«Sie ist eine Gefahr für die Partei»
Junge-Mitte-Präsident rechnet mit Dittli ab

Jean-Robert Terrier, Präsident der Jungen Mitte Waadt, kritisiert die eigene Staatsrätin Valérie Dittli als «egoistisch». Die Amtsträgerin soll mit Parteiaustritt gedroht haben, sollte die Mitte sich weigern, sie zu unterstützen. Die Situation droht zu eskalieren.
Kommentieren
1/5
Tritt Valérie Dittli nochmals für die Waadtländer Regierungswahlen an? Noch lässt sie ihre Mitte-Partei zappeln.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Jean-Robert Terrier kritisiert Staatsrätin Valérie Dittli scharf wegen Parteistreit
  • Terrier erhielt nach Distanzierung von Dittli Morddrohung
  • Wahlkampf 2027 blockiert: Mitte-Partei riskiert Regierungs- und Nationalratssitz
Chroniques Teaser (2).png
Myret Zaki

Jean-Robert Terrier (24) nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Präsident der Jungen Mitte Waadt war einer von wenigen, der sich nach Veröffentlichung des Meylan-Untersuchungsberichts öffentlich gegen die eigene Staatsrätin Valérie Dittli (33) ausgesprochen hatte. Mit Folgen: Wegen seiner unverblümten Kritik entging er nur knapp einem Parteiausschluss.

Seither hat sich die Situation zwischen der Amtsträgerin und ihrer Mitte-Partei jedoch weiter zugespitzt. Schon im Juli hatte ihr der Präsidialausschuss formell die Unterstützung entzogen. Dittli soll daraufhin damit gedroht haben, die Partei zu verlassen und unabhängig zu kandidieren. Das würde den Mitte-Sitz in der Waadtländer Regierung gefährden.

Ihre Kritik an Valérie Dittli hat Sie selber unter Druck gesetzt. Bereuen Sie sie im Nachhinein?
Jean-Robert Terrier: Meine Äusserungen haben mir verschiedenen Druck eingebracht, um mich zum Schweigen zu bringen. Aber ich bereue nichts. Meiner Meinung nach gilt mehr denn je, dass Frau Dittli nicht mehr für die Waadtländer Mitte-Partei kandidieren darf. Sie ist der Störfaktor des gesamten Wahlkampfs 2027 und gab dennoch vor, der Partei zu dienen. Nun zeigt sich, wie wenig Rücksicht sie auf die Partei nimmt.

Gegen Sie soll es sogar eine Morddrohung gegeben haben.
Das stimmt. Ich habe eine Morddrohung erhalten, weil ich gegenüber der Presse meine Distanzierung von Valérie Dittli im Zusammenhang mit der Meylan-Affäre zum Ausdruck gebracht habe. Aber ich werde mich zu diesem Punkt nicht weiter äussern.

Welche Gefahr geht aus Ihrer Sicht von Valérie Dittli aus?
Sie arbeitet gegen ihre eigene Partei. Während sie behauptet, ihr zu dienen, bringt sie sie in eine Zwickmühle: Die Partei hängt von ihrem Entscheid ab, ob sie erneut kandidiert oder nicht – und dieser lässt auf sich warten. Da es keine offizielle Kandidatur gibt, müssen wir unsere Allianz-Partner um Geduld bitten. Es ist offensichtlich, dass die Staatsrätin keinerlei Bereitschaft zeigt, im Team zu spielen.

Warum sollte sie das tun?
Weil sie in ihrem eigenen egoistischen Interesse handelt. Ihr Egoismus besteht darin, zu glauben, dass ihr Name allein ihr genügend Stimmen einbringen kann. Sie ist überzeugt, dass nicht die Partei sie in den Staatsrat gebracht hat, sondern umgekehrt. Inzwischen ist sich der Präsidialausschuss der Gefahr und ihrer Hartnäckigkeit klar bewusst geworden.

Welche Folgen hat das für den Wahlkampf 2027 der Mitte-Partei?
Diese Situation lähmt den Wahlkampf der Mitte-Partei, obwohl wir nur noch vier Monate bis Dezember haben, dem Zeitpunkt, an dem die Listen und Wahlstrategien eingereicht werden müssen. Frau Dittli blockiert den Prozess ganz offensichtlich, obwohl ihr Vorrang eingeräumt wurde und man sie schon seit langem bittet, über eine erneute Kandidatur nachzudenken. Es wird deutlich, dass dies eine Taktik ist, um Zeit zu gewinnen.

Was würde passieren, wenn sie von der Parteiversammlung wieder als Kandidatin aufgestellt würde?
Die Partei wird auseinanderbrechen. Wir riskieren unseren Sitz im Nationalrat und im Staatsrat. Das wird jede Hoffnung zunichtemachen, eine Fraktion im Grossen Rat zu bilden. Frau Dittli ist sich dessen nicht bewusst. Meiner Meinung nach hat sie den Bezug zur Realität verloren. Sie hat ein Rechtsgutachten vorgelegt, das den Meylan-Bericht infrage stellt, und behauptet, sie könne Klage gegen den Staatsrat erheben – das zeigt, wie sehr sie den Bezug zur Realität verloren hat.

War es ein Fehler, dass die Partei ihr nach dem Meylan-Bericht erneut das Vertrauen ausgesprochen hat?
Einige Mitglieder dachten, Frau Dittli würde Vernunft walten lassen. Ein Irrtum. Man ging davon aus, dass sie den Anstand und die Ehrlichkeit besitzen würde, zu sagen, dass der Staatsrat für sie nicht mehr infrage komme. Heute bereuen es diese Menschen im Präsidialausschuss bitterlich, ihr das Vertrauen geschenkt zu haben. Ihnen ist bewusst geworden, dass sie gefährlich ist.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen