So tönt der Schweizer ESC-Song für Wien
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Veronica Fusaro mit «Alice»:So tönt der Schweizer ESC-Song

Unterwegs mit Veronica Fusaro in Wien
«Ich bin bereit für den ESC!»

In wenigen Tagen gehört ihr die grösste Musikbühne der Welt. Die Thuner Sängerin Veronica Fusaro tankt noch einmal Kraft und bereitet sich auf ihren grossen Auftritt am Eurovision Song Contest in Wien vor.
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Ausgeglichen: Mit einer Portion Thuner Ruhe wappnet sich Veronica Fusaro für ihren grossen Sprung auf die Weltbühne in Wien.
Foto: Fabienne Bühler

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Veronica Fusaro vertritt die Schweiz am Eurovision Song Contest in Wien
  • Die Thuner Musikerin jongliert gegen Lampenfieber und setzt auf ihre Gitarre
  • Auftritt am 14. Mai im Halbfinale, Schweiz hofft auf «twelve points»
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Toni Rajic
Schweizer Illustrierte

Hufe klappern über den Asphalt und hallen metallisch durch die Gassen des 1. Wiener Bezirks. Der Fiaker tippt zum Gruss an den Hut, Veronica Fusaro antwortet mit einem breiten Lächeln. Die 29-Jährige wirkt unbeschwert, von Lampenfieber keine Spur – und das, obwohl in wenigen Tagen das Abenteuer ihres Lebens beginnt: Die Thunerin vertritt die Schweiz am 70. Eurovision Song Contest. Doch bevor die Scheinwerfer der Stadthalle angehen, sucht sie die Ruhe in der österreichischen Metropole. «Wien ist mir zwar nicht fremd, aber ich hatte kaum Gelegenheit, die Stadt kennenzulernen. Nach einer ersten Reise mit der Schule war ich zuletzt für ein Konzert hier, von dem aus es direkt weiterging», sagt sie und lässt den Blick über die prächtige Kulisse schweifen. «Dieses Mal darf das nicht passieren.» Entschlossen nimmt sie ihren Gitarrenkoffer und marschiert los.

Wien fasziniert sie. Es ist die Mischung aus kaiserlicher Geschichte und pulsierender Gegenwart. Vor der Hofburg bleibt sie kurz stehen. «Da hat man schön gebaut, wenn man Geld hatte», scherzt sie. Prunk ist für Veronica nur äusseres Beiwerk. Sie wuchs als Tochter eines Italieners und einer Schweizerin «im gesunden Mittelstand» auf. «Materiell hat es mir an nichts gefehlt. Und kulturell waren wir reich. Ich konnte stets von beiden Prägungen profitieren.» Dass sie nun ausgerechnet in Österreich antritt, bedeutet ihr viel. «Ich habe auch österreichische Gene», verrät sie. «Mein Grosi mütterlicherseits stammt ursprünglich aus Sankt Marein bei Graz, auch wenn sie nun schon seit 70 Jahren in der Schweiz zu Hause ist.»

Jonglieren gegen die Nervosität

Der Weg führt vorbei am Volksgarten zum Rathaus, wo die Aufbauarbeiten für das ESC-Spektakel laufen. «Ich kann es kaum erwarten, bis hier die Eröffnungsfeier losgeht und ich bald auf der riesengrossen Bühne stehen darf. Schon beim Gedanken daran bekomme ich Hühnerhaut», gesteht Veronica. Sie tritt im zweiten Halbfinal am Donnerstag, 14. Mai, auf. Bis dahin stehen Proben, Interviews und unzählige Verpflichtungen an.

Der ESC ist ein Kraftakt. Damit die Nerven im entscheidenden Moment nicht flattern, nutzt sie eine ungewöhnliche Taktik: «Ich jongliere! Das habe ich mir beim Tennisspieler Carlos Alcaraz abgeschaut. Wenn ich mich auf die Bälle konzentriere, bin ich so fokussiert, dass ich das Drumherum ausblende.» Um auch die körperliche Belastung durchzustehen, hat sich Fusaro mit Joggen, Pilates und Ausdauertraining gestählt. Nichtsdestotrotz: Ein bisschen Genuss muss in Wien aber doch sein. Im legendären Café Landtmann, wo schon Sigmund Freud und Paul McCartney ihren Kaffee genossen haben, bestellt Veronica einen Apfelstrudel mit Vanilleglace und Schlagobers. «Solche bodenständigen Köstlichkeiten sind mein Ding», sagt sie und schliesst genüsslich die Augen.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Ein Sprungbrett für die Zukunft

Ihr Rückzugsort liegt nur ein paar Schritte entfernt: das Fünfsternehotel Herrenhof. In ihrem Zimmer herrscht Ordnung – ihre Glücksbringer schön drapiert, die Outfits akkurat auf Bügeln. Im offenen Schrank dominiert schwarzes Leder. «Was mein Style ist, ist wohl klar. Darin fühle ich mich einfach wohl, und es steht mir gut.» Auch auf der Bühne wird sie ganz sie selbst sein – nicht nur outfitmässig, sondern auch mit ihrer Gitarre. «Das Solo in meinem Song ‹Alice› lasse ich mir nicht nehmen. Akkorde und Töne können so viel Emotion vermitteln und ganze Geschichten erzählen. Deshalb liebe ich diesen Teil so sehr!»

Wenn ihr der Trubel doch einmal zu viel wird, greift sie zu einem kleinen Büchlein. «Pensieri» – «Gedanken» – steht darauf. Das Tagebuch ist ihr wichtigstes Ventil. «Ich bin ein geselliger Mensch, aber ich musste lernen, Grenzen zu ziehen. Im Zimmer schreibe oder musiziere ich. Das hilft mir, die Eindrücke zu verarbeiten.»

Ob schon etwas zu lesen ist zu den Wettquoten, die als verlässliches Barometer für Erfolg stehen? Schliesslich wird der Schweiz kein Einzug in den Final vorhergesagt. Veronica Fusaro winkt ab. «Die verfolge ich nicht! Natürlich würde es mich extrem angurken, wenn ich es nicht schaffe. Ich bin aber eine positiv denkende Person und hoffe, Europa in den drei Minuten für mich gewinnen zu können.»

Egal, wie das ESC-Abenteuer ausgeht, sie sieht es als Sprungbrett für ihre Karriere. Nachdenklich tritt sie ans offene Fenster. Unten ziehen die Kutscher ihre Runden, die Hufe klappern. Sie schliesst das Fenster und freut sich in der Stille auf das, was kommt. «Ich bin bereit für den ESC und hoffe, wir hören ganz oft: Switzerland, twelve points!»

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