Darum gehts
- Schweizer Tourismus boomt: 44 Millionen Hotelübernachtungen 2025
- Stadt Luzern meldet 1,5 Millionen Logiernächte
- Initiative fordert Hotelbetten-Obergrenze
Der Schweizer Tourismus boomt. Fast 44 Millionen Hotelübernachtungen vermeldet das Bundesamt für Statistik für das vergangene Jahr. Ein neuer Rekord!
Ein Rekord, der nicht nur für Jubel sorgt. Vielerorts haben die Einheimischen die Nase voll von den Touristenmassen, die Städte und Sehenswürdigkeiten belagern. So auch in der Stadt Luzern. Diese verzeichnet mit fast 1,5 Millionen Logiernächten ein Plus von 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch hier ein neuer Höchstwert.
«Belastungsgrenze erreicht»
«Damit ist die Belastungsgrenze erreicht», sagt der Luzerner SP-Nationalrat David Roth (40) zu Blick. «Unsere Stadt zählt mittlerweile mehr Touristen pro Einwohner als Venedig. Das muss man sich mal vorstellen!»
Dieser Entwicklung will er nun einen Riegel schieben. Politikerinnen und Politiker von SP, Juso und den Jungen Grünen haben sich dafür in der IG Nachhaltiger Tourismus zusammengeschlossen und eine neue städtische Volksinitiative unter dem Titel «Luzerner Tourismus in Balance» lanciert.
Anzahl Hotelbetten deckeln
Die Forderungen haben es in sich. So soll die aktuelle Anzahl Hotelbetten bei einem Ja zur Initiative künftig die Gesamtobergrenze markieren. Die Bettenzahl würde also auf dem Status quo gedeckelt. Derzeit zählt die Stadt Luzern gut 6300 Hotelbetten.
Für jede Hotelkategorie würde zudem eine eigene Obergrenze gelten. Diese könnte der Stadtrat zwar anpassen, wobei der Gesamtdeckel aber bestehen bleibt. Das heisst: Wird eine Kategorie aufgestockt, muss andernorts gekürzt werden.
Neue Hotels dürfen zudem nur gebaut werden, wenn ein bestehendes in der entsprechenden Kategorie aufgegeben wird. Zudem müssten die Neubauten höhere Standards in Bezug auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und städtebauliche Integration nachweisen und für das entsprechende Quartier und die lokale Bevölkerung auch gleich noch einen Mehrwert schaffen.
«Pseudohotels» statt Wohnraum
Eine radikale Initiative also? «Keineswegs», wehrt Roth ab. Die Hotelbettenzahl sei mittlerweile höher als vor der Corona-Pandemie und nehme weiterhin zu. «Gerade eben haben zwei neue Self-Check-in-Hotels eröffnet, die früher als Wohn- und Gewerbegebäude gedient haben», erzählt er.
Aufgrund der aktuellen Bestimmungen «können ganze Stockwerke oder gar Blöcke in solche Pseudohotels umgewandelt werden. Damit verschwindet wertvoller Wohnraum, und die einheimische Bevölkerung wird verdrängt».
Damit treffe man einen Nerv in der Bevölkerung, sagt Roth. Von den 800 benötigten Unterschriften seien schon am ersten Sammeltag über 130 zusammengekommen. Er zeigt sich denn auch optimistisch: «Wir werden die Initiative im Nu beisammen haben.»