39'400 Verkehrsbussen ausgesprochen
Statt Autos rollt in Birsfelden der Rubel

Um die Quartierstrassen zu entlasten, hat Birsfelden BL vor einem Jahr eine automatische Durchgangskontrolle eingeführt – und damit schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. Seither hat die Gemeinde fast drei Millionen Franken Bussgelder eingenommen.
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Um die Quartierstrassen vor Ausweichverkehr zu schützen, gilt in Birsfelden seit einem Jahr ein neues Verkehrsregime.
Foto: Qendresa Llugiqi

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Birsfelden führte 2025 automatische Durchfahrtskontrolle ein, um Quartierstrassen zu entlasten
  • Im ersten Jahr wurden 39'400 Bussen ausgestellt, Einnahmen knapp 3 Millionen Franken
  • Verkehr sank um 38 Prozent, tägliche Bussen aktuell bei rund 44
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Die Regeln sind streng. Staut es sich auf der Autobahn in Basel, weichen viele Autolenker auf Quartierstrassen aus. Darüber ärgerte sich die Baselbieter Gemeinde Birsfelden derart, dass sie vor einem Jahr eine schweizweite Neuheit eingeführt hat: die automatische Durchfahrtskontrolle (ADK).

An den Zufahrts- und Ausgangspunkten wurden Kameras installiert, die die Kennzeichen der durchfahrenden Fahrzeuge erfassen. Jedes Auto muss sich mindestens 15 Minuten im Gebiet aufhalten. Wer diese Mindestzeit unterschreitet, wird seither mit 100 Franken gebüsst.

Anfangs rund 100'000 Franken – pro Tag!

Mit seiner ADK sorgte Birsfelden vor einem Jahr für Schlagzeilen – wegen der Zahl der Bussen und der Höhe der Einnahmen. Weil sich viele Autofahrerinnen und Autofahrer nicht an die neue Regel hielten, wurden anfangs jeden Tag rund 1000 Bussgelder ausgesprochen. In die Gemeindekassen flossen daher in den ersten Wochen täglich um die 100'000 Franken.

Ein Jahr nach Einführung der Kontrollen im September 2025 zieht Gemeinderätin Désirée Jaun gegenüber dem «Regionaljournal Basel» von Radio SRF eine positive Bilanz. In Birsfeldens Quartierstrassen sei der Verkehr um etwa 38 Prozent zurückgegangen. Derzeit werde dazu ein Bericht erstellt. Neben den Zahlen werde auch geprüft, von wo die gebüssten Autofahrenden gekommen sind, bevor sie in die Birsfelder Quartierstrassen einbogen, so Jaun.

«Hoffen, dass Anzahl der Bussen weiter zurückgeht»

Noch nicht zufrieden sei man in Birsfelden allerdings mit der hohen Zahl an Bussen. Gerade weil es nicht darum gegangen sei, Geld einzunehmen, störe sich Jaun daran, dass noch immer rund 44 Bussen pro Tag erhoben würden: «Wir hoffen, dass die Anzahl der Bussen weiter zurückgeht.» Insgesamt seien im ersten Jahr der ADK rund 39'400 Bussen ausgestellt worden. Das habe bisher Einnahmen von knapp drei Millionen Franken ausgelöst.

Allerdings: Nicht alle hätten die Bussen bezahlt. Die Gemeinde habe daher einige Dossiers der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch haben Autoverbände gegen die Bussgelder geklagt. Die Gerichtsverfahren sind noch nicht abgeschlossen. Sogar der Bundesrat äusserte sich kritisch zur ADK.

In Birsfelden sehe man diesem Verfahren gelassen entgegen, wird Jaun zitiert. «Wir nehmen es, wie es kommt.» Man habe das neue Bussensystem vor der Einführung rechtlich geprüft: «Für uns ist es in Ordnung, dass diese Fragen nun von einem Gericht geklärt werden.»

Neben Kritik hätten die Birsfelder Kontrollen aber auch Interesse geweckt, berichtet Radio SRF weiter. So zeige sich etwa die Nachbargemeinde Muttenz BL interessiert, die eigenen Gemeindestrassen ebenfalls mittels einer ADK vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Die genauen Verkehrszahlen wie auch das Gerichtsurteil zu den ADK werden daher mit Spannung erwartet.

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