Darum gehts
- FDP-Frauen lancieren eigene Aktion zum Frauenstreiktag
- 5000 Velos in der Schweiz mit blauen Sattelüberzügen versehen
- Deutungshoheit bei Frauenanliegen nicht den Linken überlassen
Am 14. Juni rufen Linke, Grüne und Gewerkschaften einmal mehr zum feministischen Streik auf. So finden am Sonntag schweizweit zahlreiche Aktionen statt, etwa mit einer grossen Demo in Zürich oder mit Reden und Musik auf dem Bundesplatz in Bern. Schon tags zuvor sind zahlreiche Streikanlässe programmiert.
Doch diesmal wollen bürgerliche Frauen die Deutungshoheit nicht einfach dem links-grünen Lager überlassen. Heute Morgen kaperten die FDP-Frauen den Streiktag mit einer politischen Guerilla-Aktion. In der ganzen Schweiz waren zwischen 6 und 8 Uhr freisinnige Frauen unterwegs, um 5000 Velos mit einem blauen Sattel-Regenschutz zu überziehen. «Wir treten in die Pedale für Frauenrechte», so der Slogan auf den Überzügen. Von Aarau über Bern und Freiburg bis nach Zürich waren die Trupps unterwegs.
«Wir haben den Wecker früh gestellt»
Die Aktion wurde bis zum Schluss geheim gehalten, umso mehr freut sich FDP-Frauen-Präsidentin Bettina Balmer (60) über den Coup. «Wir haben den Wecker früh gestellt, um einen Punkt für Frauenanliegen zu machen», sagt die Zürcher Nationalrätin zu Blick. «Wir wollen denjenigen Frauen Gehör verschaffen, welche nicht auf Streik und Opposition setzen und gleichzeitig ein sichtbares Zeichen für die Vielfalt der Frauen und für eine freisinnig-liberale Frauenpolitik setzen.»
Es brauche konstruktive Lösungen, sagt Balmer. «Das ist uns wichtig, weil es effektiv noch Nachholbedarf für Frauen gibt – da sind wir uns einig.» Sie nennt mehrere Punkte, wo sie ansetzen will. Ganz zuoberst auf der Prioritätenliste: eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dazu zählen für sie gute Rahmenbedingungen wie Teilzeitarbeit und Homeoffice in gewissen Lebensabschnitten, die Möglichkeit für Kinderbetreuung oder auch längere Ladenöffnungszeiten. Gerade letztere würden berufstätigen Müttern die Arbeitsorganisation vereinfachen.
Im Bildungsbereich ortet sie ebenso Handlungsbedarf. Es brauche mehr Frauen in MINT-Fächern. Weiter seien vor allem für Frauen die Hürden für Weiterbildungen oft höher als für Männer. «Entscheidend ist für uns, dass die finanzielle Selbstständigkeit der Frauen gestärkt wird, Bildung ist ein Schlüssel dazu», sagt Balmer. Auch die vom Stimmvolk gutgeheissene Individualbesteuerung liefere einen wichtigen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit.
Medizin ebenso im Fokus
Als Ärztin ist ihr ein weiterer Punkt wichtig. «Es braucht eine stärker individualisierte Medizin, die auf die Besonderheiten von Frauen Rücksicht nimmt. Man spricht hier auch von Gender-Health», sagt sie. «Eigentlich gehe es dabei um präzisere, auf das Individuum zugeschnittene medizinische Behandlungen, welche für Patientinnen und Patienten bessere Resultate erzielen und sich am Ende auch finanziell lohnen – also in jeder Hinsicht sinnvoll sind.»
Grundsätzlich sei es wichtig, als Gesellschaft gemeinsam vorwärtszukommen, so Balmer. «Wir wollen Frauen stärken, statt sie in starren Rollenbildern festzuhalten», macht sie klar. «Im Zentrum stehen Selbstverantwortung, Freiheit und Chancengerechtigkeit.»