Darum gehts
- Schweizer Städte kämpfen gegen illegale Müllentsorgung und Littering, auch in Wäldern
- Im Fokus stehen vor allem Tricks, um Kosten zu sparen
- Die Städte reagieren mit Bussen und prüfen teilweise Videoüberwachung
Zigarettenstummel am Boden, PET-Flaschen auf Weiden oder Bierdosen im See nach der Street Parade: Das Liegenlassen von Müll ist ein Problem, das Städte und Gemeinden stark beschäftigt.
Doch längst geht es nicht nur um hundsgewöhnliches Littering, wie eine Umfrage von Blick in mehreren Städten wie Zürich, Bern, St. Gallen, Aarau oder Grenchen SO zeigt.
In Grenchen etwa kämpft man derzeit vor allem mit gewissen Hauseigentümern. Hauptproblem seien «Wohnliegenschaften, welche im Besitz von unseriösen Liegenschaftsbesitzern oder Verwaltungen sind», berichtet die Stadt. Dagegen werde mit Verzeigungen vorgegangen und mit einer Reglementsänderung soll künftig «der Grundeigentümer behaftet werden können».
Probleme mit übereifrigen Sparfüchsen
Alle Städte berichten zudem davon, dass einige Einwohner ihren privaten Hausabfall in öffentlichen Abfalleimern entsorgen – um ein paar Franken für kostenpflichtige Abfallsäcke zu sparen. Obwohl das «nicht das Hauptproblem sei», wie etwa Grenchen schreibt, tolerieren es die Städte nicht. Eine Möglichkeit sei etwa das Anbringen von sogenannten Mittelstegen, um «das Einwerfen grösserer Abfallmengen zu erschweren», berichtet St. Gallen.
Entschlossen reagiert Aarau in solchen Fällen. Falls immer wieder dieselben Abfalleimer betroffen sind, würden «diese für ein paar Wochen entfernt». Sollte der Verursacher ermittelt werden können, wird dieser angezeigt, berichten die Städte. Teilweise würden dafür sogar die Abfälle nach Hinweisen abgesucht.
Ein weiteres Problem, mit dem Gemeinden kämpfen: die rechtswidrige Deponierung von Abfall an Sammelstellen. Die Luzerner Gemeinde Emmen testet deswegen nun Videoüberwachung, berichtet die «Luzerner Zeitung». An drei besonders betroffenen Sammelstellen wurde diese eingeführt – vorerst für zwei Jahre. Auch Grenchen prüft derzeit «die Schaffung der rechtlichen Voraussetzungen», wie die Stadt auf Anfrage von Blick erklärt.
Schwierige Hauseigentümer und gute Taten
Arbeit beschert den Werkhöfen auch die illegale Deponierung von Sperrgut – meist Möbel oder Haushaltsgeräte – am Strassenrand. Für die Abholung von Sperrgut muss ein kostenpflichtiger Abholdienst gebucht werden – das leisten sich nicht alle. Dann zahlt die Allgemeinheit.
Auch gut gemeinte Taten – etwa Dinge «gratis zum Mitnehmen» vor die Haustür zu stellen – können in diesem Zusammenhang bereits problematisch sein. Streng genommen sei das nämlich nicht erlaubt, schreibt die Stadt Bern. Da man es aber begrüsse, dass «Gegenstände möglichst lange im Kreislauf bleiben, bevor sie entsorgt werden», zeige man sich kulant.
Man müsse dabei jedoch ein paar Regeln einhalten: «Keine kaputten Sachen rausstellen, nur bei schönem Wetter und am Abend wieder reinnehmen, wenn es niemand mitgenommen hat.» Auch bei Gebührensäcken sei es wichtig, diese nicht «zu früh oder zu spät für die Abfuhr bereitzustellen». Sonst würden sie zum «gefundenen Fressen» für Tiere.
Die Städte berichten zudem auch von Littering. Laut einer Studie des Bundesamts für Umwelt sind – mengenmässig – die Zigarettenstummel das grösste Problem. Danach kommen Take-away-Verpackungen oder Getränkeverpackungen aus PET, Alu sowie Glas. Allein der Reinigungsaufwand, den Littering im Jahre 2010 verursacht hat, beträgt gemäss der Studie 192 Millionen Franken.