Darum gehts
- Der Iran-Krieg blockiert die Strasse von Hormus, die Ölpreise steigen, es drohen Lieferengpässe
- Die Medikamentenengpässe verschärfen sich, Zölle auf Pharmaprodukten bedrohen den Schweizer Markt
- Die Düngerpreise stiegen um 30 Prozent, die Kunststoffknappheit treibt Lebensmittel- und Verpackungspreise hoch
Seit Beginn des Iran-Kriegs vor rund zwei Monaten ist der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus drastisch eingebrochen. Ab Mai rechnet das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) mit reduzierten Lieferungen nach Europa. Die Blockade hat den Ölpreis stark ansteigen lassen. Derzeit liegt er bei über 126 Dollar pro Barrel – ein neues Vierjahreshoch.
Das macht sich nicht nur an der Zapfsäule bemerkbar. Öl und Gas werden für sehr viele Produkte verwendet. Die Verzögerungen und Engpässe haben daher auch unmittelbare Folgen für die Schweiz. Und Experten befürchten, dass die Strasse von Hormus noch lange geschlossen bleibt.
Heilmittel
Seit Jahren kämpft die Schweiz mit Engpässen bei der Versorgung mit Arzneimitteln. Der Iran-Krieg könnte die Situation noch verschärfen. Viele Medikamente werden auf Erdölbasis hergestellt.
Noch erachten das BWL wie auch die Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz (Vips) die Lage als stabil. Doch hält die Nahostkrise an, kann sich das ändern. Bei Medikamenten sind wir stark vom Ausland abhängig. Bleiben die Lieferschwierigkeiten, hat das Folgen.
Sorgen macht der Branche aber vorab, dass der Krieg mit dem US-Zollstreit zusammenfällt. Washington will nicht nur die US-Preise ans Schweizer Niveau koppeln, es verlangt auch 15-Prozent-Zölle auf patentierte Medikamente. «Alarmierend», findet Vips-Präsident Marcel Plattner. Die drohende Folge: Innovationen kommen später oder gar nie auf den Schweizer Markt.
Das alles kann für Schweizer Patienten und Patientinnen weitreichende Folgen haben. Nischenprodukte wie Kindermedikamente, Antibiotika oder Impfstoffe könnten unter Druck geraten. Auch «sehr billige» Präparate könnten wirtschaftlich unattraktiv und daher nicht mehr produziert werden.
Alternativen lassen sich kaum rasch schaffen. Jeder Hersteller sei erst von Swissmedic zu prüfen, so Plattner. Das dauere ein bis zwei Jahre. Auch die Steigerung der Produktion brauche eine Vorlaufzeit von rund einem Jahr. Da würden auch die Pflichtlager des Bundes kaum mehr nützen. Bei Medikamenten reichen sie zwei bis vier Monate.
Dünger
In den Fokus gerückt ist ebenso die Versorgung mit Düngemitteln – und damit der Anbau von Nahrungsmitteln. In Europa haben Importe schon stark abgenommen, die Preise sind um 30 Prozent gestiegen. Glück im Unglück: Bei uns ist die Versorgung für den Frühling sichergestellt. Der Grossteil der derzeit benötigten Dünger wurde im Herbst vorbezogen. So sind unsere Bauern von Preisschwankungen und Logistikproblemen weniger stark betroffen.
Damit ist die Schweiz aber nicht aus dem Schneider. Von den Engpässen sind etwa die Türkei, Brasilien und Mexiko betroffen, wo Grundnahrungsmitteln wie Mais, Weizen und Reis produziert werden. Gehen die Erträge dort zurück, spüren auch wir das: «Unser Ernährungssystem ist komplett miteinander vernetzt», wird Charlotte Pavageau von der Zürcher Stiftung Biovision in der Fachzeitung «Schweizer Bauer» zitiert.
Die höheren Preise belasten gerade auch Schwellenländer, die wenig Geld für Importe zur Verfügung haben. Sie müssen den Düngerverbrauch senken, was die Erträge reduziert. «Die Blockade könnte eine globale Lebensmittelkrise auslösen», betont Pavageau.
Kunststoff
Alarmiert zeigt sich auch der Branchenverband Kunststoff Swiss. Die meisten Plastikkarten werden aus fossilen Brennstoffen gewonnen. «Schwierigkeiten zeigen sich zunehmend bei der Beschaffung einzelner Rohstoffe und Vorprodukte», erklärt der Verband. Neben massiven Preissteigerungen komme es auch zu längeren Lieferzeiten.
Warum aber sollte uns Konsumentinnen und Konsumenten das interessieren? Kunststoff wird zum Beispiel für Verpackungen verwendet. Kommt es hier zu Materialknappheit, werde dies «bald die Verfügbarkeit der unterschiedlichsten Produkte beeinflussen». Und es ist absehbar, dass schon bald die Preise deutlich steigen werden – etwa jene von Getränkeflaschen, Haushaltsprodukten, Hygieneartikeln, Lebensmittelverpackungen, Müllsäcken oder Baumaterialien.
Und es ist absehbar: Steigen die Verpackungskosten, werden rasch auch die Lebensmittel teurer. Das bekommen dann Herr und Frau Schweizer direkt im Portemonnaie zu spüren.