Darum gehts
- Markus Berger geht nach nur acht Monaten im Amt
- Teures Strategiepapier und Headhunter-Agentur kosten SRG sechsstelligen Betrag
- Drei Mini-Mediensprecher ersetzen Chefposten, Zweifel an Effizienz der neuen Struktur
SRG-Chefin Susanne Wille (51) wollte vieles anders machen als ihr Vorgänger Gilles Marchand (63). Doch auch sie muss sich die Frage gefallen lassen, wie ernst sie es mit dem Sparauftrag meint. Acht Monate nach seinem Stellenantritt muss SRG-Sprecher Markus Berger (60) den Sessel räumen, ein teuer eingekauftes Strategiepapier ist Geschichte.
Mit Markus Berger hatte sich Wille bewusst von Edi Estermann abgrenzen wollen. Der langjährige SRG-Sprecher war die strahlende Alternative zu Willes Vorgänger Gilles Marchand, der auch nach Jahren im Amt oft ins Französische wechseln musste und wenig Charisma besass.
Externe Headhunter-Agentur
Wille wollte das Gegenteil: keinen Sunnyboy à la Estermann, sondern einen Strippenzieher im Hintergrund. Einen, der die Transformation vorantreibt – intern, strategisch, und, wie der Leutschenbach oft betont: «holistisch», also ganzheitlich. Die neue Figur sollte zum Umbauprojekt «Enavant» passen, das die SRG effizienter machen soll. In Basel kommen hierzu jeden Mittwoch über 30 SRG-Mitarbeiter zusammen und diskutieren intensiv. Die Resultate blieben bislang überschaubar.
Für den Neustart der SRG-Kommunikation griff die SRG tief in die Tasche. Mit Spencer Stuart wurde eine externe Headhunter-Agentur engagiert. Vier Berater arbeiteten an einem neunseitigen Strategiepapier, Branchenkenner schätzen die Kosten auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Das Ergebnis: Markus Berger (60), ein erfahrener Kommunikationsprofi von Schweiz Tourismus, steuerte Willes Kommunikation.
Viel SRG-Selbstbeweihräucherung
Heute ist davon nichts mehr übrig. Berger ist weg, das Konzept Makulatur. Das Strategiepapier, das Blick vorliegt, zeigt vor allem eines: viel SRG-Selbstbeweihräucherung. Die SRG wird als Garantin für «Solidarität, Meinungsbildung und Meinungsvielfalt» gepriesen und zur pädagogischen Instanz ausgerufen, die ihr Publikum befähigen soll, «die Zukunft weitsichtig und vielfältig zu gestalten». Der Kommunikationschef solle Wille dabei helfen, ein «starkes Narrativ» zu entwickeln.
Gesucht wurde laut Papier eine Führungsperson mit Durchsetzungskraft, Eigeninitiative und Resilienz. Gefunden – und wieder verloren. Nun versucht Wille, den Kurswechsel als Optimierung zu verkaufen. Statt eines Kommunikationschefs setzt die SRG künftig auf eine Newsroom-Struktur. Drei Mini-Mediensprecher ersetzen den bisherigen Chefposten.
Die übergeordnete Kommunikationskompetenz fehlt
Die SRG verspricht eine Kommunikation, die «einfacher, effizienter und integrierter» werde. Doch intern regt sich Zweifel. Denn: Wenn es plötzlich drei Mini-Chefs gibt, müssen sich diese aufwendig abstimmen. Vor allem fehlt die übergeordnete Kommunikationskompetenz. Genau diese hatte die SRG letztes Jahr noch gezielt gesucht – und teuer eingekauft.
Am Ende bleibt ein kostspieliger Fehlgriff in einer Phase, in der sich die SRG solche Experimente eigentlich kaum leisten kann. Hunderttausende Franken an Gebühren wurden für ein Konzept und eine Rekrutierung verschwendet, die man sich nach acht Monaten schon wieder anders überlegt hat.
Gut möglich, dass für Susanne Wille aus dem Strategiepapier immerhin ein Satz bestehen bleibt: «Wir lernen aus Fehlern.»