Darum gehts
- Der Zürcher Bezirksrat verbietet Parkieren von Gewerbefahrzeugen auf Trottoirs.
- Fussgängervereine argumentieren mit Hindernissen für Sehbehinderte und Rollstuhlfahrer.
- 2025 wurde die Trottoir-Parkregelung eingeführt und nun wieder gekippt.
Die Heizung ist kaputt, der Handwerker rückt mit seinem Lieferwagen an. Doch wo soll er sein Fahrzeug abstellen? Auf dem Trottoir darf er in Zürich künftig nicht mehr parkieren. Auch dann nicht, wenn er eine entsprechende Gewerbe-Parkkarte hat. Der Zürcher Bezirksrat hat eine entsprechende Regelung der Stadt gekippt. Sie verstosse gegen Bundesrecht. Das berichtet das Portal «Tsüri».
Die Stadt hatte die Möglichkeit erst vor rund einem Jahr eingeführt. Gewerbetreibende sollten ihre Fahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen auf dem Trottoir abstellen dürfen, etwa für einen kurzen Arbeitseinsatz. Die Regelung sollte Handwerkern, Lieferdiensten oder der Spitex den Arbeitsalltag in der dicht bebauten Stadt erleichtern.
Nun ist damit vorerst Schluss. Auslöser war ein Rekurs des Fussgängervereins Zürich, von Fussverkehr Schweiz und des Blinden- und Sehbehindertenverbands, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Der Bezirksrat gibt ihnen recht. Trottoirs seien für Fussgänger da. Ein abgestellter Lieferwagen kann für Menschen im Rollstuhl oder mit einer Sehbehinderung schnell zum unüberwindbaren Hindernis werden.
«Es besteht die Gefahr, dass die Versorgung nicht mehr gewährleistet ist»
Beim Gewerbe sorgt der Entscheid für Ärger. Christian Huser (65), Präsident des Stadtzürcher Gewerbeverbands, warnt gegenüber dem SRF-Regionaljournal vor den Folgen. «Wenn die Handwerkerinnen und Handwerker nicht mehr in die Stadt hineinkommen, dann besteht die Gefahr, dass die Versorgung in der Stadt nicht mehr gewährleistet ist.»
Die Regelung war Teil eines politischen Kompromisses. Das Zürcher Stimmvolk hatte die neue Parkkartenverordnung im vergangenen Jahr angenommen. Für Gewerbetreibende war die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge kurzzeitig auf dem Trottoir abzustellen, ein wichtiger Grund, die Vorlage zu unterstützen.
Der Gewerbeverband will deshalb, dass der Entscheid weitergezogen wird. Auch die städtische FDP fordert einen Gang ans Verwaltungsgericht. Die Stadt prüft derzeit, ob sie den Entscheid anfechten will. Damit ist der Streit noch nicht beendet.