Susanne Wille greift durch
Jetzt gehts der SRF-Chefetage an den Kragen

Die SRG muss bis 2029 ganze 270 Millionen Franken sparen und 900 Vollzeitstellen abbauen. Bei SRF wurden bereits im Sommer 2025 66 Stellen gestrichen. Jetzt hat die nächste Phase gezündet – sie trifft die Chefredaktoren.
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Susanne Wille greift bei SRF durch.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SRF-Kader müssen sich neu bewerben, gesamte Führungsstruktur wird umgebaut
  • Radio-Chefs übernehmen künftig auch Fernsehen, weniger Chefredakteur-Posten verfügbar
  • TV-Chefredaktor Tristan Brenn verzichtet nach 13 Jahren auf Neubewerbung

Ursprünglich hat SRG-Generaldirektorin Susanne Wille (52) für den 17. Juni die gesamte Belegschaft zu einem zweistündigen Livestream aufgeboten. Thema laut Einladung: der «aktuelle Stand des Transformationsprozesses». Hinter der nüchternen Formulierung steckt Sprengstoff.

Nach Blick-Recherchen müssen sich bei SRF praktisch alle Kaderleute neu auf ihre Jobs bewerben – vom Chefredaktor bis zum Teamleiter. Kurz: Der Umbau erfasst die ganze Führungsstruktur. SRF ist Teil der SRG und für das deutschsprachige TV-, Radio- und Online-Programm zuständig.

Führungsetage schrumpft

Die Führungsetage bei SRF soll jetzt um über die Hälfte schrumpfen. Besonders brisant: Auf Ebene Chefredaktor (sie wird intern Stufe «F2» genannt) gibt es in der neuen Organisation weniger Plätze als bisherige Köpfe. Bislang führten Beat Soltermann und Ursula Gabathuler den Bereich Radio/Digital, Tristan Brenn war Chefredaktor Fernsehen. Künftig werden Radio und Fernsehen in einer gemeinsamen Chefredaktion zusammengelegt.

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Die Co-Leitung liegt neu bei Soltermann und Gabathuler. Oder anders gesagt: Die Radioführung übernimmt neu auch das Fernsehen.

Für Brenn bleibt in dieser Struktur offenbar kein Platz mehr. Der 61-Jährige soll auf eine Bewerbung verzichtet haben. Brenn war während zwölf Jahren TV-Chefredaktor von SRF. Trotzdem hätte er sich wie die meisten anderen Kaderleute einem Assessment stellen müssen.

Weitere brisante Entscheidungen

Intern gilt Brenn als beliebter Chef, als einer, der seine Leute in schwierigen Situationen nicht im Regen stehenlässt. Einen Makel gab es jüngst in der Affäre um Ex-Nati-Trainer Patrick Fischer. Als SRF-Reporter Pascal Schmitz nach seiner Recherche über Fischers gefälschtes Covid-Zertifikat selber unter Druck geriet, blieb Brenn lange auffallend still. Später erklärte er das mit einem seit längerem geplanten Sabbatical.

Knapp eine Stunde nach der Publikation dieses Artikels bestätigt die SRG die Blick-Recherchen in einer Medienmitteilung. Auf der gleichen Stufe wie Brenn scheidet auch Stefano Semeria aus. Er verlässt SRF nach 16 Jahren. Er war erst Leiter der Unterhaltungsabteilung, dann der Distribution.

Weitere Personalentscheide: Die neue Kulturchefin wird Antonia Seifert. Anita Richner, die ebenfalls zur Diskussion stand, geht leer aus. Manuela Diethelm übernimmt den Bereich Unterhaltung, für die Distribution ist bei SRF Laura Köppen zuständig. Die Bündnerin Simona Caminada wird neue RTR-Direktorin und verantwortet somit den rätromanischen Sprachraum.

Auch Prestige-Sendungen betroffen

Als Nächstes wird auch die Kaderstufe darunter – «F3» – durchgeschüttelt. Auch die Stühle der Chefs von Prestige-Sendungen wie der SRF-«Rundschau» oder des «Kassensturz» sollen wackeln. Aufgrund der neuen Führungsstruktur müssen sich einzelne Redaktionsleiter- und leiterinnen allenfalls ebenfalls neu bewerben, weil es ihre Funktion in der heutigen Form möglicherweise gar nicht mehr gibt. Ob und wie das umgesetzt wird, ist allerdings noch offen.

Mehr Macht für Wille

Die SRG verkauft die neue Organisation vordergründig als Modernisierung unter Spardruck. SRF-intern wirkt die neue Struktur aber auf viele nicht einfacher, sondern vor allem zentralistischer – einfach mit neuen Kästchen und neuen Titeln. Und: mehr Macht an der SRG-Spitze, weniger Spielraum für die journalistisch Verantwortlichen unten.

Auffällig: Selbst Roger Elsener (48), Willes neuer Mann als SRF-Direktor, hat zumindest auf dem Papier weniger Kompetenzen als seine Vorgängerin Nathalie Wappler. Bereiche wie Sport, Finanzen und HR sind nicht mehr ihm unterstellt, sondern direkt bei Wille angesiedelt.

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