Darum gehts
- Zehntausende verabschieden König Harald V. (†89) in Oslo am 9. September
- SRF verzichtet auf Live-Übertragung, Zuschauerin findet Entscheidung «oberschwach»
- 6500 Polizisten und 1000 Leibwächter sichern 450 geladene Gäste bei der Beisetzung
Oslo ist im Ausnahmezustand. Zehntausende Menschen säumen am 9. September die Strassen, um Abschied von ihrem beliebten König Harald V. (†89) zu nehmen. Europas Königshäuser sind geballt angereist: der britische Kronprinz William (44), Spaniens König Felipe VI. (58) mit Gattin Letizia (54) sowie die schwedische Königsfamilie, um nur einige zu nennen.
Sie erweisen dem verstorbenen Monarchen die letzte Ehre und begleiten die norwegische Königsfamilie um König Haakon VIII. (53) und Königin Mette-Marit (53) durch diesen schweren Tag. Auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) ist dabei. Über 6500 Polizisten und Angehörige der Streitkräfte sichern den historischen Grossanlass.
«Die Leistung von SRF ist oberschwach»
Dazu kommen 1000 Leibwächter, die die rund 450 geladenen Gäste schützen. Die ganze Welt blickt nach Oslo. Selbst in Bundesbern ist die Trauer sichtbar: Am Mittwoch, dem Tag der Beisetzung, weht die Schweizer Fahne auf dem Bundeshaus auf halbmast. Nur beim Schweizer Fernsehen setzt man zur selben Zeit auf etwas, bei dem einigen das Essen im Hals steckengeblieben sein dürfte.
Denn während sich pünktlich um 12 Uhr in Oslo der Trauerzug mit dem Sarg von König Harald V. vom Schloss zum Dom in Bewegung setzt, wird beim Schweizer Fernsehen gekocht. Auf SRF laufen zwei Wiederholungen von «Mini Chuchi, dini Chuchi». Auf dem Menü unter anderem: gefüllte Pouletbrust, Pak Choi mit Asia-Sosse und Süsskartoffelstock.
Eine Zuschauerin will das nicht hinnehmen und beschwert sich auf direktem Weg. Das E-Mail liegt Blick vor: «Ein historisches Ereignis, und SRF bietet den Kunden, die ein teures Zwangsabo bezahlen, keine einzige Info? Ich möchte zum Mindesten die Beerdigung von König Harald V. live sehen.» Ihr Urteil fällt deutlich aus: «Die Leistung von SRF ist schwach, oberschwach!»
Publizistische Relevanzgründe
Dabei wird der Abschied von Harald V. bei anderen öffentlich-rechtlichen Sendern als grosses Fernsehereignis behandelt. ORF III überträgt ab 12 Uhr live. Das ZDF berichtet im «ZDF-Mittagsmagazin» über den Trauerzug und zeigt am Nachmittag «ZDF Royal – Abschied von König Harald V.». Auch die ARD berichtet gross und live über die Beisetzung.
SRF begründet gegenüber der Zuschauerin den Verzicht auf eine Liveübertragung mit einem «verantwortungsvollen Umgang mit den Mitteln aus der Medienabgabe». Man habe sich bewusst gegen eine aufwendige Liveproduktion entschieden. Zudem ergänzt ihr gegenüber der Publikumsservice des Senders: «Wir kommen damit auch der wiederholt geäusserten Forderung aus der Politik nach, auf Leistungen zu verzichten, die von privaten Medien erbracht werden. Das Begräbnis von König Harald V. wird nämlich in der Schweiz durch Blick TV übertragen.»
Auf Nachfrage von Blick erklärt der SRF-Mediendienst: «SRF hat sowohl über den Tod als auch über die Beerdigung des norwegischen Königs Harald in seinen Nachrichtensendungen ausführlich berichtet. Auf eine Liveübertragung der Trauerfeier haben wir aus publizistischen Relevanzgründen verzichtet.»