Darum gehts
- Wildcampieren am Seewlisee in Uri ist jetzt nur noch mit Bewilligung erlaubt
- Zunahme von Littering, Verhalten der Gäste und Hygieneproblemen führte zu Verbot
- Neue Gebühr: 20 Franken pro Person und Nacht auf begrenzter Fläche
Für die einen ist es Freiheit, für die anderen ein Ärgernis: Wildcampieren in den Bergen. Welche Regeln gelten, hängt vom jeweiligen Kanton und teilweise auch von den Gemeinden ab. Vielerorts ist Wildcampieren jedoch verboten – oder an klare Bedingungen geknüpft.
Besonders seit Corona hat die Zahl der Campierer deutlich zugenommen, wie der Campingverband Swisscamps kürzlich gegenüber Blick nachzeichnete. Dabei kommt es auch immer wieder zu Wildcampieren.
Abfall, laute Musik und fehlende Hygiene
Am Seewlisee in der Gemeinde Silenen UR wurden nun Konsequenzen gezogen, wie der «Bote der Urschweiz» publik gemacht hat. Der Bergsee liegt auf rund 2300 Metern über Meer und zieht vor allem in den Sommermonaten zahlreiche Besucher an. In den letzten Jahren sei die Zahl der Wildcampierer stark gestiegen, schreibt die Gemeinde Silenen selbst auf ihrer Website.
Zuletzt sei es aber auch vermehrt zu Problemen mit Littering, der Hygiene und unangemessenem Verhalten gekommen, so die Gemeinde weiter. Auch die Betreiber der Seewlialp beschwerten sich gegenüber Blue News über den zunehmenden Abfall, laute Musik und das Verhalten mancher Gäste.
Das Wildcampieren am Seewlisee ist nun ausdrücklich verboten. Das Verbot entstand in Zusammenarbeit der Korporation Uri – die auch Grundeigentümerin ist – und der Gemeinde Silenen. Ziel der Massnahme sei es, für geordnete Verhältnisse zu sorgen, erklärt die Korporation Uri auf Anfrage von Blick.
Wer am Seewlisee campieren möchte, muss neu im Vorfeld eine Bewilligung anfordern. Übernachtungen sind nur noch auf einer dafür vorgesehenen Fläche erlaubt, wobei die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Zudem wird neu eine Gebühr von 20 Franken pro Person und Nacht erhoben. Sie kommt grösstenteils der Älplerschaft zugute, die die Koordination und Kontrolle vor Ort übernimmt.
«Wer eine Übernachtung plant, wird gebeten, die Tour sorgfältig vorzubereiten, Rücksicht auf Tiere, Weiden und die Älplerschaft zu nehmen und den Ort so zu hinterlassen, wie man ihn selbst gerne vorfinden möchte», appelliert die Gemeinde an die Gäste.
«Versiechen den Ruf aller anderen»
Doch nicht nur in Uri nerven sich manche über Wildcampierer, sondern auch im Berner Oberland. So veröffentlichte SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh (49) kürzlich ein Video, in dem er Abfall auf der Alp Uschenen oberhalb von Kandersteg BE einsammelt. Etwa Getränkeflaschen oder Aludosen.
Diese stammten von Wildcampierern. Zwar betont er, dass sich die grosse Mehrheit der Gäste korrekt verhalte – und er sogar mit Wildcampierern leben könne. Doch jene, die sich nicht an die Regeln hielten, «versiechen den Ruf aller anderen», sagt er im Video.
Es sei sogar möglich, dass es künftig noch mehr Wildcampierer geben werde, sagte Swisscamps kürzlich zu Blick. Dies, weil diverse Campingplätze schliessen mussten und es «nur bedingt realistisch» sei, dass neue eröffnet würden – etwa aufgrund hoher regulatorischer Hürden oder den Kosten. Gleichzeitig habe die Nachfrage nach Campingangeboten zugenommen.