Darum gehts
- Die SVP hatte noch nie eine Bundesrätin.
- Nach Parmelins Rücktritt ist in der Öffentlichkeit der Ruf nach einer Frau laut geworden.
- SVP gibt sich bedeckt, SVP-Politikerinnen wünschen ein gemischtes Ticket.
25 Jahre ist es her, als die SVP zum ersten – und bisher letzten Mal – eine Frau aufs Bundesratsticket setzte. Sie ist die einzige Bundesratspartei, die noch nie durch eine Frau vertreten wurde. Für Rita Fuhrer (73), die einzige Kandidatin, die von der SVP je als Bundesratskandidatin nominiert wurde, spielt dies keine Rolle, wie sie gegenüber den Tamedia-Zeitungen sagte. Die damalige Zürcher Regierungsrätin verlor die Wahl im Jahr 2000 gegen Samuel Schmid (79).
Doch was bedeutet es für aktive SVP-Politikerinnen, dass es ihre Partei bisher nie geschafft hat – oder es nicht schaffen wollte –, eine Frau aus den eigenen Reihen in den Bundesrat zu wählen?
Gleichgültigkeit und Vorbildfunktion
Für die Luzerner Nationalrätin Vroni Thalmann (57) ist die Frage nach dem Geschlecht irrelevant. «Wir haben viele Leute in der Partei, die fähig wären, das Amt auszuüben.» Das Bild der SVP als Männerpartei will sie aber nicht gelten lassen. «Die Frauen, die die SVP hat, sind stark.» Auch das Parteiprogramm sei geprägt von Sichtweisen von Frauen. Einen Regierungsanspruch gebe es deswegen nicht: «Wenn es sich ergibt, dass eine Frau kandidiert, ist gut. Wenn es sich nicht ergibt, auch.» Für sie selbst komme eine Kandidatur nicht infrage.
Auch die Basler Grossratspräsidentin Gianna Hablützel-Bürki (56) fände es falsch, die Auswahl der Kandidierenden auf das Geschlecht herunterzubrechen, wie sie sagt. «Der oder die Besten sollen auf dieses Ticket.» Dass die Chancen auf eine Frauenkandidatur mit derzeit oft genannten Namen wie der St. Galler Ständerätin Esther Friedli (49), der Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli (49) und der Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47) gut stehen, freut Hablützel-Bürki allerdings. «Ich fände es toll, wenn eine Frau nominiert würde, denn Potenzial ist genügend da.»
Davon ist auch die Zürcher Nationalrätin Nina Fehr Düsel (45) überzeugt: «Ich bin ziemlich sicher, dass auch eine Frau aufs Ticket kommt.» Sie hat aber nicht den Anspruch, eine Bundesrätin zu stellen. Man wolle niemandem im Voraus die Chance nehmen. Sie würde es jedoch sehr begrüssen, wenn die SVP eine Bundesrätin stellen könnte. «Damit würden wir auch ein Vorbild für junge Frauen schaffen, die sich für Politik und unsere Arbeit interessieren.»
«Es sind die Frauen, die herausstechen»
Diese Haltung vertritt auch die langjährige Luzerner Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger (62), eine der profiliertesten Stimmen im bürgerlichen Lager. Die Kompetenz solle ausschlaggebend sein für eine Nomination: «Und wenn ich überlege, wer aufgrund der geleisteten Arbeit in Parlament oder Regierung heraussticht, kommen mir in erster Linie Frauen in den Sinn.» Dennoch findet sie nicht, dass die SVP deswegen nur Frauen ins Rennen um den Bundesratssitz schicken soll. «Ein reines Frauenticket kann ein Affront sein», sagt Gmür-Schönenberger. Es könne als Signal verstanden werden, dass Frauen nur gewinnen können, wenn kein Mann antritt. Für sie ist eine gemischte Auswahl daher gut denkbar.
Gegenüber der «SonntagsZeitung» hatten Fraktionskollegin Yvonne Bürgin (56) sowie die Präsidentin der FDP-Frauen, Bettina Balmer (60), bereits vorsichtig den Wunsch geäussert, die SVP möge sich doch darum bemühen, mindestens eine Frau zu nominieren. Zugleich beharrten sie nicht darauf, dass Parmelins Nachfolge weiblich sein müsse.
Gmür-Schönenberger ist die Mann-Frau-Debatte leid: «Wir sind erst am Ziel, wenn sich die Geschlechterfrage nicht mehr stellt.» Es sei nicht an ihr, der SVP Tipps zu geben. «Ein reines Männer-Ticket kann ich mir nicht vorstellen.» Gerade angesichts der profilierten Personalien glaubt sie, dass es auch im Interesse der SVP selbst ist, Frauen in Position zu bringen.