Darum gehts
- SRF baut Factual Entertainment aus, neue Formate und Weiterentwicklungen geplant
- «Landfrauenküche» fokussiert jetzt auf persönliche Geschichten statt heile Welt
- Premiere von «Im Einsatz» im September, «Notrufzentrale» Staffel 2 im Spätherbst
«Mini Chuchi, dini Chuchi», «Alone Together», «Shaolin Challenge», «Landfrauenküche», «Notrufzentrale» oder «Champion der Champions»: So unterschiedlich diese Formate auch sein mögen, sie gehören allesamt zum Genre Factual Entertainment.
Die wörtliche Übersetzung «faktengestützte Unterhaltung» trifft es ganz gut. Die erwähnten SRF-Sendungen sind keine Realityshows wie das RTL-Dschungelcamp oder «Big Brother», ebenso wenig sind es normale Dokus.
«Landfrauenküche» war auf heile Welt getrimmt
Vielmehr begleiten sie authentische Lebenssituationen bewusst mit einer gewissen Leichtigkeit. Oder wie Karen Ballmer, Leiterin Factual Entertainment bei SRF, es formuliert: «In einer Doku wird eine Person oder ein Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, journalistisch eingeordnet und oft in einen Kontext gestellt.» Factual Entertainment sei hingegen stark emotionsgeladen: «Die Nähe zu den Menschen steht im Fokus.»
Ein kunterbuntes Portfolio also mit gleich mehreren Quotengaranten. Insbesondere die verschiedenen «SRF bi de Lüt»-Reihen, die freitags zur Primetime laufen, kommen beim Publikum sehr gut an. «Was sicher auch daran liegt, dass wir alle Formate ständig weiterentwickeln und es daher nie langweilig wird», so Ballmer.
Als Beispiel erwähnt sie die früher ziemlich stark auf heile Welt getrimmte «Landfrauenküche»: Standen in den ersten Jahren üppige Gemüsebeete, herzige Kälbchen und handgemachte Chnöpfli im Vordergrund, geht es heute mehr um die Protagonistinnen selbst.
Es braucht Fingerspitzengefühl
Oder anders gesagt: Eine Landfrau darf natürlich ihren farbenprächtigen Garten zeigen, soll zugleich aber auch offen und ungeniert von ihrem Umgang mit Überlastung, finanziellen Sorgen und Lebenskrisen berichten.
Dass bei Factual-Formaten oft auch ein Stück Voyeurismus im Spiel ist, bestreitet Ballmer nicht. «Umso wichtiger ist die Art, wie eine Geschichte erzählt wird.» Und dass man den Protagonistinnen dabei stets auf Augenhöhe begegne. «Sie bringen uns unglaublich viel Vertrauen entgegen. Entsprechend sorgsam gehen wir damit um.»
Gerade bei Szenen, wo auch die weniger angenehmen Seiten des Lebens beleuchtet werden, brauche es Fingerspitzengefühl.
Dazu zählt die Reihe «Notrufzentrale», die Einblicke in den Alltag von Disponentinnen und Disponenten gibt.
Bei einem Notfall sind diese unsere ersten Ansprechpersonen. Im Spätherbst startet Staffel 2. Bereits im September gibt es den neusten Wurf aus dem «SRF bi de Lüt»-Universum. Die erste «Im Einsatz»-Staffel begleitet Rettungskräfte hautnah, zeigt aber – im Gegensatz zu «Notrufzentrale» – auch deren persönliche Seite: wie sie leben, wie sie abschalten und zur Ruhe kommen.
Am Vorabend wird erstmal nicht gerüttelt
Der Vorabend bleibt vorerst unverändert: «Mini Chuchi, dini Chuchi» läuft ja wie ein Schweizer Uhrwerk, auch die Arte-Reihe «Zu Tisch» kommt gut an. So gut, dass unter dem Titel «So schmeckt die Schweiz» derzeit ein Format gedreht wird, das ganz ähnlich anmutet und zwischenzeitlich den Sendeplatz übernehmen wird.
Ebenfalls nicht gerüttelt wird an «Hüttengeschichten», «z’Alp», «Familiensache», «Heimweh» & Co. aus dem vorher erwähnten «SRF bi de Lüt»-Universum. Unzählige Geschichten wurden unter diesem Label in den letzten Jahren schon erzählt. Vier davon nimmt Mira Weingart (29; «Zwei Reisen») in der neuen Samstagabendshow «SRF bi de Lüt – Ein Wiedersehen» Ende August nochmals auf.
Sie besucht etwa die eigenwillige Alphirtin Maya Lareida, die 2025 bei «z’Alp» mitmachte, oder den innovativen Adelbodner Unternehmer Chris Rosser aus «Unser Dorf» von 2022.
Es bleibt kein einmaliges Special, wie Karen Ballmer verrät: «Unsere Protagonistinnen und Protagonisten scharen ja oft schon nach kurzer Zeit eine kleine Fangemeinde um sich. Daher möchten wir künftig einmal jährlich aufzeigen, wie einige dieser Wege sich weiterentwickelt haben.»