Darum gehts
- Gemeinden kämpfen gegen illegale Abfallentsorgung in öffentlichen Kübeln
- Robidogs werden oft zweckentfremdet: Darin landen Katzenstreu und Haushaltsmüll
- Die Abfallsünder wenden verschiedene Tricks an
«Was sich wie eine Meldung aus Absurdistan anhört, ist in Degersheim leider Realität.» Die St. Galler Gemeinde thematisiert in ihrem «Infoblatt» ein leidiges Problem: Immer wieder landen Haushaltsabfälle im Robidog. Zu den häufigsten «Fundstücken» gehört Katzenstreu.
Andere Region, ähnliche Meldung. Diesmal geht es um gewöhnliche Güselkübel: «Öffentliche Abfalleimer dienen ausschliesslich der Entsorgung von unterwegs anfallenden Kleinabfällen», erinnert die Gemeinde Böckten BL ihre Einwohner. Die missbräuchliche Nutzung verursache «unnötige Mehrkosten» für die Allgemeinheit.
Ob Stadt oder Land: Vielerorts kämpfen Behörden gegen Personen an, die ihren privaten Güsel in öffentlichen Abfallkübeln oder Robidog-Behältern entsorgen. «Die Methoden, mit denen Abfälle illegal entsorgt werden, sind sehr unterschiedlich», bilanzieren die Basler Behörden gegenüber Blick nüchtern.
Doch wie gehen die Entsorgungsschlaumeier genau vor? Blick hat sich bei den Behörden umgehört. Ein etwas unappetitlicher Streifzug durchs Land:
Der Säckli-Trick
Statt den Hauskehricht im Gebührensack zu entsorgen, wird er in kleine Portionen aufgeteilt und in Raschelsäckli aus dem Detailhandel gestopft. Sie passen auch durch die schmalen Einwurfschlitze öffentlicher Abfallkübel. Verteilt auf mehrere Standorte fallen sie kaum auf.
Der Geiz scheint grenzenlos: Seit Raschelsäckli ein paar Rappen kosten, greifen manche offenbar sogar zu Robidog-Säckli als Gratis-Ersatz (zum Stichwort Robidog gleich mehr).
Städte und Gemeinden stossen regelmässig auf Säckli-Trickser. So bestätigt Michael Graf vom Departement Bau und Mobilität in Winterthur ZH: «Die Aufteilung auf kleine Säckchen ist typisch.» Und auch Entsorgung + Recycling Zürich kennt «solche und ähnliche Fälle».
Das Einwickel-Manöver
Manche gehen noch raffinierter vor: Der Abfall wird flach gedrückt in Zeitungen, Werbeprospekte oder sogar leere Chipspackungen eingewickelt. Von aussen sieht das nach gewöhnlichem Abfall von unterwegs aus. Tatsächlich verbergen sich darin stinkende Essensreste, Verpackungen oder anderer Hauskehricht.
Die Pendler-Tour
Warum den Abfall bis zum nächsten Sammeltag zu Hause lagern, wenn man ihn unterwegs loswerden kann? Häufige Tatorte: Bahnhöfe, Bushaltestellen und «Park and Ride»-Anlagen. Dort verschwindet der private Abfall diskret zwischen Kafibechern und Snackverpackungen.
In Winterthur tauchte das Problem schon vor längerem auf. «Viele nehmen am Morgen auf dem Weg zum ÖV noch einen Sack mit Abfall mit und deponieren diesen an der Haltestelle», berichtete die Stadt vor zwei Jahren. Sie lancierte Sensibilisierungskampagnen, kontrollierte strenger.
Ganz Herr wird man dem Problem bis heute nicht. So steht am Güselkübel in einem Winterthurer Parking auf einem Schild mit Kamerasymbol: «Das Entsorgen von Haushaltsabfällen ist strengstens verboten.» Dennoch quellen hier immer wieder kleine Säckli heraus.
Der Robidog-Missbrauch
Eigentlich sind die grünen Behälter für Hundekot gedacht. Doch die Robidogs dienen auch als kostenlose Kehrichtabfuhr. Es komme «vermehrt» vor, dass Hauskehricht oder Katzenstreu in Robidog-Stationen landen, stellt man unter anderem in Böckten BL fest.
Die Katzenstreu-Masche
Besonders Katzenstreu ist laut Gemeinden ein Problem. Dies müsste eigentlich im kostenpflichtigen Hauskehricht entsorgt werden, auch aus hygienischen Gründen.
In Seewis GR etwa beobachtete das Forst- und Werkamt «wiederholt», dass Robidog-Behälter zur Entsorgung von Katzenstreu benutzt werden. Klare Worte gibt es aus Degersheim: Katzenstreu lande «kiloweise» in den Robidogs. «Nebst der doch erstaunlichen Dummdreistigkeit dieser Aktion ist es für die Mitarbeitenden des Werkhofs sehr mühsam, die gefüllten Innensäcke der Robidogs zu entfernen», so die Gemeinde.
