Darum gehts
- Schweizer Bauern kaufen teures Heu aus Frankreich wegen Trockenheit und Futterknappheit
- Französische Bauern klagen über den Preisanstieg: 213 statt 139 Franken pro Tonne
- Zollkontrollen verschärft, nicht angemeldete Transporte riskieren Bussen und Beschlagnahmungen
Der Regen blieb diesen Sommer fast vollständig aus. Die Pflanzen vertrockneten. Das Futter wurde knapp. Schweizer Bauern mussten zukaufen – doch selbst das wurde zunehmend schwierig. «Futterhändler nehmen das Telefon schon gar nicht mehr ab», sagte Landwirt Elias Zumbrunn Anfang August. Nun klagen unsere Nachbarn: Ihr kauft uns das Futter weg!
Französische Bauern sind hässig auf Schweizer «Heuschmuggler»
In der französischen Grenzregion Bourgogne-Franche-Comté ist der Ärger über Schweizer Landwirte besonders gross, wie die «Bauernzeitung» berichtet. Der Vorwurf: Sie treiben die Preise für Heu und anderes Tierfutter in die Höhe. Schweizer Bauern sollen bis zu 213 Franken pro Tonne zahlen. In Frankreich kostet eine Tonne dagegen derzeit «nur» rund 157 Franken, üblich sind etwa 139 Franken.
Nach Beschwerden lokaler Bauern haben die Präfekten die Zollbehörden eingeschaltet. Entlang der Grenze wird nun verstärkt kontrolliert. Heu darf zwar grundsätzlich in Frankreich eingekauft und in die Schweiz gebracht werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat die Zölle auf Heuimporte seit dem 1. August sogar aufgehoben, um die Versorgung zu erleichtern. Aber: Der Transport muss bei den Behörden beider Länder angemeldet werden. Wer das nicht tut, riskiert eine Busse und die Beschlagnahmung der Ware.
AfD-Politiker will Schweizer Futterkäufe bremsen
Auch in Deutschland ist die Sorge wegen Engpässen gross. Der AfD-Abgeordnete Udo Stein (43) hat dazu im Parlament des Bundeslandes Baden-Württemberg einen Vorstoss eingereicht. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit herrsche in Baden-Württemberg akuter Futtermangel. Besonders betroffen seien Viehbetriebe in Südbaden. «Die Weiden sind vielerorts bereits abgefressen, Wintervorräte werden vorzeitig verfüttert, und Futterzukäufe zu stark gestiegenen Preisen werden notwendig», schreibt er. Die Landesregierung habe deswegen den Katastrophenfall für ökologische Betriebe ausgerufen.
Im Vorstoss nimmt er nun Schweizer Landwirte ins Visier: Stein will von der Landesregierung wissen, «welche Massnahmen» sie gegen den zusätzlichen Wettbewerb um knappes Futter durch Schweizer Käufer ergreifen will – und wie sie sicherstellen will, dass die heimischen Betriebe Vorrang haben. Die Futterknappheit ist damit auch in der internationalen Politik angekommen.