Darum gehts
- SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz erwägt Parmelins Nachfolge
- Für sie sprechen Herkunft, Geschlecht und eine bundesrätliche Unterstützung
- Gegen sie stehen wenig Rückhalt in der Fraktion, ungeklärte Lobbyfragen und eine Alkoholfahrt
Wills Céline Amaudruz (47) wissen? Die SVP-Nationalrätin könnte jeden Moment bekannt geben, ob sie ihren Hut für die Nachfolge des abtretenden Wirtschaftsministers Guy Parmelin (66) offiziell in den Ring wirft.
Die Genferin politisiert bereits seit 15 Jahren in Bern – und ist dementsprechend gut vernetzt. Nur: Auf dem Weg in den Bundesrat drohen ihr auch einige Stolpersteine. Das sind die Gründe, die für und gegen eine Bundesrätin Amaudruz sprechen.
Eine Frau aus der Romandie – ist das nun gut oder schlecht?
Vergleichsweise jung, weiblich und aus der Westschweiz – auf dem Papier gewinnt Amaudruz quasi das Konkordanz-Bingo. Zumindest sieht dies Parmelin so: Bereits bei seiner Rücktrittsankündigung wünschte er sich ausdrücklich eine französischsprachige Nachfolge. Wie aus Bundesbern zu vernehmen ist, spricht sich der abtretende Magistrat im Hintergrund auch für die Genfer Kandidatin aus. Die beiden kennen und schätzen sich seit vielen Jahren.
Für die SVP wäre Amaudruz nicht nur ein Bekenntnis zur Romandie, sondern als Frau auch eine Premiere. Noch nie schaffte es eine Kandidatin der Sünneli-Partei tatsächlich in die Landesregierung. Die Nationalrätin wäre also ideal, um diesen Tolggen auszubessern.
Nur: In der besonders von den Deutschschweizern dominierten Partei ist ein Platz auf dem Ticket trotzdem nicht selbstverständlich. Die St. Galler Ständerätin Esther Friedli (49) ist zwar bereits aus dem Rennen. Doch wagt sich die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (49) aus den Startlöchern, könnte es für Amaudruz plötzlich eng werden. Es ist fraglich, ob sich die Findungskommission oder schliesslich die Bundeshausfraktion trauen, beide zu nominieren.
Schweigen an der Parteispitze
Wer stützt Amaudruz? Zwar ist die Genferin bereits seit zehn Jahren SVP-Vizepräsidentin und geniesst in der Romandie viel Respekt. Doch in der Deutschschweiz herrscht bedrückendes Schweigen. Die «Weltwoche» verunglimpfte sie deshalb gar als «Leichtgewicht».
SVP-Übervater Christoph Blocher (86)? Lobhudelt lieber dem Thurgauer Pascal Schmid (50). Ihre Bundeshausfraktion? Dort gilt die Genferin bei vielen als unnahbar und zu gesellschaftsliberal. Als die #MeToo-Bewegung auf ihrem Höhepunkt stand, machte die Nationalrätin etwa publik, dass sie sexuell belästigt wurde. Zugleich setzte sie sich lange für die Individualbesteuerung ein – obwohl ihre Partei seit jeher strikt dagegen kämpft.
Zu alledem kommt: Sie gilt in der Partei auch als Risiko. Denn im Dezember 2016 wurde Amaudruz gar zur Täterin. Nach einem Pferdesportanlass in Genf geriet die Nationalrätin in eine Polizeikontrolle – mit fast 2 Promille. Die Konsequenz: Eine Strafe von 100 Tagessätzen zu 450 Franken auf Bewährung. Sollte sie kandidieren, wird dieser Umstand natürlich wieder Thema werden.
Die Mutterfrage – und ihre unbequeme Antwort
Kann eine Mutter mit Kleinkindern in die Landesregierung? Eine Frage, die nicht zum ersten Mal durch das Bundeshaus geistert. Die Antwort ist nicht sonderlich spektakulär: Ja, kann sie – so wie es auch zahlreiche Frauen in den Kantonsregierungen wiederholt bewiesen haben.
Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die zumeist nur bei den Frauen geführt wird, stösst mittlerweile selbst in der SVP sauer auf. Und sie verschleiert die eigentliche Antwort, wie es etwa der «Tages-Anzeiger» auf den Punkt brachte: Es ist auch einfach eine Frage des Geldes. Im Gegensatz zu vielen Familien in der Schweiz verdienen Regierungsrätinnen und Bundesräte genug, um ihren Kindern eine geeignete Betreuung zu ermöglichen.
Für Amaudruz gilt das gleich doppelt. Die Vermögensverwalterin kommt aus einer vermögenden Familie, das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» zählte sie 2017 zu den zehn reichsten Parlamentarierinnen. Nicht die Kleinkinder könnten also zum Hindernis werden, sondern eine ganz andere Frage: Lässt es die mächtige Bauernlobby im Bundeshaus zu, dass auf den einfachen Winzer Parmelin eine reiche Bankerin folgt?
Unbeholfene Lobby-Aktionen machen es ihr da nicht einfacher. Wie Blick berichtete, machte sich Amaudruz im Parlament erst kürzlich für ein Impulsprogramm für Hülsenfrüchte stark. Als Präsidentin einer der grössten Schweizer Mühlengruppen würde sich ein solches auch für ihr eigenes Portemonnaie lohnen. Es ist wohl kaum die Sorte Agrarpolitik, die ihr zusätzliche Stimmen bescheren wird.