«Das habe ich jahrelang niemandem erzählt»
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Blick-Redaktor über ESC-Pannen:«Das habe ich jahrelang niemandem erzählt»

Historischer Boykott, Finanzloch, unsichere Zukunft
In Wien wird schon jetzt ESC-Geschichte geschrieben

Der ESC 2026 startet kommende Woche in Wien mit 35 teilnehmenden Nationen. Doch der Boykott von fünf Ländern wegen der Teilnahme Israels sorgt für Spannungen und wirft Schatten auf den grössten Musikwettbewerb der Welt.
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Sein Auftritt wird in diesem Jahr wohl am meisten diskutiert: Noam Bettan steigt mit dem Lied «Michelle» für Israel ins ESC-Rennen.
Foto: Corinne Cumming/EBU

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • ESC 2026 startet mit Eröffnungszeremonie in Wien, fünf Länder boykottieren den Event
  • Irland, Spanien und andere protestieren gegen Israels Teilnahme wegen des Gaza-Konflikts
  • Schweizer Veronica Fusaro mit Song «Alice»
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Michel ImhofTeamlead People

Der Eurovision Song Contest 2026 startet am Sonntagabend mit der grossen Eröffnungszeremonie auf dem Rathausplatz in Wien. 35 Acts schwingen dort die Fahne für ihr Land und werden über den türkisen Teppich laufen, während Fans ihnen zujubeln. Wien hat sich ins Zeug gelegt. Doch die Aufmerksamkeit richtet sich auf ein anderes Thema. Der ESC 2026 wird historisch – und richtungsweisend. Blick gibt einen Einblick in die wichtigsten Punkte.

Der Boykott

Das gab es noch nie: Gleich fünf Länder bleiben dem Eurovision Song Contest heuer fern, weil der israelische Rundfunk Kan auch dieses Jahr am grössten Musikwettbewerb teilnehmen darf. Irland, Slowenien, die Niederlande, Island und mit Spanien auch einer der grössten Geldgeber des Wettbewerbs kritisieren, dass Israel nach dem Vorgehen im Gaza-Streifen und nach dem Genozid-Vorwurf der Uno weiterhin am Event dabei ist.

Der Boykott bleibt nicht ohne Folgen: Noch in der Woche vor dem ESC waren für beide Halbfinals und für fünf der sechs Generalproben Tickets zu haben. Auch Hotels in Wien können zu erschwinglichen Preisen gebucht werden. 

Die Organisatoren betonen jedoch in einer Medienmitteilung, dass Menschen aus 70 Ländern zum ESC reisen. Die Schweizer haben am viertmeisten Tickets gekauft, nach den Briten und vor den US-Amerikanern. «Tausende niederländische Fans machen sich auf den Weg nach Wien, ebenso wie Fans aus Island, Irland, Spanien und Slowenien sowie aus den wieder teilnehmenden Ländern Bulgarien, Moldawien und Rumänien», schreibt die Europäische Rundfunkunion EBU und spielt auf die Boykottländer an. 

Für den langjährigen ESC-Produzenten Christer Björkman (68) ist klar, dass der Boykott nicht folgenlos bleiben wird. «Es ist ein grosser finanzieller Rückschlag für die EBU. Da es die EBU betrifft, betrifft es auch uns. Wir alle sind die EBU, und das bedeutet, dass die Kosten für die Teilnahme im nächsten Jahr viel, viel höher sein werden», sagt er in der Sendung «Melodifestivalklubben» des schwedischen Senders SVT. ESC-Chef Martin Green gibt derweil an, mit den abwesenden Nationen im Gespräch zu sein. «Wir respektieren ihre Entscheidung, aber wir vermissen sie auch», sagte er dem niederländischen Sender NOS.

Er äusserte sich auch zur breit gestreuten Werbekampagne, die letztes Jahr für die israelische Teilnehmerin Yuval Raphael (25) geschaltet und von einem Ministerium der israelischen Regierung bezahlt wurde. Solche Aktivitäten sind mit den im Dezember abgewinkten neuen Regeln nicht mehr möglich. «Auch wenn wir Jurymitglieder haben, die für Ausgewogenheit bei der Abstimmung sorgen, werden wir solche Vorfälle keinesfalls tolerieren», sagt Green. «Ich glaube, wir waren in den letzten Jahren vielleicht nicht streng genug.»

