Darum gehts
- Reto Hanselmann offenbart Missbrauchserlebnis im Internat mit 11 Jahren
- Arzt nutzte Untersuchung aus, wiederholte Übergriffe bei Warzenbehandlung
- Internat existiert nicht mehr, Täter wäre heute über 80 Jahre alt
Eigentlich dreht sich in der neusten Folge des Podcasts «Hanselmann & Heller» von Reto Hanselmann (44) und Alf Heller (50) alles um die Anfang Juni erschienene Netflix-Dokumentation «Michael Jackson: Das Urteil», in der es um den Prozess im Jahr 2005 gegen den King of Pop geht. Doch dann offenbart der sonst so fröhliche Zürcher Partykönig ein eigenes, prägendes Erlebnis aus seiner Kindheit. Er erlebte im Internat selbst einen Übergriff.
«Ich habe meine Geschichte, bei der mir direkt die Tränen kommen. Das war für mich ganz schlimm», sagt er bewegt. Als er etwa 11 Jahre alt war, passierte im Internat Folgendes: Er suchte wegen einer Warze am Fuss den internatseigenen Hausarzt auf. «Er schaute sich die Warze an und meinte, ich solle doch auch noch meine Hosen runterlassen.» Danach habe der Arzt seine Vorhaut und seinen Hoden berührt und gecheckt.
Er hat den Vorfall verdrängt
Der junge Reto Hanselmann hat den Vorfall zu Beginn nicht hinterfragt. «Ein Arzt ist für ein Kind ja eine Vertrauensperson. Wie ein Polizist oder ein Lehrer. Ich dachte, der wird schon seine Gründe haben.» Seltsam kam es ihm vor, als er für die Entfernung der Warze mehrfach wieder zum Check ging. «Und jedesmal musste ich die Hosen wieder herunterlassen, und es ging wieder von vorn los.»
Lange habe er den Vorfall verdrängt. «Als ich während der Covid-Zeit wegen Angstzuständen in Therapie ging, kam es mir wieder in den Sinn. Und auch dieses beklemmende Gefühl, das ich damals hatte, kam wieder hoch.» Auch das Schauen der Doku über den Prozess gegen Michael Jackson (1958–2009) habe ihn getriggert. «Hier ging offenbar ebenfalls vieles nicht mit rechten Dingen zu. Und es stellt sich oft die Frage: Wo fängt ein Übergriff an?»
«Darüber reden ist wichtig»
Reto Hanselmann findet es wichtig, dass man mit Kindern darüber spricht, wo Grenzen sind, sagt er im Gespräch mit Blick. «Kinder sollen über alles sprechen dürfen. Über jede Situation, die in ihnen ein ungutes Gefühl auslöst. Und man muss ihnen sagen, wo die Grenzen sind. Dass selbst ein Arzt oder eine andere Vertrauensperson nicht alles einfach machen darf.»
Wie der Arzt genau hiess, weiss Hanselmann nicht mehr. «Der Mann müsste jetzt schon über 80 Jahre alt sein. Eventuell ist er auch nicht mehr unter uns», sagt er. «Ich habe auch keine Ahnung, ob ich ihn auf der Strasse erkennen würde.»
Wichtig sei ihm, dass man über solche Vorfälle spricht. «Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Grenzüberschreitungen gibt es offenbar mehr, als wir denken. Wichtig ist, dass wir darüber sprechen.»