Darum gehts
- Wallis will vor Saisonstart 13 Camping-Plätze wegen Naturgefahren schliessen
- SVP-Staatsrat Ruppen verteidigt Schutzmassnahmen, Mitte-Darbellay kritisiert kurzfristige Entscheidungen
- Zehntausende Logiernächte gefährdet, dringliches Postulat fordert längere Anpassungsfristen
Ihre Zukunft ist höchst ungewiss, die Betreiber stehen vor dem Ende ihrer Existenz: Der Kanton Wallis will noch vor dem Saisonstart 13 Camping-Plätze schliessen. Der Grund: drohende Naturgefahren. Die Plätze seien nicht sicher genug, argumentiert der Kanton.
Gestern Freitag sind die Bescheide bei den Gemeinden und Betreibern eingetroffen, wie sowohl der «Walliser Bote» als auch die Unterwalliser Zeitung «Le Nouvelliste» berichten. Die kantonale Baukommission erliess in einigen Fällen sogar sofortige Nutzungsverbote.
Der zuständige Walliser Staatsrat, Franz Ruppen (55, SVP), hat die Gemeinden bereits Ende letzten Jahres über Abklärungen informiert, wie Dokumente zeigen. Gegenüber dem Walliser Boten sagt er: Man handle rasch, da Menschenleben bedroht sein könnten. Der Kanton habe die Pflicht, die Gäste zu schützen, sagt Ruppen zum Walliser Boten. Weitere Campingplätze könnten deshalb geschlossen werden.
Offen ausgetragener Streit im Staatsrat
Allerdings hat Ruppen nicht den ganzen Staatsrat hinter sich. Der Entscheid der kantonalen Baukommission sorgt für Knatsch in der Kantonsexekutive selbst: Während Staatsrat Ruppen das Vorgehen verteidigt, kritisiert Mitte-Staatsrat Christoph Darbellay (55) das Vorgehen scharf – und in aller Öffentlichkeit. Die Plätze hätten schon Reservationen für den Sommer entgegengenommen, der Entscheid komme kurzfristig. «So geht man nicht mit Bürgern in diesem Kanton um», sagt Darbellay.
Zehntausende Logiernächte sind im Tourismuskanton zudem gefährdet. Das sorgt für massive Wellen. Schon vor einer Woche hatte der Walliser Parlamentarier Florian Piasenta (41, FDP) ein dringliches Postulat zum Thema eingereicht. Er ist überzeugt: «Die plötzliche und unerwartete Reaktion» des Kantons lasse den Betreibern keinen Spielraum. Er fordert: «Den Gemeinden muss dringend eine vernünftige Frist für die nötigen Anpassungen eingeräumt werden.»
Wogen gehen hoch
Auch der Walliser Bote kritisiert scharf: Nach der «Hetzjagd» auf Verantwortliche im Falle Crans-Montana VS getrauten sich Behörden nichts mehr, so der Bote. «Lieber schliesst man einen Betrieb, als später allenfalls angeprangert zu werden.»
Dass Campingplätze geschlossen werden müssen wegen Naturgefahren ist aussergewöhnlich. Zuletzt mussten an verschiedenen Orten Campingplätze und Ferienkolonien abgeprotzt werden, weil sie heute in Naturschutzgebieten stehen. Die Schliessung des Campingplatzes Gampelen am Neuenburgersee sorgte 2024 etwa für hohe Wellen. Auch am Murtensee verfügte der Kanton Waadt kürzlich den Abriss von Ferienchalets.