Darum gehts
- König Haakon VIII. steht vor Kritik wegen Stiefsohn Marius Borg Høiby
- Høiby, verurteilt wegen Vergewaltigung, nahm an Haralds Sargträgerzeremonie teil
- 3000 Polizisten sichern Haralds Beerdigung am 9. September in Oslo
Die Welt schaut nach Oslo, während bei König Haakon VIII. (53) die Nerven blankliegen. Nun gibt der neue König eine klare Antwort auf die Frage: Wer steht bei ihm an erster Stelle – das Volk oder seine Familie? Bis anhin war klar: Für ihn war der familiäre Zusammenhalt wichtiger als alles andere. Entsprechend gross war das Raunen bei den Norwegern, in royalen Kreisen und in der internationalen Presse, als Haakons skandalumwitterter Stiefsohn Marius Borg Høiby (29) am 31. August als einer von sechs Sargträgern von König Harald V. (†89) eingesetzt wurde.
Zunächst waren viele entzückt, dass der «verlorene Sohn» nicht auch der vergessene oder verstossene ist. Marius durfte den Sarg sogar durch das Schloss tragen. Doch die Stimmung im Land ist schnell gekippt. Der Sohn von Königin Mette-Marit (53) ist unter anderem wegen zweifacher Vergewaltigung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Weil sein Anwaltsteam Berufung eingelegt hat, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft auf Schloss Skaugum und trägt eine elektronische Fussfessel.
Riesiges Sicherheitsdispositiv
Kritische Stimmen monierten, dass er sich ohne Wenn und Aber durch die royalen Räume bewegen darf – ein Hohn gegenüber seinen mutmasslichen Opfern. Auch die Teilnahme an Haralds Beerdigung sorgt für Kritik. Andere Häftlinge beklagten, sie hätten keine Ausnahmebewilligung für die Beerdigung eines Angehörigen erhalten. Marius schon. Und auch am 9. September, wenn der beliebte Monarch zwölf Tage nach seinem Tod beerdigt wird, darf er dabei sein. Harald V. hinterlässt ein Land, in dem er über 35 Jahre für Stabilität und Bodenständigkeit stand.
Marius darf nicht hinter dem Sarg gehen
Doch welche Rolle bekommt Marius? Wo wird er stehen, neben wem? Noch ist einiges offen. Eines aber ist klar: Er wird nicht hinter dem Sarg seines Stiefgrossvaters gehen. Wie der Palast am 6. September bekannt gab, werden König Haakon VIII., Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22), Königin Sonja (89), Prinz Sverre Magnus (20) und Prinzessin Märtha Louise (54) der Bahre folgen. Marius Borg Høiby ist offiziell nicht dabei.
Wo genau er in der Domkirche sitzen wird, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Für den Palast ist seine Platzierung eine heikle Frage zwischen Familiennähe, Protokoll und öffentlicher Wahrnehmung.
Für Oslo wird die Trauerfeier indes zur gigantischen Sicherheitsaufgabe: Rund 3000 norwegische Polizisten werden im Einsatz sein, dazu zahlreiche ausländische Sicherheitskräfte und Leibwächter. Von gegen 1000 bewaffneten Leibwächtern ist in norwegischen Medien die Rede. Die Zeremonie wird live von verschiedenen TV-Stationen übertragen.
Blick tickert am 9. September ab 12 Uhr König Haralds V.s Beerdigungszeremonie live.