Darum gehts
- Roger Elsener zieht nach 100 Tagen als SRF-Direktor positive Bilanz
- SRF plant digitale Erneuerung trotz Sparmassnahmen und 900 abgebauten Stellen
- Ab 2027/28 keine Champions-League-Liverechte mehr, Fokus auf Partnerschaften
Roger Elsener (48) ist seit rund 100 Tagen als SRF-Direktor im Amt und zieht im Interview mit CH Media eine erste Bilanz. Im Gegensatz zu seinen früheren Arbeitgebern bei den Privaten stehe das Schweizer Radio und Fernsehen unter anderen Vorzeichen: «Wir sind kein Unternehmen, das einen Gewinn erzielen muss. Jeder letzte Franken wird für den Service public und unser Publikum investiert.» Seine Ambition für das Medienhaus ist klar formuliert: «Unser Grundziel ist, dass wir SRF zu einem modernen digitalen Leitmedium weiterentwickeln.»
Digitale Erneuerung und verändertes Medienverhalten
Der Medienkonsum verschiebt sich zunehmend weg vom klassischen Live-Fernsehen hin zu zeitversetzter Nutzung und kürzeren Formaten. Stark verankerte Marken wie die «Tagesschau», «10 vor 10» oder der «Kassensturz» sollen daher nicht abgelöst, sondern digital kompatibler werden: «Die digitale Welt dreht schneller. Das bedingt, dass wir mehr testen, mehr versuchen.» Um jüngere Zielgruppen anzusprechen, setze SRF auf prägnante Newsclips und die neue App Play+, die bisherige Einzelangebote bündelt.
Und doch steht das SRF vor einschneidenden Sparmassnahmen. Der Sparauftrag beträgt 17 Prozent des Budgets. Bei der SRG rechnet man mit einem Abbau von rund 900 Stellen. Elsener betont: «Wir kämpfen jeden Tag dafür, dass es weniger sind», und dass der Abbau möglichst über Fluktuation aufgefangen werde.
In Sachen Programm und Sendungen möchte der neue SRF-Direktor mehr auf Erlebbarkeit setzen, wie das etwa mit den Events beim «Donnschtig-Jass» der Fall ist. Im Bereich des Live-Sports möchte das SRF dort zwar weiterhin stark bleiben, aber: «Wir wollen partnerschaftlich mit den Privaten kooperieren», so Elsener. Das hat etwa Auswirkungen auf die Champions League: «So haben wir uns ab der Spielzeit 2027/28 nicht mehr um die Liverechte für die Champions League beworben.»
Neue Formate und der Fall Fischer
In der Unterhaltung fokussiert der Sender auf Formate nah am Alltag, wie die Dok-Serie «Für immer WG», lehnt Trash-Formate jedoch ab: Unterhaltung dürfe «nie die Würde des Menschen verletzen, wie das teilweise in internationalen Formaten vorkommt».
Vorwürfe einer politischen Schlagseite weist Elsener zurück und fordert stattdessen mutige Berichterstattung: «Ich animiere alle im Unternehmen, mutigen Journalismus im Rahmen der publizistischen Leitlinien zu praktizieren.» Angesprochen auf die Kontroverse um den ehemaligen Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer (50) verteidigt er die journalistische Unabhängigkeit, betont aber auch die menschliche Komponente. Seine Haltung zum Konflikt bringt er pragmatisch auf den Punkt: «Ich würde mit Fischer jederzeit einen Kaffee trinken.»