Darum gehts
- Blocher spricht in eigener Sendung über Parmelin-Nachfolge
- Wichtig sei Führung, nicht Romand- oder Frauenbonus.
- Gute Kandidaten in SVP-Reihen gebe es einige, doch einer steche heraus.
Das Gerangel um Parmelins Nachfolge im Bundesrat läuft auf Hochtouren. Der Sitz dürfte unbestritten in den Händen der SVP bleiben. Wird es jemand aus der Westschweiz – oder gar eine Frau? Die beiden Anforderungen werden des Öfteren genannt. Nur: Christoph Blocher (85) will davon nichts wissen.
Mit Verweis auf das Communiqué der Partei geht er davon aus, dass der Neuling im Bundesrat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) oder das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) übernehmen müsste. Dort sei jetzt Führungskompetenz gefragt. «Ich sage nicht, dass wir das EJPD übernehmen wollen, aber wenn wir es erhalten, müssen wir es führen. Bei der Armee gilt genau das Gleiche.»
Blocher fordert Führungskompetenz
Deshalb müsse die SVP auf passende Eigenschaften setzen. Die Frage, «ob wir jetzt eine Frau oder eine Welsche» nehmen müssten, sei nebensächlich. Entscheidend sei: «Wer ist in der Lage, im schlimmsten Fall dieses Ding in Ordnung zu bringen?» Dabei verweist Blocher erneut auf das EJPD, das derzeit SP-Bundesrat Beat Jans führt: «Im EJPD haben wir die grösste Sauerei. Seit meinem Rücktritt haben wir da 20 Jahre sozialistische Misswirtschaft. Wir haben eine Sauerei im Asylwesen und es wird immer schlimmer.»
Der Mann, der das regeln könnte, heisst laut Blocher: Pascal Schmid (50). Der Thurgauer SVP-Nationalrat ist aktuell parteiintern verantwortlich für das Asyldossier. Schmid könnte Blocher zufolge sowohl das EJPD als auch das VBS führen. Er sei schliesslich im Militär als Hauptmann tätig und kenne als Asylchef und ehemaliger Gerichtspräsident die Rechtslage sehr gut.
Rickli an Regierungsamt gebunden
Moderator Matthias Ackeret (63) bringt aber auch weitere Kandidaten ins Gespräch, allen voran Natalie Rickli (49). Blocher hält die Zürcher Regierungsrätin für eine starke Kandidatin. Zugleich weist er darauf hin, dass sie zu sehr in ihrem aktuellen Karrierepfad stecke. Rickli selbst hat noch nicht bekannt gegeben, ob sie kandidieren will. Die Meldungsfrist für Kandidaturen endet am 23. Oktober 2026. Bis dahin kündigte Rickli an, «abzutauchen» und sich eine Kandidatur zu überlegen.
Zu weiteren Kandidaten sagt Blocher wenig. Esther Friedli (49), die sich selbst noch nicht geäussert hat, sei eine gute Kandidatin. Der Schwyzer Regierungsrat André Rüegsegger (50), der nun als Erster vorprescht, sei «en muntere Burscht», und auf die Genferin Céline Amaudruz (47) geht Blocher gar nicht erst ein.
Blocher hat sich schon früher oft zu Bundesratswahlen geäussert. Als die Mitte 2025 Mühe hatte, zwei Kandidaten für die Nachfolge von Viola Amherd (64) zu finden, brachte Blocher kurz sich selbst ins Spiel. Als die SP mit Beat Jans (62) und Jon Pult (41) ein Zweierticket für die Nachfolge von Alain Berset (54) vorschlug, warb Blocher für einen wilden Kandidaten.
Ging es aber um neue Bundesräte aus den Reihen der SVP, versuchte er stets, sich bedeckt zu halten. Gerade dann wurde aber darüber spekuliert, wer in Herrliberg die besseren Karten hat. Bei Parmelins Wahl 2015 soll Blocher auf Norman Gobbi (49) gehofft haben, bei Albert Röstis (59) Wahl 2022 auf Hans-Ueli Vogt (56). Dass beide Kandidaten unterlagen, zeigt: Blochers Unterstützung hat nur begrenzten Wert.