Bundesrat kündigt Regel-Hammer an
Velo-Fahrer aufgepasst! Bald drohen neue Bussen

Der Bund verschärft den Kurs gegen Ablenkung auf dem Velo. Konkret drohen höhere Bussen. Gleichzeitig lässt Bern erforschen, was Velofahrende unaufmerksam macht – und was dagegen hilft. Die Velo-Lobby ist alarmiert.
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Mit dem Handy am Lenker und zu wenig Aufmerksamkeit auf der Strasse?
Foto: Photothek via Getty Images

Darum gehts

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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Ein Blick aufs Smartphone. Nur schnell den Song wechseln. Die Gedanken schon beim Termin im Büro. Im Strassenverkehr reichen ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit, damit es gefährlich wird. Besonders auf dem Velo oder E-Bike kann Ablenkung rasch zu einem Unfall mit schweren Verletzungen führen.

Das Radfahren boomt. Doch damit rückt auch die Unfallbilanz in den Fokus: Im Jahr 2025 wurden auf Schweizer Strassen 671 Velofahrerinnen und Velofahrer schwer verletzt, 20 Menschen starben. Bei den E-Bikes gab es 586 Schwerverletzte und 24 Todesopfer. Die Zahl der Schwerverletzten stieg gegenüber dem Vorjahr, jene der Todesopfer blieb praktisch unverändert.

Dabei spielen «Unaufmerksamkeit und Ablenkung» laut den Behörden eine zentrale Rolle. 2025 waren sie bei 95 schweren Velounfällen und 89 schweren E-Bike-Unfällen als Ursache im Spiel.

Wie sich solche Unfälle verhindern lassen, darüber wird gestritten. Müssen die Velofahrenden stärker in die Pflicht genommen werden? Oder ist vor allem der Staat gefordert, für bessere Velowege zu sorgen? Die zuständigen Beamten von SVP-Verkehrsminister Albert Rösti (59) sind auf mehreren Ebenen aktiv: Das Bundesamt für Strassen (Astra) nimmt die Ablenkung auf dem Velo zunehmend ins Visier, zeigen Recherchen.

Bund kündigt höhere Handy-Busse an

Für mehr Verkehrssicherheit brauche es einen «Mix aus Prävention, geeigneter Infrastruktur und gezielten regulatorischen Massnahmen», erklärt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Gleichzeitig betont er, dass Ablenkung unabhängig vom Verkehrsmittel ein Problem sei. «Jeder schwere Unfall ist einer zu viel.»

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Schon ein kurzer Blick aufs Smartphone kann auf dem Velo gefährlich werden.
Foto: Photothek via Getty Images

Eine konkrete Verschärfung erwägt das Astra bereits. Wer auf dem Velo während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, riskiert heute eine Ordnungsbusse von 40 Franken. Künftig könnte es teurer werden: «Wir können uns vorstellen, diesen Betrag zu erhöhen», kündigt Rohrbach gegenüber Blick an. Eine Erhöhung wolle man in einer der kommenden Vernehmlassungen zur Diskussion stellen. Wie stark die Busse steigen könnte, ist noch offen.

Zum Vergleich: Für Autolenkerinnen und -lenker kostet das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung bereits heute 100 Franken. Auch andere Vorschriften können relevant sein, wenn man auf dem Velo zum Smartphone greift: Wer dafür während der Fahrt den Lenker loslässt, riskiert eine Busse von 20 Franken. 

«Konkrete Ablenkungsquellen» bekämpfen

Darüber hinaus setzt Bern bei der Wurzel an: Der Bund steckt Geld in ein Forschungsprojekt. Dabei werden laut Astra «konkrete Ablenkungsquellen» beim Velofahren und mögliche Gegenmassnahmen untersucht. Ziel sei ein «Massnahmenkatalog zur Vermeidung von Ablenkung und Unaufmerksamkeit». Federführend sind Forschende der Fachhochschule Nordwestschweiz. 

Wie weit man noch gehen will, lässt das Astra offen. «Welche zusätzlichen Massnahmen sinnvoll und wirksam sind, soll auch aufgrund der Ergebnisse des laufenden Forschungsprojekts beurteilt werden», sagt Rohrbach. Man wolle dort ansetzen, wo sich die Sicherheit mit verhältnismässigen, wirksamen Massnahmen verbessern lasse.

«Das lenkt vom eigentlichen Problem ab»

Bei der Velo-Lobby stossen die Bestrebungen auf Skepsis. Bundesbern suche das Problem vor allem bei den Radlerinnen und Radlern selbst, so ihr Vorwurf. Die Unfallzahlen würden nicht ins Verhältnis zur wachsenden Velonutzung gesetzt.

Dass Röstis Departement ausgerechnet Geld dafür einsetzt, um in einer Studie die Ablenkungen im Veloverkehr zu untersuchen, stösst bei Pro Velo Schweiz auf Kritik. Präsidentin Delphine Klopfenstein Broggini (50) sagt: «Mit dem Schwerpunkt auf die Unaufmerksamkeit von Radfahrern lenkt das Astra vom eigentlichen Problem ab.» Ablenkung betreffe alle Verkehrsteilnehmer. Und gerade bei Autofahrern könnten die Folgen für andere weitaus schwerwiegender sein.

Die eigentlichen Gefahren für Velofahrer sieht Klopfenstein Broggini anderswo: bei mangelhafter Infrastruktur, der Geschwindigkeit sowie immer schwereren und grösseren Fahrzeugen. «Wenn das Astra die Radfahrer wirklich schützen will, muss es dort ansetzen, wo die Gefahren liegen – anstatt die Verantwortung auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer abzuwälzen», so die Genfer Grünen-Nationalrätin.

Mehr und sicherere Velowege? Dass ein Teil der Antwort auf der Strasse selbst liegt, erkennt der Bund ebenfalls an. «Auch eine fehlerverzeihende Infrastruktur trägt zur Verkehrssicherheit bei», sagt Astra-Sprecher Rohrbach. «Sie kann die Folgen menschlicher Fehler wie zum Beispiel kurzer Unaufmerksamkeiten reduzieren.» 

Oder anders gesagt: Wo Velos möglichst getrennt vom übrigen Verkehr unterwegs sind, hat ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit weniger schnell schwere Folgen.

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