Darum gehts
- Veronica Fusaro vertritt die Schweiz beim ESC 2026 mit dem Song «Alice»
- Das Lied thematisiert Gewalt gegen Frauen und soll zum Nachdenken anregen
- Am 14. Mai tritt sie in Österreich unter den ersten sieben auf
Manchmal braucht es nicht nur etwas Glück, sondern auch Geduld. Veronica Fusaro hat beides. Die 28-jährige Thunerin lebt schon seit einem Jahrzehnt von der Musik und hat in den letzten paar Jahren bereits mehrere Lieder in den Wettbewerb um die Teilnahme am Eurovision Song Contest geschickt. Dieses Jahr hats nun geklappt: Ihr Lied «Alice» wurde von einer nationalen und internationalen Fachjury als Schweizer Beitrag ausgewählt. «Mich freut es sehr, dass nun ‹Alice› diese sehr grosse Bühne bekommt», sagt Fusaro.
Das von ihr geschriebene Stück handle von dem leider alltäglichen Thema Gewalt an Frauen, wie die Sängerin erklärt. «Alice steht stellvertretend für alle Personen, deren Grenzen nicht respektiert werden. Sie wird im ganzen Song von einer anderen Person beschrieben und dirigiert.» Die Interpretin nennt Michael Jackson (1958–2009) als eines ihrer musikalischen Vorbilder und begründet: «Er hat Lieder geschrieben, um die Welt ein Stück weit zu verändern. Ich bin ein sehr hoffnungsvoller Mensch und hoffe, dass auch meine Musik zum Denken anregt.»
Von Thun bis nach Toronto
Neben Glück und Geduld hat Veronica Fusaro aber vor allem Talent. Aufgewachsen mit einem jüngeren Bruder in Thun BE als Tochter einer Schweizerin und eines Italieners, beginnt sie in der 3. Klasse Gitarre zu spielen. Dies, damit sie eigene Lieder schreiben kann. Im Elternhaus richtet sie sich dafür im Keller ein Studio ein. «Ich schreibe generell über Dinge, die mich beschäftigen», sagt sie. 2016 folgt ihr Durchbruch: «Nichtsahnend» sei sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder an den Musik-Wettbewerb M4Music nach Zürich gereist. Dort gewinnt sie zu ihrer Überraschung in den Kategorien Pop und «Demo of the Year». Im selben Jahr wird sie zum SRF-3-«Best Talent» gekürt.
Mumbai, Johannesburg, Hongkong, Toronto: Veronica Fusaro hat schon auf der ganzen Welt Konzerte gegeben, spielte auf dem Gurten, am Montreux Jazz Festival, am legendären Glastonbury Festival. «Die bisher tollste Bühne war jedoch, als ich im Vorprogramm von Mark Knopfler spielen durfte», schwärmt sie von ihrem Auftritt in Nîmes, Frankreich, an einem «sehr kitschigen Juli-Abend». «Abgesehen davon, dass er von Dire Straits und eine Legende ist, war es schon immer ein Traum von mir, in einem Amphitheater spielen zu können.»
Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!
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Ihr Grosi wird nicht vor Ort sein
Am 14. Mai wird Fusaro, die heute in Bern wohnt, nun auf der Bühne des grössten Musikwettbewerbs der Welt stehen. Die genaue Startnummer ist noch unklar, aber sie wird unter den ersten sieben Darbietungen sein. Schade, denn Fusaros Lieblingszahl ist die 11. «Mit dieser Nummer gewann ich in der 7. Klasse einen Triathlon», erklärt sie, die Musik gerne mit Sport vergleicht und den ESC denn auch wie Olympia oder die Paralympics sieht. «Ich fühle mich wirklich wie eine Athletin. Es ist eine grosse Ehre und ich bin stolz, die Schweiz zu repräsentieren», sagt Fusaro, die zwar auf Englisch singt, aber drei unserer Landessprachen spricht. Auch in Österreich, wo der ESC dieses Jahr stattfindet, hat sie Wurzeln. Ihre Oma lebt dort, wird den Auftritt der Enkelin jedoch nur am TV mitverfolgen. «Sie ist 92, aber im Herzen natürlich dabei.» Auch auf die Unterstützung ihrer Verwandten in Italien kann sie zählen. «Meine Familie ist bereits am Organisieren. Diese Kampagne läuft», sagt Fusaro lachend und zeigt ihren Sportsgeist. «Ich gehe schon an den ESC, um zu gewinnen.»
Ihr «Sport» ist übrigens «Schutte». «Ich war nie im Klub, aber früher war nach der Schule kicken auf dem roten Platz Programm.» Und so wollte sie als junges Mädchen auch Fussballerin bei der italienischen Männer-Nationalmannschaft werden, «weil ich das Frauenteam noch nicht kannte». Ihr alternativer Berufswunsch war Rockstar. «An diesem Traum arbeite ich noch», meint sie lächelnd. Die Teilnahme am ESC ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.