Auch für dieses Jahr wurden bereits propalästinensische Proteste angekündigt. Zudem kündigte der ORF an, keine Buhrufe zu filtern. Man wolle alles so wiedergeben, wie es ist. Spannend: Flaggen konnte man zuvor über den offiziellen Shop vorbestellen, darunter nicht nur die der teilnehmenden Länder, sondern auch von anderen. Darunter auch von Palästina. Abzuwarten bleibt, ob viele von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben. In Malmö waren Palästina-Flaggen 2024 noch verboten, in Basel 2025 erlaubt.

Die Favoriten

Laut den Wettbüros ist die Sache eigentlich schon gelaufen: Das finnische Duo, bestehend aus der Violinistin Linda Lampenius (56) und dem Sänger Pete Parkkonen (36), hat mit dem Lied «Liekinheitin» und mit über 30 Prozent Gewinnchancen die beste Aussicht auf den ESC-Sieg. Etwas abgeschlagen dahinter liegt der Grieche Akylas (27), der mit dem Probenclip zu seinem Auftritt mit dem Track «Ferto» und der eher durchschnittlichen gesanglichen Leistung seine Siegeschancen etwas verringert hat. Zum Favoritenkreis gehört auch der Däne Søren Torpegaard Lund (27), der mit dem Song «Før vi går hjem» einen queeren Club-Track liefert. Auf Platz vier der Wettbüros liegt die Französin Monroe (17), die mit dem Titel «Regarde!» auf den Spuren der ESC-Gewinners Nemo (26) und JJ (25) wandelt. Operngesang trifft hier auf Pop. Australien schickt mit Delta Goodrem (41) einen nationalen Superstar zum ESC. Auch ihrer Power-Ballade «Eclipse» werden gute Gewinnchancen zugeschrieben.

Die Auffälligen

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr irre Beiträge. Neben dem bereits erwähnten Griechen Akylas reiht sich da der Auftritt von San Marino ein. Sängerin Senhit (46) steht für den Kleinstaat zum dritten Mal auf der ESC-Bühne, 2021 holte sie zur Unterstützung US-Rapper Flo Rida (46). In diesem Jahr wird der britische «Culture Club»-Star Boy George (64) mit ihr «Superstar» trällern. Für Deutschland geht mit Sarah Engels (33), Ex-Frau von Pietro Lombardi (33) und DSDS-Zweitplatzierte von 2011, eine bekannte Schlager- und Popsängerin ins Rennen. Sie wird den Titel «Fire» präsentieren. Und die estnische Band Vanilla Ninja, die 2005 für die Schweiz den achten Platz holte, tritt heuer für ihr Heimatland mit dem Titel «Too Epic to Be True» an. 

Die Schweizer Hoffnung

Die Schweiz schickt die Thunerin Veronica Fusaro (29) mit dem Titel «Alice», einem Song über Gewalt an Frauen, ins ESC-Rennen. Die Wettbüros sehen sie nicht weit vorne. Aber mit der Veröffentlichung der ersten Informationen ihres ESC-Auftritts erlebte sie einen Schub. Kein Wunder: Verantwortlich für die Inszenierung des Auftritts ist der Schwede Fredrik «Benke» Rydman (51), der auch schon Nemos Sieges-Performance von Malmö 2024 mit «The Code» gestaltete. Trotzdem: Die Blick-Community ist noch skeptisch. In unserer Umfrage fanden 43 Prozent der rund 500 Teilnehmern, der Auftritt töne zu konstruiert. 29 Prozent können sich noch nichts darunter vorstellen, und 27 Prozent sind guter Dinge und finden das Ganze vielversprechend.

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Die Halbfinale des Eurovision Song Contest sind am 12. und 14. Mai um 21 Uhr auf SRF 2 zu sehen, das Finale am 16. Mai um 21 Uhr auf SRF 1. Die Schweizer ESC-Hoffnung Veronica Fusaro tritt im zweiten Halbfinale am 14. Mai auf.  

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