Darum gehts
- Susanne Wille baut SRG-Spitze um, Roger Elsener wird neuer SRF-Direktor
- Anita Richner verliert trotz Unterstützung, könnte aber Kulturchefin werden
- Neuer Kommunikationsaufbau: 3 Führungskräfte, über 50 Mitarbeitende, gestiegene Kosten
Susanne Wille (51) und Anita Richner (59) verstehen sich bestens. Für SRG-Chefin Wille war Anita Richner eine Favoritin für die SRF-Spitze: durchsetzungsstark, strategisch – und mit besten Verbindungen ins bürgerliche Lager. Denn Richner ist mit Markus Somm (61) liiert, dem Herausgeber des «Nebelspalters» und erklärter Fan von SVP-Medienminister Albert Rösti (58).
Für Wille wäre Richner eine Richtungswahl gewesen: Während Studien der SRG regelmässig Ausgewogenheit attestieren, unterstellt Rösti dem Sender seit Jahren einen Linksdrall – ohne belastbare Grundlage. Mit Richner hätte man diesem Vorwurf politisch geschickt begegnen können. Wohl auch daher hielt sich Somm im Abstimmungskampf auffallend zurück. Der sonst scharfzüngige Kommentator übte sich beim SRG-Dossier in Zurückhaltung. Doch das publizistische Appeasement zahlte sich nicht aus.
Neue Kulturchefin
Nicht Anita Richner wird SRF-Direktorin, sondern der externe Kandidat Roger Elsener (47). Einer, der aus der Privatwirtschaft kommt und frischen Wind bringen soll. Gerüchte, wonach sich Susanne Wille bis zuletzt für Richner eingesetzt haben soll und von SRG-Deutschschweiz-Präsident Lukas Bruhin (57) ausgebootet worden sei, dementiert die SRG: «Bei diesem Wahlgeschäft bestand Konsens im gesamten Gremium», teilt ein SRG-Sprecher mit. Im Klartext: Auch Wille wollte einen externen Kandidaten. Bruhin war einst Generalsekretär von SP-Bundesrat Alain Berset (53) und dürfte keine Freude an einer SRF-Chefin mit Rechtsaussen-Profil haben.
Für Richner ist das eine empfindliche Niederlage. Immerhin: Für Richner winkt ein Trostpreis – sie soll gemäss Informationen von Blick neue Kulturchefin werden.
Nach der gewonnenen Abstimmung macht die SRG das, was sie am besten kann: sich mit sich selbst beschäftigen. Vier Führungspositionen unterhalb der SRF-Direktion sind neu ausgeschrieben – Kultur, Unterhaltung, Distribution und Information. Letztere Funktion wird zur Schaltzentrale: eine Art Super-Chefredaktion für Radio, TV und Online. Der aktuelle TV-Chefredaktor Tristan Brenn (60) dürfte dabei ins Hintertreffen geraten. In der Poleposition: Radiomann Beat Soltermann (53) – wobei manche am Leutschenbach finden, statt eines Radioprofis solle ein Digitalprofi Infochef werden.
Wer wird RTR-Direktorin?
Auffällig ist die neue Zusammensetzung der SRG-Führung: ausser Wille ein reiner Boys' Club. Das Portal Bluewin titelte spitz: «Susanne Wille rekrutiert schlimmer als jeder Mann.» Der Druck steigt – insbesondere mit Blick auf den rätoromanischen Sender RTR, wo nun unbedingt eine Frau an die Spitze rücken soll. Das Problem: Der Kandidatenpool ist winzig. Wer Rätoromanisch spricht, ist rar – und entsprechend gefragt.
Die ersten Absagen trudeln bereits ein: BAG-Sprecherin Annetta Bundi (55) winkt ab. Auch Gieri Cavelty (49), ehemaliger Chefredaktor des Sonntagsblicks, bleibt lieber Lehrer in Bern. Und auch vom ehemaligen RTR-Generalsekretär Simon Denoth (43) kommt ein Nein.
Flavio Bundi wäre die beste Lösung – aber er ist ein Mann
Wäre er eine Frau, wäre er die beste Lösung: Flavio Bundi (38), aktueller RTR-Chefredaktor, ist kompetent, beliebt und in Bern gut vernetzt. Das ist wichtig für die anstehenden Konzessionsverhandlungen. Mit der künftigen Bakom-Chefin Gianna Luzio (45) hat RTR künftig eine Rätoromanin als Gesprächspartnerin, die sich nicht mit dem SRG-typischen Fabulieren einlullen lassen dürfte.