. Dazu gehören beispielsweise die Informatik oder das Marketing. Ausgerechnet Wissensberufe also, die lange als Gewinner der Digitalisierung galten – und in Zug stark vertreten sind.