Darum gehts
- Michelin-Restaurant «The Dining Room» schliesst in Cham ZG Ende Mai
- Neue Mietbedingungen machen das Konzept wirtschaftlich nicht mehr tragbar
- Restaurant erhielt Michelin-Stern und 17 Gault-Millau-Punkte
Diese Beizenschliessung kommt überraschend: Der «The Dining Room» in Cham ZG geht Ende Mai für immer zu. Und das, obwohl das Herzensprojekt der beiden aufstrebenden Gastronomen Johanna Hagen (27) und Küchenchef Christopher Knippschild (33) bei Gästen und Kritikern bestens angekommen ist. Das Lokal war immer voll. Von Gault Millau gabs 17 Punkte, von Michelin einen Stern. Kein Lokal im Kanton Zug ist höher dekoriert.
Doch jetzt laufen die Kosten aus dem Ruder, wie die «Zuger Zeitung» berichtet. Hagen und Knippschild ziehen schweren Herzens einen Schlussstrich. Wegen eines Besitzerwechsels und Umstrukturierungen im Gebäude wurden die Mietbedingungen neu festgelegt.
«Man kennts ja vom Kanton Zug, dass er nicht der günstigste Ort ist», sagt Knippschild im Bericht. Das Konzept sei unter den neuen Bedingungen schlicht nicht mehr tragbar gewesen. «Unsere Geschäftsentscheidung haben wir wohlüberlegt getroffen», sagen sie zu Blick. Weitergehende Fragen wollen sie nicht beantworten.
«Das ist hart und tut weh»
Ende Mai geht das edle Lokal für immer zu. «Wir waren noch nicht am Ende und hatten noch weitere Ziele», sagt Knippschild der «Zuger Zeitung». «Eine Schliessung, die nicht in der eigenen Macht liegt, ist hart und tut weh.»
Eine neue Location? Trotz intensiver Suche sei das keine Option gewesen. Sich irgendwelchen Investoren ausliefern, wollten die beiden nicht. «Für Anleger spielt meist der wirtschaftliche Nutzen eine grosse Rolle. Für uns ist der Gast an erster Stelle», sagt Johanna Hagen.
Die Reaktionen der Gäste waren emotional, viele sind aus allen Wolken gefallen. Einige wollten sogar helfen und Lösungen finden. Doch das Team bleibt konsequent: Lieber aufhören, als sich vor Investoren zu verbiegen. So zieht Küchenchef Knippschild zurück in seine Heimat Deutschland. Und arbeitet ab dem Sommer im Romantik Landhotel Knippschild (4 Sterne) seiner Eltern in Rüthen-Kallenhardt, Nordrhein-Westfalen (D). Wie es mit Johanna Hagen weitergeht, ist noch nicht klar.
Und das Lokal? Der Eigentümer hat es als Bürofläche ausgeschrieben – für 90'000 Franken im Jahr. Offenbar lässt sich damit im Kanton Zug mehr Geld verdienen.
Dumm, wenn der Vermieter nicht mitspielt
Die Pleitewelle, die die Schweizer Gastronomie vergangenes Jahr erfasst hat, geht also auch 2026 weiter. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Beizer und Wirtinnen machen aber immer wieder die gleichen, grossen Fehler, wie Experte Daniel Marbot (58) im Blick ausgeführt hat. Viele seiner Punkte hat sich das Team vom «The Dining Room» zu Herzen genommen. Etwa, dass man aus ganz normalen Kunden richtige Fans machen soll.
Denn: «Fans kommen wieder, verzeihen Fehler und bringen neue Gäste mit», weiss Marbot. Wer nur über den Preis verkaufe, der verliere immer gegen den Nächsten, der einen Franken günstiger ist. «Nur Gastronomen mit Fans überleben langfristig», so Marbot. Dumm nur: Wenn der Eigentümer nicht mitspielt und die Miete plötzlich erhöht, nützt auch dieser Tipp reichlich wenig.