Darum gehts
- Handys in Grenzgebieten verbinden sich oft ins teure Schweizer Netz
- Die Schweiz ist nicht Teil der EU-Roaming-Verordnung, hohe Gebühren sind möglich
- Deutsche Politiker fordern jetzt eine Lösung für das Problem
Ein Ferientag am Schweizer Bodenseeufer kann unfreiwillig in Deutschland enden – zumindest für das Handy. Und auch wer umgekehrt in einer deutschen Grenzstadt wohnt, kann ohne eigenes Zutun in die sogenannte Schweiz-Falle geraten. Wählt sich das Smartphone ins Schweizer Netz ein, drohen saftige Rechnungen. Netflix streamen, Instagram checken oder Fotos verschicken kann dann schnell teuer werden.
Der Datenverkehr im Ausland läuft über Roaming. Wer die automatische Netzauswahl auf dem Smartphone eingeschaltet hat, riskiert in Grenznähe, dass sich das Gerät bei der stärksten Antenne einwählt – und die steht manchmal drüben, auf Schweizer Boden. Das Problem dabei: Die Schweiz ist nicht Teil des EU-Roaming-Abkommens. Während innerhalb der Union die Gebühren weitgehend abgeschafft sind, gelten sie zwischen der Schweiz und der EU weiterhin.
Ferien in Deutschland, Handy in der Schweiz
Daran dürfte sich vorerst nichts ändern. Der Bundesrat empfahl kürzlich, einen Vorstoss von Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (61, BL) abzulehnen. Sie forderte den Beitritt der Schweiz zum EU-Abkommen «Roam Like at Home». Dies sei «überfällig», sagte Schneider-Schneiter zu Blick. Der Bundesrat hält entsprechende Verhandlungen derzeit jedoch für «nicht opportun».
Roaming bedeutet vereinfacht gesagt, dass ein Handy im Ausland (oder manchmal auch in Grenznähe) das Mobilfunknetz eines fremden Anbieters nutzt. Telefoniert, gesurft oder gestreamt wird dann über dieses Netz.
Die Schweizer Mobilfunkanbieter bezahlen den ausländischen Anbietern eine Gebühr, damit man als Schweizerin oder Schweizer deren Netz nutzen kann – oftmals zu einem Aufpreis.
Roaming bedeutet vereinfacht gesagt, dass ein Handy im Ausland (oder manchmal auch in Grenznähe) das Mobilfunknetz eines fremden Anbieters nutzt. Telefoniert, gesurft oder gestreamt wird dann über dieses Netz.
Die Schweizer Mobilfunkanbieter bezahlen den ausländischen Anbietern eine Gebühr, damit man als Schweizerin oder Schweizer deren Netz nutzen kann – oftmals zu einem Aufpreis.
Meist sorgt das Thema vor allem deshalb für Ärger, weil Schweizerinnen und Schweizer im EU-Ausland nicht automatisch von kostenlosen Tarifen profitieren. Genauso ärgern sich Menschen im Grenzraum, deren Handys ins Netz des Nachbarlandes geraten.
«So ist es einem Ehepaar passiert, das seinen Urlaub in Deutschland nahe der Schweizer Grenze verbracht hat», berichtet die Verbraucherzentrale Niedersachsen über einen Fall. Zwar habe es ein SMS mit Hinweisen zu Schweizer Tarifen erhalten. «Da sich das Ehepaar auf Wanderwegen in Deutschland befand, machte es sich hierüber keine Gedanken», heisst es weiter. «Wenige Tage später das böse Erwachen: Es liegt eine Handyrechnung über rund 110 Euro vor.»
Ähnliche Berichte tauchen immer wieder auf. In deutschen Medien haben sich dafür wenig schmeichelhafte Begriffe etabliert. Der «Südkurier» schrieb schon vom «Teuer-Schock» im Schweizer Netz, der Bayerische Rundfunk sprach von der «Kostenfalle Schweiz».
Deutsche FDP-Abgeordnete wollen Antworten
Auch die Politik reagiert nun. Im Landtag von Baden-Württemberg, dem 11-Millionen-Bundesland an der Schweizer Grenze, haben FDP-Abgeordnete um Alena Fink-Trauschel (26) und Daniel Karrais (35) einen Vorstoss eingereicht. Dieser liegt Blick vor. Sie wollen die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (77, Grüne) dazu bringen, sich vertieft des Problems anzunehmen.
Für Konsumentinnen und Konsumenten könnten «unvorhergesehene Kosten entstehen», warnen die FDP-Politiker. Sie wollen wissen, wie gross das Problem eingeschätzt wird, «dass Mobiltelefone in Grenznähe automatisch mit den Mobilfunknetzen auf der Schweizer Seite verbunden werden».
Auch die Landesregierung selbst räumt in ihrer aktuellen «Schweiz-Strategie» ein: «Für die Bürgerinnen und Bürger sind Verbesserungen im grenzüberschreitenden Mobilfunk wichtig.» Man strebe deshalb eine Vereinbarung zur Teilnahme der Schweiz am Roaming-Abkommen an.
Offen ist allerdings, wie realistisch dieses Ziel noch ist, nachdem man sich in Bern kritisch geäussert hat. Die FDP-Abgeordneten fragen deshalb, ob und wie sich Baden-Württemberg weiterhin für ein Roaming-Abkommen einsetzen will – «angesichts der jüngsten, ablehnenden Haltung des Schweizer Bundesrates».
Einen grundsätzlichen Ansatzpunkt sehen die FDP-Politiker beim Netzausbau in der eigenen Region. Sie machen sich mit verschiedenen Initiativen dafür stark, dass die Mobilfunkinfrastruktur ausgebaut wird. Die Idee: Wird das deutsche Netz lückenlos, wählt sich das Handy auch nicht mehr ins Netz jenseits der Grenze ein.