Darum gehts
- «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» hat eine Beschwerde kassiert
- Der Vorwurf: SRF diskriminiere Männer, weil sie nicht Kandidaten sein dürfen
- Die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz hat sich nun dazu geäussert
Über 1400 Beschwerden gingen letztes Jahr bei der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz ein, so viele wie noch nie. Bei einem Viertel davon ging es um den Nahost-Konflikt. Doch auch ganz andere Themen können für Unmut sorgen, wie eine Beanstandung zeigt, der sich die Ombudsstelle kürzlich anzunehmen hatte: Hier war «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» Stein des Anstosses. Die Sendung, in der Frauen vom Land mit ihren Kochkünsten gegeneinander antreten, ist ein Erfolgsformat – schon 19 Staffeln wurden gesendet, die 20. ist in Planung.
Der Beanstander moniert, dass die Sendung «Frauen über Jahre hinweg als Protagonistinnen zeigt, während andere Geschlechter faktisch ausgeschlossen bleiben». Diese einseitige Darstellung erfolge kontinuierlich und strukturell und reproduziere unreflektiert traditionelle Rollenbilder. «Die Darstellung konzentriert sich primär auf Frauen in Haushalt, Küche und Care-Arbeit, während Männer und andere Geschlechter weitgehend unsichtbar bleiben, was eine normative Wirkung entfaltet und soziale Vorurteile verstärkt.»
Verstoss gegen die Verfassung?
Dabei stehe das SRF hier in einer besonderen Verantwortung, so die Beschwerde weiter. «Öffentlich-rechtliche Sender prägen normative Vorstellungen von Realität und haben damit aktiven Einfluss auf gesellschaftliche Rollenvorstellungen.»
SRF verstosse mit der «Landfrauenküche» mutmasslich gegen die Artikel der Bundesverfassung, die besagen: «Niemand darf diskriminiert werden, namentlich nicht wegen des Geschlechts», und «Mann und Frau sind gleichberechtigt». Verletzt werden nach Meinung des Beanstanders auch das Gleichstellungsgesetz sowie das Radio- und Fernsehgesetz, das ebenfalls festschreibe, Diskriminierung sei zu vermeiden.
Landfrauen als «versierte Managerinnen» gezeigt
In ihrer Stellungnahme zur Beschwerde verteidigt die Redaktion die Sendung wortreich. Es handle sich nicht um ein Format, das eine umfassende Abbildung aller Geschlechterrollen in der Landwirtschaft oder in der Gesellschaft im Allgemeinen beanspruche. «Vielmehr bietet es einen Einblick in einen bestimmten Ausschnitt der ländlichen Kultur und Tradition, der historisch und kulturell stark von Frauen geprägt ist.»
Zudem habe sich die Sendung über die Jahre hinweg weiterentwickelt: Während zu Beginn das Kochen mehr im Vordergrund gestanden sei, liege der Fokus heute auf «modernen Landfrauen, die weit mehr tun als kochen»: «Sie werden als versierte Managerinnen gezeigt, die Familie, Bauernhofbetrieb und oft ein zusätzliches Standbein unter einen Hut bringen.»
Ombudsstelle: Frauen kochen nun einmal mehr
Auch den Vorwurf, Männer würden diskriminiert, weil sie nicht als Kandidaten in der «Landfrauenküche» auftreten können, weist die Redaktion zurück – immerhin habe SRF auch sieben Staffeln des Formats «SRF bi de Lüt – Männerküche» ausgestrahlt.
Dieser Argumentation schliesst sich die Ombudsstelle in ihrem ablehnenden Entscheid zur Beanstandung an. Es handle sich um keine Diskriminierung, weil das Format sich auf eine spezifische Gruppe konzentriere, ohne eine andere zu benachteiligen. Und es gebe hinreichende sachliche Gründe, «eine geschlechtsspezifische Darstellung der Kochtätigkeit in Bauernhaushalten» vorzunehmen, hält die Ombudsstelle fest. «Es ist davon auszugehen, dass im weit überwiegenden Teil der Familienkonstellationen in Bauernfamilien das Kochen von Frauen ausgeübt wird, da die Männer zumeist die körperlich schwere Arbeit auf dem Feld oder im Wald verrichten.»