Mit etwas Humor reagiert der Werkhof von Gempen SO auf das Problem. Der arme Robidog habe schon genug zu tragen, schreibt die Gemeinde. Wenn zusätzlich «ganze Sanddünen aus dem Katzenkistli» darin landeten, werde es für ihn ziemlich schwer.
Was motiviert die Abfallsünder?
Warum privater Abfall auf diese Weise entsorgt wird, kann man nur vermuten. Manche wollen wohl verhindern, dass stinkender Abfall bis zum nächsten Sammeltag in der Wohnung vergammelt.
Private Haushaltsabfälle in öffentlichen Abfallkübeln: Das Problem beschäftigt seit Jahren. Besonders in Städten hat das Thema auch die Politik erreicht. Blick hat dort nachgefragt, wo die illegale Entsorgung schon länger für Diskussionen sorgt: Wie präsentiert sich die Lage?
Besonders hartnäckig scheint das Problem in Winterthur ZH. Die Stadt lancierte Sensibilisierungskampagnen. Trotzdem erklärt das Departement Bau und Mobilität heute: «Hauskehricht macht in öffentlichen Mülleimern in Winterthur etwa 30 Prozent des Volumens aus.» Wie sich die Methoden der Abfallsünder verändert haben, lasse sich zwar nicht sagen. Klar sei aber: «Die Menge hat über die Jahre tendenziell zugenommen.»
Aus der Bundesstadt heisst es: «Auch in der Stadt Bern ist dieses Phänomen bekannt, insbesondere in stark frequentierten Bereichen der Innenstadt», teilt der Informationsdienst mit. Die Stadt setze unter anderem auf Sensibilisierung über die Quartiervereine.
Etwas entspannter scheint die Lage in der grössten Stadt des Landes. «Die Gesamtabfallmengen, die in der Stadt Zürich in öffentlichen Abfallbehältern entsorgt werden, waren in den vergangenen Jahren gleichbleibend mit leicht sinkender Tendenz – trotz Bevölkerungswachstum», erklärt Entsorgung + Recycling Zürich. Deshalb gehe man «davon aus, dass es keine spürbare Zunahme von Hauskehricht im öffentlichen Abfallbehälter gibt».
Ähnlich tönt es in Basel: Illegale Entsorgung sei «zwar eine Herausforderung, insgesamt aber kein grosses Problem». Weniger als fünf Prozent der Abfälle würden illegal entsorgt.
Private Haushaltsabfälle in öffentlichen Abfallkübeln: Das Problem beschäftigt seit Jahren. Besonders in Städten hat das Thema auch die Politik erreicht. Blick hat dort nachgefragt, wo die illegale Entsorgung schon länger für Diskussionen sorgt: Wie präsentiert sich die Lage?
Besonders hartnäckig scheint das Problem in Winterthur ZH. Die Stadt lancierte Sensibilisierungskampagnen. Trotzdem erklärt das Departement Bau und Mobilität heute: «Hauskehricht macht in öffentlichen Mülleimern in Winterthur etwa 30 Prozent des Volumens aus.» Wie sich die Methoden der Abfallsünder verändert haben, lasse sich zwar nicht sagen. Klar sei aber: «Die Menge hat über die Jahre tendenziell zugenommen.»
Aus der Bundesstadt heisst es: «Auch in der Stadt Bern ist dieses Phänomen bekannt, insbesondere in stark frequentierten Bereichen der Innenstadt», teilt der Informationsdienst mit. Die Stadt setze unter anderem auf Sensibilisierung über die Quartiervereine.
Etwas entspannter scheint die Lage in der grössten Stadt des Landes. «Die Gesamtabfallmengen, die in der Stadt Zürich in öffentlichen Abfallbehältern entsorgt werden, waren in den vergangenen Jahren gleichbleibend mit leicht sinkender Tendenz – trotz Bevölkerungswachstum», erklärt Entsorgung + Recycling Zürich. Deshalb gehe man «davon aus, dass es keine spürbare Zunahme von Hauskehricht im öffentlichen Abfallbehälter gibt».
Ähnlich tönt es in Basel: Illegale Entsorgung sei «zwar eine Herausforderung, insgesamt aber kein grosses Problem». Weniger als fünf Prozent der Abfälle würden illegal entsorgt.
Andere dürften sich die Sackgebühren sparen wollen. Der Effekt fürs Portemonnaie fällt allerdings bescheiden aus: So erinnert wiederum Degersheim daran, dass ein 35-Liter-Sack vor Ort gerade einmal zwei Franken kostet.
Es ist schwierig, Abfallsünder zu identifizieren. Sie hinterlassen kaum Spuren. Ein schwacher Trost bleibt: Wer seinen Hauskehricht in öffentliche Abfallkübel oder Robidogs stopft, verursacht zwar Kosten für die Allgemeinheit. Doch immerhin landet der Abfall nicht im Wald, auf Wiesen oder am Strassenrand.