Darum gehts
- Zara Tindall gewinnt British Open Championship am Geburtstag ihrer Mutter Anne
- Prinzessin Anne war erste Royal bei Olympia 1976 als Springreiterin
- Zara siegt mit 17-jährigem Wallach «Class Affair» nach 20 Jahren erneut
Sie beherrschen das Hofprotokoll – und doch ist es nicht die royale Glitzerkulisse, die Prinzessin Anne (76) und Tochter Zara Tindall (45) schätzen. Viel wohler fühlen sich beide seit jeher zwischen Stroh und Sätteln in den Stallungen hinter den Palastmauern. «Bei uns wird ständig über Pferde gesprochen. Sie gehören zur Familie», verriet Zara. Diese Vernarrtheit in die edlen Tiere kommt nicht von ungefähr: Bereits Queen Mum begeisterte sich zu Lebzeiten für den Pferderennsport. Später trat sie zusammen mit ihrer Tochter, Queen Elizabeth II., als stolze Besitzerin von Rennställen auf, feierte Siege und war bis ins hohe Alter eine begeisterte Zuschauerin bei grossen Turnieren.
So wurde mit den Jahren aus der königlichen Passion ein roter Faden, der sich durch die Generationen zieht. Als Prinzessin Anne 1976 in Montreal als erste Royal als Springreiterin an den Olympischen Spielen teilnahm, setzte sie Massstäbe. Dass ihre Tochter Zara in diese Fussstapfen treten würde, war nie eine Frage adliger Pflicht, sondern reine Herzenssache. Nun, ausgerechnet am 76. Geburtstag ihrer Mutter, besiegelt Zara Tindall die Familiengeschichte auf die wohl schönste Weise: Bei den renommierten Hartpury International Horse Trials reitet sie auf ihrem 17-jährigen Wallach «Class Affair» zum Sieg in der «British Open Championship».
«Ich bin einfach überglücklich», gesteht die Siegerin im Anschluss strahlend. «Besonders, weil ich es im heimischen Gatcombe nie geschafft habe, zu gewinnen!» Derweil gab es auch für Mutter Anne an ihrem Ehrentag wohl kein bewegenderes Geschenk als diesen Erfolg.
Fallen, Krone richten, aufstehen
Dass Zara Tindall heute – fast 20 Jahre nach ihrem umjubelten Weltmeistertitel 2006 – wieder ganz oben auf dem Podest steht, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Reitsport, so elegant er wirken mag, ist unerbittlich und forderte über die Jahre immer wieder seinen Tribut. 2004 blieb die Dreifachmama nach einem schweren Sturz bewusstlos auf der Strecke liegen. Vier Jahre später erlitt sie nicht nur einen Schlüsselbeinbruch, sondern verlor auch ihr Herzenspferd «Tsunami II», das nach dem Unfall eingeschläfert werden musste. Selbst abseits des Turniersports lauert die Gefahr: Erst im Januar 2025 stockte Anwesenden der Atem, als ein Ross bei einem Fototermin plötzlich scheute und Zara Tindall zu Boden drückte.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!
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Doch wie ihre Mutter ist auch Zara eine absolute Kämpfernatur. Dass Aufgeben für die royalen Reiterinnen schlichtweg keine Option ist, bewies Prinzessin Anne erst kürzlich am eigenen Leib: Im Sommer 2024 erlitt sie durch einen schweren Zwischenfall mit einem Pferd auf ihrem Landsitz eine Gehirnerschütterung und musste im Spital behandelt werden. Doch kaum genesen, schwang sich die Prinzessin mit derselben ungebrochenen Begeisterung wieder in den Sattel. Es ist diese Hartnäckigkeit, die Mutter und Tochter so verblüffend ähnlich macht. Narben, Schlamm und Rückschläge gehören für sie beide unweigerlich dazu. Das unzertrennliche Band zwischen ihnen besteht eben nicht nur in den strahlenden Momenten des Sieges, sondern in dieser tiefen, gemeinsamen Resilienz. Nach jedem Sturz wieder aufzustehen – das ist die wahre royale Disziplin dieser beiden Frauen. Zaras fulminantes Comeback schliesst nicht nur einen sportlichen Kreis, sondern ist vor allem eine Hommage an ihre Mutter. An die Frau, die ihr vor so vielen Jahren die Zügel in die Hand gab.