Darum gehts
- GLP fordert neue Stauseen in den Alpen nach Rekordsommer 2026 in der Schweiz
- Schmelzende Gletscher gefährden Wasserversorgung und erhöhen Hochwassergefahr
- Schweiz soll Wasserspeicher ausbauen – einfachere Bewilligungen und Investitionshilfen gefordert
Sie sind höchst umstritten: Wo auch immer in den Alpen Staumauern gebaut werden, sorgt das für Widerstand. Dennoch will die GLP jetzt für zahlreiche neue Stauseen in den Alpen sorgen. Hintergrund ist der Rekordsommer 2026. Das veränderte Klima hat Folgen: Bäche trocknen aus, die Hochwassergefahr steigt. Zurückgehende Gletscher füllen ihre Funktion als natürliche Wasserspeicher nicht mehr aus. Plötzlich ist Wasser auch im Wasserschloss Schweiz nicht mehr einfach so verfügbar. Das hat dieser Sommer gezeigt.
GLP-Nationalrätin Barbara Schaffner (58) will jetzt abgeklärt haben, inwieweit Stauseen die Funktion von Gletschern übernehmen könnten. Schaffner hofft, dass sich frei werdende Gletschervorfelder als Stauseen nutzen lassen. «Wenn die Gletscher zurückgehen, hat das auf die Bäche Einfluss», sagt die Zürcher GLP-Politikerin. «Wir müssen Stauseen deshalb über die Stromproduktion hinaus denken.»
Stauseen könnten bei Starkniederschlägen als Rückhaltevolumen und damit als Hochwasserschutz dienen. Auch während Trockenheitsphasen könnte das dosierte Abfliessen für Bäche oder Flüsse nützlich sein. «Es ist wichtig, dass wir die Stauseen in einem breiteren Kontext betrachten.»
Konflikt mit Landschaftsschutz programmiert
Schaffner ist sich bewusst, dass eine verstärkte Nutzung von Stauseen zu Konflikten führen kann. Einerseits beim Landschaftsschutz. Andererseits könnte die Stromproduktion unter weiteren Nutzungen leiden. Schaffner könnte sich vorstellen, dass die politischen Behörden über die Konzessionen Einfluss auf eine diversere Nutzung von neuen Stauseen nehmen.
Auch GLP-Präsident Jürg Grossen (57) will zusätzliche Wasserspeicher in den Alpen. Niederschläge und Schmelzwasser sollen zurückgehalten werden. Der Berner Nationalrat fordert einfachere Bewilligungen und allenfalls Investitionshilfen. Trockenperioden nehmen auch im Berggebiet zu.
«Bereits heute fehlt auf zahlreichen Alpen im Sommer Wasser für Nutztiere und Weiden», hält er fest. «Gleichzeitig fliesst nach der Schneeschmelze ein grosser Teil des Wassers ungenutzt ab.» Wasserspeicher könnten zudem auch als Löschwasserbecken bei Waldbränden genutzt werden.
Über die Jahre ist nicht viel passiert
Das Thema beschäftigt auch die Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete. Eindringlich warnte sie Ende Woche, die Schweiz müsse den «Umgang mit der Ressource Wasser neu aufgleisen». Eine Forderung: Der Bau von Wasserspeichern müsse viel einfacher möglich sein, Beschneiungsanlagen in Tourismusgebieten müssten im Sommer auch als Wasserbecken genutzt werden können.
Nicht zum ersten Mal ist das Schweizer Wassermanagement Thema in Bundesbern. Nach dem Hitzesommer 2018 gab es verschiedene Vorstösse im Parlament. Danach ging es bis zum Hitzesommer 2026 kaum vorwärts. «Es ist wichtig, dass man das Thema jetzt angeht», sagt GLP-Nationalrätin Barbara Schaffner.