Darum gehts
- Extremer Hitzesommer 2026 führte zu Dürre, Fischsterben und Ernteeinbussen in der Schweiz
- Bundesrat senkte Futterzölle auf null, Armee lieferte Wasser in die Alpen
- Für den Schutz des Waldes vor dem Klimawandel werden jährlich zusätzlich 17,5 Millionen zur Verfügung stehen
- Landwirtschaftsbetriebe sollen 2026 einmalig 54 Millionen Franken an zusätzlichen zinslosen Krediten erhalten
Die Hitze hatte die Schweiz diesen Sommer fest im Griff. Vielerorts bot sich ein Bild, das man bislang eher aus der Toskana kannte: goldbraune Hügel statt saftig grüner Weiden. Die Seen und Flüsse führten so wenig Wasser, dass Tausende Fische verendeten. In den Wäldern verfärbten sich die Blätter vieler Bäume braun.
Umweltminister Albert Rösti (59) stand aufgrund der anhaltenden Trockenheit unter besonderer Beobachtung. Ihm wurde vorgeworfen, untätig zu sein. Die Präsidentin der Grünen, Lisa Mazzone (38), forderte ihn sogar auf, das Umweltdepartement zu verlassen.
Am Mittwoch äusserte sich der SVP-Bundesrat nun erstmals offiziell zum Extremwetter. An der Pressekonferenz in Bern informierte er darüber, wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpassen will. Er gab bekannt, dass die Regierung der Landwirtschaft und dem Wald mit mehr als 70 Millionen Franken unter die Arme greifen will.
Bauern müssen Geld zurückzahlen
Die Landwirte litten in den letzten Monaten besonders unter der Hitze. Weil die Weiden vertrockneten, wurde das Futter für die Tiere knapp. «Im Juli wurden 50 Prozent mehr Kühe geschlachtet als im Vorjahr», sagte der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, Christian Hofer (54). Aber auch im Ackerbau drohen grosse Ernteeinbussen – insbesondere bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben.
Wegen der angespannten Lage ergriff der Bundesrat bereits erste Sofortmassnahmen. Die Futterzölle etwa wurden vorübergehend auf null gesetzt. Zudem flog die Armee Wasser in die Alpen. Die ausserordentliche Lage wurde aber nicht ausgerufen.
Nun will der Bundesrat den Bauern 54 Millionen Franken in Form von zinslosen Darlehen zur Verfügung stellen. «Es geht in erster Linie darum, die Liquidität der Betriebe sicherzustellen», so Rösti. Der Bundesrat betonte, dass die Landwirte das Geld zurückzahlen müssten.
Wald bekommt trotzdem Unterstützung
Neben den Bauern hat auch der Wald besonders unter der Hitze gelitten. Die Bäume sehen teils aus, als wäre bereits Herbst. Rösti wies darauf hin, dass die Situation vielerorts gefährlich sein könne. «Aufgrund der Trockenheit können Äste abbrechen», warnte der Bundesrat. Er appellierte an die Eigenverantwortung der Bevölkerung.
Anfang August machte der Umweltminister noch Negativschlagzeilen, weil er Gelder für den klimatauglichen Umbau der Wälder strich. Nach dem heissen Sommer will er diese nun trotzdem bereitstellen. Insgesamt 17,5 Millionen Franken sollen in die Waldverjüngung sowie die Sicherheit im Wald investiert werden. Ab 2028 soll das Umweltdepartement ermächtigt werden, jährlich zusätzliche Mittel in gleicher Höhe zu beantragen.
Weitere Massnahmen im Oktober geplant
Die Departemente werden bis Ende Oktober weitere Massnahmen prüfen. Das Innendepartement (EDI) von Elisabeth Baume-Schneider (62) wird prüfen, wie landesweit einheitliche Hitzekarten und Worst-Case-Analysen umgesetzt werden können. Zudem wird es analysieren, welche zusätzlichen Grundlagen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung sowie der Gesundheit und des Wohls von Tieren bei Hitze und Trockenheit nötig sind.
Das Umweltdepartement wird einen Runden Tisch zu spezifischen Landwirtschaftsthemen organisieren und in Zusammenarbeit mit dem EDI und dem Verteidigungsdepartement (VBS) eine Weiterentwicklung der bestehenden Trockenheitsplattform prüfen. Auf diesen Grundlagen wird der Bundesrat im Herbst eine Gesamtschau vornehmen und über weitere Massnahmen entscheiden.