«Rundum-Sorglos-Mentalität»
SVP kritisiert Luxus-Kanton Zug – wegen gratis Gartenberatung

Zug gilt als der reichste Kanton der Schweiz – davon profitieren auch die Einwohner – etwa bei Krankenkassenprämien oder Steuern. Doch eine kostenlose Gartenberatung für Privatgärten geht der SVP nun zu weit. Es drohe eine «Rundum-Sorglos-Mentalität», warnt sie.
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Zug ist der reichste Kanton der Schweiz – davon profitieren die Bürgerinnen und Bürger.
Foto: SVEN THOMANN

Darum gehts

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  • Zug ist der reichste Kanton der Schweiz
  • Einwohner profitieren von tiefen Steuern und Krankenkassenprämien
  • Doch eine neue kostenlose Gartenberatung ruft nun deutliche Kritik der SVP hervor
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Patrick GerberRedaktor Politik

Ein reiches Steuerparadies – dieses Bild haben viele vom Kanton Zug. Zu Recht, wie diverse Zahlen zeigen. So zahlte Zug 2025 den grössten Betrag in den Nationalen Finanzausgleich ein: stattliche 3350 Franken pro Person. Jura, der ärmste Kanton, bezog hingegen 2043 Franken pro Einwohner. Die Grundidee des Finanzausgleichs: «Die wirtschaftlich starken Kantone und der Bund helfen den finanziell schwächeren», so das eidgenössische Finanzdepartement.

Auch anderweitig profitieren die Einwohnerinnen und Einwohner – etwa bei den Krankenkassenprämien. Beträchtliche 220 Millionen Franken gab der Kanton 2024 für die Senkung der Prämien in den Jahren 2026 und 2027 her. Das entlastet das Portemonnaie der Zugerinnen und Zuger deutlich. Ganze 99 Prozent Spitalkosten werden während dieser Zeit vom Kanton übernommen – vorgeschrieben sind 55. Tiefe Steuern und Krankenkassenprämien sind das eine. Bei kostenlosen Angeboten für die Gartengestaltung hört aber für die Zuger SVP der Spass auf.

«Eine Rundum-Sorglos-Mentalität»

Wer Fragen zur nachhaltigen Gestaltung seines Gartens hat, kann sich in den Gemeinden Cham und Hünenberg seit 2017 kostenlos beraten lassen – neu auch in der Stadt Zug. Dabei geht es vor allem um eine naturnahe Gestaltung aufgrund der abnehmenden Biodiversität. «Dieser Entwicklung können wir entgegenwirken, indem wir unter anderem möglichst viele Gärten naturnah gestalten», sagt Stéphanie Suter, Fachperson Umwelt der Gemeinde Hünenberg, gegenüber der «ZugerZeitung». 

Die Zuger SVP rund um Fraktionschef Roman Küng kritisiert die Einführung in der Stadt Zug scharf. Das sei ein weiterer «Schritt in Richtung einer alles vereinnahmenden, subventionierenden Stadt», heisst es in einem parlamentarischen Vorstoss. Es sei die Aufgabe des Eigentümers, «sich bei Bedarf an einen privaten Fachmann zu wenden und dessen Expertise marktgerecht zu entlöhnen».

Das zerstöre auch das Bewusstsein für den Wert professioneller Beratung, heisst es weiter. Die SVP-Fraktion stellt der Regierung dazu nun sechs Fragen – etwa zur rechtlichen Grundlage, Wettbewerbsverzerrung oder zu den Kosten. Man laufe Gefahr, «dass Eigenverantwortung und Bürgersinn durch eine staatlich finanzierte Rundum-Sorglos-Mentalität ersetzt werden», so die Befürchtung.

Mietzinszuschüsse und tiefe Steuern

Auch einigen Mieterinnen und Mietern greift Zug bei Bedarf unter die Arme. Der Kanton hatte 2025 nach Genf die niedrigste Leerwohnungsziffer, also am wenigsten freie Wohnungen. Für rund 3 Prozent des Wohnungsbestands – insgesamt rund 1900 Wohnungen – kann der Kanton Mietzinszuschüsse auszahlen. Die betreffenden Wohnungen fallen unter das Wohnraumförderungsgesetz.

40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner dieser kleinen und einfach ausgerüsteten Wohnungen können die Miete nicht vollumfänglich selbst bezahlen. Ausbezahlt werden die Subventionen aber nur unter klar definierten Bedingungen. So liegt etwa das Limit für einen Zuschuss bei einem steuerbaren Einkommen von maximal 65'000 Franken. Zudem darf die Wohnung höchstens zwei Zimmer mehr haben, als darin Personen leben. Auch das Vermögen wird berücksichtigt. 2023 erhielten rund 800 Haushalte einen solchen Zuschuss. Er beträgt etwa 300 Franken.

Auch bei den Steuern stehen Zugerinnen und Zuger gut da. Bei einem Index der Einkommensteuerbelastung des Kantons Zürich steht Zug auf dem ersten Platz – hat also die geringste Belastung. Gleichzeitig wohnen in Zug auch auffallend viele Superreiche. Dazu zählen Leute, die mehr als eine Million Franken pro Jahr verdienen. Davon gibt es fast 6500 in der Schweiz – allein 432 in der Stadt Zug. Nur Zürich hat mit 498 etwas mehr.

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